Und es war super.
Zunächst einmal stand nicht viel an. Ich musste mir nur mein Informationspaket abholen und hatte Glück, dass das um diese Zeit sonst niemand wollte. So konnte der nette Vergabemensch mir alles in Ruhe erklären. Endlich habe ich auch eine Mappe mit meinem Namen drauf. Und meiner Buddy-Group. Hoffentlich sind da gute Menschen drin. Zunächst scheinen die hier nach Fakultäten geordnet zu sein. Hehe, Jura ist pink. Ich bin grün. Das gefällt mir natürlich sehr gut. Und zusätzlich bin ich noch in Gruppe 1 der Grünen. Martin ist in Gruppe 2 und wollte meine Theorie, dass nur die wirklich coolen in der ersten Gruppe sind nicht so recht glauben. Aber wir werden ja sehen...
Dann sollte ich den Andi in der Bibliothek suchen. Einzige Anhaltspunkte: Dritte Etage, ganz hinten.
Die Bibliothek befindet sich in dem großen schwarzen Gebäude, von dem wir schon mal ein Foto reingestellt haben, welches ich an dieser Stelle erneut reinstellen werde, da ich heute schon wieder meine Kamera vergessen habe...
Ich gehe also in den Teil des Gebäudes mit der Bibliothek und es haut mich um. Die Bibliothek in Leipzig eignet sich hervorragend zum Angeben, was ich an Svea und Marlene ja auch schon eindeutig beweisen konnte, aber die hier verschlägt auch mir die Sprache. Man muss seine Sachen hier nicht einschließen, kann einfach alles mit herein nehmen. Niemand guckt einen doof an. Alles ist riesig, offen, schön... Ich finde Andi an der beschriebenen Stelle und gehe mit offenem Mund auf ihn zu. Er antwortet nur "JA! Oder?" Wir sind echt ziemlich beeindruckt. Neben ihm sitzt José aus Portugal. Der war schon öfter hier und ist es in diesem Semester auch wieder. Auch in Portugal sind die Bibliotheken nicht so beeindruckend. Eigentlich hat José auch einen viel längeren Namen, den er mir auf seinem Uni-Ausweis zeigt. Sein Name ist tatsächlich so lang, dass er selbst nie weiß, was er auf Dokumenten mit First-, Middle- und Lastname wo hin schreiben soll... José vertieft sich mit Martin in ein Gespräch über Fussball. Zu meinem Glück mag Andi diesen Sport ungefähr genauso wie ich. Wir diskutieren darüber, dass wir uns noch Schuhe kaufen müssen.
Wir essen in der Mensa. Der Studentenpreis für ein Essen beträgt 45 Kronen, ca. 5 Euro. Das ist teuer, aber in meiner Planung drin. Das Essen ist nämlich gut und im Winter werde ich das definitiv nutzen.
Dann wird es Zeit für den Einstufungstest. Wie gut ist unser Norwegisch? In welchen Norwegischkurs dürfen wir? Dürfen wir überhaupt in irgendeinen? Viele viele Menschen verteilen sich über den riesigen Hörsaal. Vorne stehen dickbäuchige norwegische Männer und ältere Damen, die uns ausschließlich auf Norwegisch erklären, was hier gleich vor sich geht, wo und wann wir die Ergebnisse bekommen und so weiter...
Dann geht der Test los. Mit einem Diktat. "Schreibt euren Namen auf das Blatt. Und schreibt DEUTLICH!" Ich kann gut folgen, bis auf eine blöde Stelle am Ende. Martin hat sie auch nicht verstanden.
Danach folgen vier kleine Aufsätze. "Auch für die gilt: Schreibt DEUTLICH!" Die gute Frau wird nicht müde, das ein ums andere Mal zu erwähnen, aber nicht boshaft, sondern immer so, dass sie Gelächter erntet. Ich verstehe sie gut, immerhin muss sie diese hunderte von Arbeiten bis Mittwochmorgen durchgeguckt haben.
Wie hast du Norwegisch gelernt?
Warum möchtest du Norwegisch lernen?
Wie ist der Fremdsprachunterricht in den Schulen deines Heimatlandes?
Was ist die Bedeutung vom Fremdsprachenlernen - für den Einzelnen und für die Gemeinschaft?
Ähm... huch! Da freue ich mich bei der letzten Aufgabe ja, dass ich überhaupt die Frage verstehe. Die wollen 300 Wörter von uns Studenten. Die kriegen sie auch. Mir fällt das Schreiben nicht gerade leicht und ich weiß viel zu wenig Vokabeln um meine Gedanke vernünftig auszudrücken. Das alles wird vor Fehlern nur so strotzen, aber ich bin ja zum Lernen hier. Und das ist keine Prüfung, sondern nur eine Einstufung.
Vor dem Raum warte ich auf Martin. Und lerne so Ann-Kristin kennen. Sie war total überfordert, hat es aber trotzdem versucht. Wir beschließen uns morgen zu suchen und gemeinsam die Studentenkarte zu beantragen. Sie hat es nämlich satt immer alles alleine machen zu müssen. Ich schließe mich da gerne an. Und ich werde morgen etwas Grünes tragen. Passend zu meiner Buddy-Group. Alltid positivt.
Heute morgen war es übrigens schon mit dem alleine Wohnen vorbei. Es rumpelte im Karton und arabische Frauenstimmen waren zu vernehmen. Als ich meinen Kopf in den Flur hinaussteckte, war die Tür nach draußen aber schon wieder zugeschlagen und bisher ist niemand zurückgekehrt... Ein Mädchen also. Vielleicht lässt sie ihre Haare ja nicht im Abfluss. Wir werden sehen...
Ich hab jetzt jedenfalls Putztücher und Reinigungszeug für´s Bad. Morgiges Tagesziel: Fotoapparat einstecken. Wasserkocher kaufen. Studentenkarte kriegen.
Vintersju.
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