Denn meiner Meinung nach habe ich von 14.00Uhr bis 18.00Uhr Vorlesungen. Der Martin schreibt mir dann noch rechtzeitig eine Mail, dass die zweite Vorlesung erst nächste Woche beginnt.
Na gut, aber dafür dann Literattur og Erindring. Mein deutsches Literaturseminar mit echten Norwegern. Ich bin aufgeregt. Ich fürchte mich ziemlich.
Aber was soll´s. Dafür bin ich ja hierher gekommen. Okay. Los geht´s. Ich fahre zur Uni, ich suche das richtige Haus, den richtigen Raum, setze mich hinein. Ich bin die erste und blicke mich erwartungsvoll um. Es kommt niemand. So geht das ja auch nicht. Wenn das hier zwei Stunden dauern soll, muss ich nochmal auf Toilette.
Als ich von selbiger wiederkomme, sehe ich einen großen Zettel an der Tür: Tysk2333 fällt am 17. August wegen Krankheit aus. Auf Norwegisch.
Boing. Das war wohl nix. Doch keine Uni heute.
Also treffe ich mich mit Andi in der Stadt, um selbige beinahe vier Stunden lang erfolglos nach einem neuen Paar Schuhe zu erkunden.
Dann fahren wir zurück zur Uni. Es gibt eine Sondervorlesung zum Thema Sonderveranstaltungen, wie Wandern und anderes Soziales. Schnell sind wir uns einig, dass wir unbedingt den Trip nach Fjaerland machen müssen. Dort werden wir einen Berg erklimmen und über einen Gletscher wandern. Das wird großartig und vernünftige Wanderschuhe kann man sich Gott sei Dank von der Uni ausleihen.
Es folgt ein norwegischer Film mit englischen Untertiteln im Uni-Kino. "Hawaii, Oslo" ist wirklich interessant und für mich besonders schön, weil er in Grünerlökka spielt, an all den Orten, die ich inzwischen so gut kenne.
Nach einigen vergeblichen Partyauftreibungsaktionen wird Andi von Johannes und Martin kurz ins Gebüsch befördert. Alle gehen doch ihren Weg.
Ich will auch ausschlafen. Morgen kommt ja Marlene. Und da muss ich fit sein...
Ich bringe den nächsten Vormittag mit Müh und Not herum.
Ständig schaue ich auf die Uhr. Wo ist das Flugzeug wohl gerade?
Und dann ist plötzlich eine SMS da, die mir verrät, dass sie im Zug hierher sitzt! Ich muss mich beeilen. Und natürlich kriecht der Bus mit einem Schneckentempo Richtung Stadt... Ich werde zu spät kommen!
Und dann laufe ich auch noch zum falschen Gleis!
So geht das doch nicht! Wo ist Marlenen?
Auf einmal steht sie da. Einfach so. Hier vor mir. In Norwegen. Das Umarmen ist ein bisschen schwierig, denn sie hat ja Øyvind dabei, ihren großen Rucksack, aber wir schaffen es trotzdem. Ich muss Grinsen. Mein Gesicht wird weh tun, wenn das so weitergeht.
Wir fahren als allererstes zum Buchladen, damit auch Marlene endlich ihr ganz eigenes Kontroll Paa Kontinentet Buch hat. Es stehen auch tatsächlich zwei Stück im Regal. Mit dem frisch erstandenen Schatz geht es dann aber erstmal nach Bjerke. Das Gepäck muss abgeladen werden und wir müssen Zahl "Hallo" sagen, Donnerstag sind wir schon bei dir!
Aber dann hält uns nichts mehr im Wohnheim. Da Oslo sich für Marlene von seiner schönsten Seite präsentiert, müssen wir die Stadt zu Fuß erkunden. Wir schlendern durch den Sofienbergpark und den Markveien hinunter durch ganz Grünerlökka. Dabei gehen wir in mindestens 300 Second Hand Läden und finden wunderbare Schätze und trauen uns manchmal sogar beim Rausgehen "Ha det!" zu sagen...
Natürlich will ich Marlene das Mono zeigen! Aber davor noch das Rockefeller! Das liegt ja quasi auf dem Weg und am Fenster hängt auch das Programm auf dem ganz oben SKAMBANKT stehen. Gut, dass wir schon Karten haben... Man weiß ja nie!
Wir kommen auf den Youngstorget. Dort ist das Internasjonalen, ein weiteres Café, das Zahl und ich damals schon für besuchenswert erachtet haben. Ich will es Marlene zeigen und wir gehen deswegen dichter daran vorbei.
Da sehen wir Terje dort sitzen. Er trinkt mit seiner Frau einen Kaffee. Wir setzen uns mit etwas Abstand auf den Marktplatz und beobachten wie er aufsteht, ihr über das Gesicht streichelt. Er trägt komplett schwarz. Sie rot. Sie steht auf, die beiden küssen sich und er sammelt sein Gepäck zusammen und wir sehen sie Hand in Hand davonspazieren.
So langsam ist es wirklich deutlich, dass die hier alle wohnen. Ich glaube es ja!
Auf soviele Begegnungen müssen wir im Mono erstmal zur Beruhigung was trinken! Marlene ist Gott sei Dank genauso begeistert wie Zahl und ich. Wir lieben unser Mono.
Und eigentlich könnten wir ja jetzt auch noch nach Bygdoy fahren, damit Marlene auf die Ölfässer hauen kann! Nach einem Spaziergang über die Karl Johans Gate setzen wir diesen Plan direkt in die Tat um.
Wieder auf dem Festland spazieren wir noch ein Weilchen weiter. Irgendwann bin ich aber zu müde und angestrengt von diesem Tag. Ich will Marlene doch noch soviel zeigen!
Morgen! Ja, morgen ist ja auch noch ein Tag. Mittwoch nämlich. Da hab ich ja auch wieder Uni und diesmal findet vielleicht sogar auch ein Kurs statt...
Vintersju.
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