Denn jetzt haben wir Schlaf im Körper. Das heisst, wir können auch aufstehen und auspacken. Dabei fallen mir die 4 Setlists von Skambankt in die Hand, denn die guteste Zahl stürmte direkt nach dem Konzert auf die Bühne und pflückte alle vier ab um sie sich zu sichern. Grinsend kam sie aus dem Backstagebereich auf uns zugeschlendert und drückte mir die vier handgeschriebenen Zettel mit den Worten "die blaue ist Terjes" in die Hand. Nun hängt selbige an meiner Wand.
Auch wenn das alles noch weit von so etwas wie Alltag entfernt ist, habe ich am Montag einen langen Unitag. Beginn ist Gott sei Dank erst gegen 14.00 Uhr, was uns einen ruhigen Start in den Tag ermöglicht, denn Marlene mag auch nicht gehetzt werden.
Sie begleitet mich zur Uni, dort sitzt sie und fügt sich ins Bild ein, während ich zusammen mit sieben weiteren Leuten in Sachen "Litteratur og erindring" bilden lasse.
Die super Lernbedingungen scheinen sich ähnlich wie in Trondheim einfach durch nicht vorhandenes Interesse am Deutschen von norwegischer Seite zu erklären, denn von den acht Leuten im Kurs sind 5 aus Deutschland, auch wenn Björn schon so lange hier ist, dass er perfekt Norwegisch spricht, Deutscher ist er eben doch noch...
Dann gehe ich zusammen mit Marlenen zur offenen Norwegian Life & Society Vorlesung.
Die ist leider ziemlich langweilig, aber das liegt vielleicht darin begründet, dass der werte Herr Professor durch hunderte von Jahren norwegischer Geschichte prescht, Gott sei Dank ist hier jede Woche jemand anderes, der uns was über die verschiedensten Aspekte des Landes erzählt...
Nach einem ziemlich guten von der Langeweile erholenden Abendessen in der Mensa, die hier bis 19.00 Uhr auf hat (JUHU!), gehen wir mit den anderen zum Unifilm. Andi ist inzwischen ziemlich stolz auf erste Norwegischkenntnisse, die er sich am Nachmittag angeeignet hat. Marlene kennt den gezeigten "Comrade Pettersen" zwar schon, aber meint, dass man sich den auch ruhig zweimal angucken kann. Dieser Meinung bin ich nach dem Film auch. Er gefällt mir wirklich sehr, auch wenn irgendwie alle außer Marlene und mir ein Problem mit dem Schluss zu haben scheinen...
Das angebotene Pfannkuchenessen schlagen wir zu Gunsten eines Telefongesprächs mit dem guten Palme aus. Der muss ja noch informiert werden, wie das hier in Oslo alles so läuft.
Nach relativ wenig Schlaf habe ich Dienstag dann das erste Mal Norwegisch. Marlene fragt ganz lieb, ob sie sich mit reinsetzen darf und mein Lehrer erlaubt es ihr. Zu dem müssen sowieso noch ein paar Worte verloren werden.
Der gute heisst Øyvind und ist Linguist. Juhu. Er hat ein kleines Pläutzchen unter seinem schwarzen T-Shirt versteckt, trinkt dampfenden Kaffee und hat schöne Haare, er redet in einem mir sehr gefallenden Dialekt und sagt, dass er mit uns auch gerne was außerhalb des Unterrichts machen möchte. Er spricht nur und ausschließlich Norwegisch. So wie wir Schüler auch.
Am Anfang habe ich große Angst restlos überfordert zu sein, aber inzwischen denke ich, dass es das richtige für mich ist. Auch wenn viele Leute in dem Kurs viel besser sind, zumindest viel besser im reden. Ich muss mich eben hinsetzen und was tun. In den Arsch getreten zu werden ist ja nicht schlecht.
Nach vier Stunden Norwegisch fahren Marlene und ich erstmal nach Bjerke um einen Schlachtplan aufzustellen.
Der ist schnell gemacht. Ein kleiner Spaziergang durch den Sofienbergpark und ein größerer durch Aker Brygge sollen es sein. Beim Postkarten kaufen bekomme ich ein Kompliment für mein norwegisches Milchtütengeldbörschen und Marlene erklärt mir etwas über Möwen und Prachtkleider.
Und die Wiedersehensfreude nachdem sie mich von dem großartigen "Inglourious Basterds" abholt, ist, wie der Norweger sagen würde, ubeskrivelig. Der Film ist übrigens mehr als empfehlenswert. Wobei ich auf Grund des ganzen Sprachwirrwarrs eindeutig das Original empfehle. Die französischen Passagen verstand ich nur auf Grund der norwegischen Untertitel.
Am Mittwoch ist das Wetter schlecht. Das heisst, dass wir nach kurzer Uni-Zeit einen Museumstag machen. Wir fahren mit dem Boot auf die Museumsinsel und gucken uns die Fram an. Ich bin ja ein großer Fan von Schnee und Eis und würde am liebsten nur zur Deko immer "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" mit mir herumschleppen, nur damit alle das wissen.
Weil wir Studenten sind, bezahlen wir nur 20 Kronen. Die kosten wir auch bis auf´s letzte aus. Aufmerksam wird jede Tafel durchgelesen, wobei uns auffällt, dass es keine deutsche Tafel für den Tod Amundsens gibt. Vielleicht ist das für die Deutschen ja einfach zu tragisch...
Wir sind auf jeden Fall beeindruckt auf diesem Schiff, der Fram (=vorwärts), zu stehen und uns vorzustellen, wie es im ewigen Eis eingeschlossen ist. Für drei Jahre. Da ist es ein ganz merkwürdiges Gefühl aus dem Fenster zu gucken und das wunderbare Oslo zu sehen.
Hungrig und müde kriechen wir ins Mono und teilen uns ein Pytt-i-Panna, also ein Wir-nehmen-alles-was-wir-noch-übrig-haben-und-schmeißen-es-in-eine-Pfanne. Das ist unglaublich lecker und wird zurück in Bjerke nur noch von Blaubeereis übertrumpft.
Die Tage hier in Oslo sind im Moment so vollgepackt, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Es passiert ständig so viel, mit so vielen. Ich weiß, dass ich mehr schlafen muss, weil ich sonst nicht mehr lange durchhalte. Und ich muss unglaublich viel für die Uni machen, obwohl ich bisher noch nie dieses Gefühl von Lästigkeit empfunden habe, wie in Leipzig oft.
Ich fühle mich wohl hier. Das kann ich gar nicht oft genug sagen. Und es wird noch so viel Gutes passieren, davon bin ich überzeugt...
Vintersju.
ach Vintersju, das ist so schön!
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