Während ich noch mit dem Laptop Bjarne im Bettchen sitze und einen Blogg in die Tasten haue, wirbelt Marlene auf einmal ganz aufgeregt durch das Zimmer. Sie räumt auf! Zack, zack, zack! Das hier hin, jenes dorthin und auf einmal ist das hier total ordentlich! Ich tippe munter weiter und als ich das nächste Mal aufblicke, ist der Tisch mit einem Deluxefrühstück gedeckt! Das muss erstmal für mindestens eine Stunde zelebriert werden!
Dann verschwindet Marlene im Bad. Ich nutze die Chance und räume fix den Tisch ab! Sonst mach ich hier gar nichts mehr, so werde ich gerade verwöhnt... Das versaut bestimmt meinen Charakter!
Doch draußen lockt immernoch die Sonne. Also schlüpfe ich zu einem grünen Oberteil in meine grünen Schühchen und hänge mir meinen grünen Beutel um. Ein Musterbeispiel für Farbabstimmung. Und dann noch mit Riesensonnenbrille. So kann man sich auf Oslos Straßen zeigen. Und das tun wir.
Wie jeden Sonntag findet im Birkelunden ein Flohmarkt statt, über den wir genüßlich schlendern. Hier findet man eigentlich alles, was man für eine schöne Wohnung braucht und wenn man sowieso in Grünerlökka wohnt, muss man das auch gar nicht weit tragen... Solche und ähnliche Gedanken schwirren uns durch den Kopf, während das Bjölsener Senioren Corps uns mit musikalischer Untermalung versorgt. Das bunte Treiben ist interessant zu beobachten.
Doch wir fühlen uns ein wenig dehydriert. Im Narvesen soll es eigentlich nur ein Wasser sein, aber dann stehen wir vor dem Süßigkeitenregal und füllen uns zwei Tütchen voll. Wirklich alles, was wir uns da reinschaufeln ist klasse, mit einer entscheidenden Ausnahme: Die Lakritztotenköpfe sind echt eklig. Bloß nicht probieren!
Wir setzen uns in den nächstgelegenen Park und zelebrieren den Süßigkeitenschatz. Auf einer Bank sitzt ganz dekorativ eine Katze. Neben diese setzt sich ein Mann mit einer Zeitung. Die Katze will wohl etwas Zuneigung und kuschelt sich an ihn heran. Doch der schlechtgelaunte Typ schubst das kluge Tier einfach von sich weg. Das findet sie gar nicht gut und bleibt nicht auf der gleichen Bank mit dem sitzen. Aufmerksamkeitsheischend räkelt sie sich eine Weile auf dem Boden, bevor sie es sich zwei Bänke weiter gemütlich macht. Ich kann nicht anders und muss sie einfach streicheln. Sie hat herrlich weiches Fell. Und auch keine Tollwut oder irgendwas, falls jemand jetzt skeptisch sein sollte. Es ist ein sauberes, behalsbandetes Tier!
Nach einem kurzen Abstecher auf die kostenlosen Toiletten im Sofienbergpark wechseln wir den Stadtteil. Zum ersten Mal fahre ich mit Marlene in den Westen. Wir schauen uns den Vigelandparken an.
Hier sind noch ziemlich viele Leute. Deswegen setzen wir uns auf eine Bank, auf der Marlene strickt, denn wir haben auf dem Weg ein Knäuel schwarzer Wolle mit zwei Stricknadeln drin gefunden und ich arbeite an meinem Aufsatz für den Norskkurs.
Der gute Vigeland, der hat echt nichts anderes gemacht, als sein Leben lang auf Stein einzuhauen... Das war bestimmt ein eher missmutiger Zeitgenosse.
Der Sonntag war so stimmungsvoll, dass wir auch eine kleine Sonntagsplayliste zusammengestellt haben, die unsere gestrige Stimmung sehr schön wiedergibt:
Christer Knutsen - Looking this good. (http://www.youtube.com/watch?v=liFYc-4mf_o)
Zahl - What´s the Matter.
Cali - Ähm... französisch halt, ich hab den Titel vergessen...
Kaizers Orchestra - Dr.Mowinckel.
Die Titelmelodie von Der Pate.
Und Get Well Soon - Your Endless Dream.
Das war ein schöner Tag.
Und nur noch vier Mal schlafen bis zum Prekestolen! Stolen!
Vintersju.
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