Sonntag, 9. August 2009

He's been reading Bukowsi for days, leans over and spits his name in our face...


Die zweite Woche Sprachkurs ist vorbei. Ich bin nun also schon seit knapp einem Monat hier in Norwegen. Ich kann die Leute inzwischen verstehen, aber sprechen selbst ist immer noch von großer Hemmschwelle umzäunt.
Der Unterricht mit Nils geht streng voran, wir schreiben Essays über Essays und lernen in der letzten Stunde vorm Wochenende noch, wie man ordentlich flucht! Wenn man es nämlich zu arg betreibt, wie es uns in Filmen und Liedern vorgemacht wird, kann man schonmal für soziale Kriege sorgen, sagt Nils mit süffisantem Grinsen.
Und wir lernen ein neues norwegisches Sprichwort: IKKE ENGANG VERDENS VAKRESTE KVINNE KAN MÅLE SEG I SKJØNNHET ET KORREKT SATT KOMMA - nicht einmal die hübscheste Frau der Welt kann sich mit der Schönheit richtiger Kommasetzung messen.



In den Pausen räkeln wir uns auf den Hügeln des Campus' in der Sonne und essen Powerbananen, den Nils weiß auch zu erzählen, dass es bei Müdigkeit und Lustlosigkeit nur eine Lösung gibt: Bananen.


Nils, der Herr Lehrer. http://www.flickr.com/photos/39953159@N07/

Auf dem Heimweg werden Hans und ich von Marco angesprochen. Der Italiener ist auch in unserem Sprachkurs und sitzt meist alleine auf dem Campus weitab von allen anderen. Er ist auch viel älter als die meisten, deswegen dachte ich, er will sich mit Absicht von uns separieren. Deswegen sind wir umso überraschter, als er uns fragt, ob wir auch zum Pstereo gehen. Wir lernen also gelich, dass es nicht Pstereo, sonder P-Stereo heißt. Weswegen auch immer. Er arbeitet jedenfalls dort in der ersten Nacht, in der alles aufgebaut wird an Bühnentechnik und Abzäunung und so weiter.
Er sagt, wir beide sehen aus, wie Leute, die dorthin gehen würden. Wir bejahen und beginnen zu plaudern, über Musik, die norwegische Rockszene und Müdigkeit. Marco ist hier, weil er Rockstar werden will mit einer seiner Bands. Die erfolgreichste von beiden ist "Grim", für die er gerade fleißig Songs schreibt, damit sie bald ins Studio können. Das ist auch der Grund, warum er nie nachmittags mit uns bei den Veranstaltungen ist.
Wir sind auf dem Parkplatz angekommen und stehen vor einem alten knallorangen Ford Capri, als der Italiener fragt: "Wanna take a ride?" OHJA! Das Auto riecht nach altem Leder und Benzin. So düsen wir also in die Stadt. Oder nicht ganz, er lässt uns irgendwann raus und wir laufen zu Fuß in das Studentendorf. Ich bin noch ganz hin und weg, während Hans so tut, als würde er jeden Tag mit einem Ford Capri vorgefahren werden. Wir entdecken einen Klischee-Italiener. Lederjacke. Sonnenbrille. Dunkle Locken. Ford Capri. Bukowski unterm Arm. Er will am Montag Musik mitbringen und ein bisschen Werbung für "Grim" machen.



Ich habe endlich meine Waschkarte. Es wird Zeit für eine lange Waschzeremonie. Hier ein kleiner Einblick in unseren Trockenschrank, der nicht vergleichbar ist mit frischer Ostseeluft, aber er macht trotzdem alles trocken.

Und ja, ich habe nur schwarze Sachen gewaschen. Mit der ersten Maschine.
Am Abend soll irgendein Geburtstag mit Grill gefeiert werden, deshalb lauf ich mit dem Kanadier nochmal in einen riesigen Supermarkt in dem wir uns beide verlaufen haben. Man darf den Kanadier auf diesem Bild nicht mit einem Tiroler verwechseln, er tarnt sich nur gern.

Die Körbe kann man hinter sich herschieben, wieder eine Erfindung der Norweger, wie einfallsreich die doch alle sind!
Im International Office erzählen sie mir, wegen meiner Kurse soll ich nächsten Mittwoch in der Stadt nach irgendeinem Stand suchen, an dem man sich einschreiben kann. Der junge Herr an der Rezeption weiß selbst nicht genau, wie ich das anstellen soll, schickt mich aber in ein anderes Büro, in dem die Verantwortlichen für den weiterführenden Sprachkurs sitzen. Nach 10 Telefonaten und einigen Hundeblicken stehe ich auf der Liste für den Einstellungstest, mit der Ankündigung, selbst wenn ich ihn bestanden habe, müssen sie immer noch aussortieren.
Abends beim Grillen treffe ich Megan aus Großbritannien, in deren nice britsh accent ich mich sofort verliebe und sie deswegen mit Fragen überhäufe um mehr davon zu hören. Sie hat sich als 68er Mädchen verkleidet und klimpert unter den Birken ein bisschen was auf der Gitarre. Es gibt kanadische Klopse nach dem Rezept von Juliens Mutter. Der Regen durchkreuzt unsere Pläne, noch in die Stadt zu gehen.





Ich habe neue Mitbewohner. ChengXing aus China versprüht angenehme Atmosphäre in unserer Bude. Doreen hat sich schon seit Ewigkeiten nicht blicken lassen, man merkt nur an ihrem enormen Klopapierverbrauch, dass sie da ist. Ich werde vorschlagen, dass sich am besten jeder sein eigenes Klopapier besorgt, denn meine 8 Rollen waren innerhalb von 3 Wochen aufgebraucht. Und das bei zwei Mädchen, oder inzwischen drei, nur dass die arme Cheng nicht soviel von dem Klopapier hatte. Mein Telefon klingelt unentwegt. Ich geh nicht ran, weil ich keine Lust hab, aber nach dem 6sten Anruf nehme ich dann doch ab, um alles abzusagen, was mir vorgeschlagen wird. Bei Nils im Unterricht schlaf ich immer fast ein, deswegen will ich heut um 9 ins Bett. Asiatisch klingende Laute dringen in mein Ohr. Wer will wen sprechen? Ich sage dem jungen Asiaten, dass er sich verwählt hat und es nochmal probieren soll. Ich hätte es nicht tun dürfen, denn er probiert es noch mal, aber nicht nur einmal, sondern 5mal und landet immer bei mir. Genervt sag ich ihm, er soll es lassen, denn ich will schlafen. Er entschuldigt sich tausend Mal. Am nächsten Morgen kommt Cheng in ihrem seidenen Nachthemd in mein Zimmer geschwebt uns fragt nach Männeranrufen vom gestrigen Abend. Aha. Neben dem Abholen der Waschkarte in der Rezeption werden also gleich die Telefonnummern berichtigt und der junge Chinese wird jetzt nie wieder in der falschen Leitung sein.
Am nächsten Morgen sitzt ein dunkler Kerl in Basketballspielergröße am Frühstückstisch und liest "Verdens Gang". Hat Doreen etwa doch Freunde? Nein, es ist der neue Mitbewohner. jamba kommt aus Kenia und schenkt mir ein strahlendweißes Lächeln, bevor ich mit geschnürtem Ränzlein aus der Tür husche. Das Wochenende soll beginnen!

Zahl

1 Kommentar:

  1. das lusitge ist: wenn man die bilder ein bisschen schneller runterscrolled sieht es aus, als wenn auf dem bild nach dem igel ihr diesen auf den grill geschmissen habt!

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