Wir treffen uns schon wieder?
Okay... Wir treffen uns. Eigentlich spricht da ja nichts dagegen. Was wollen wir an einem schönen, sonnigen Samstag tun? Die Schärenlandschaft im Oslofjord erkunden.
Wir treffen uns also alle vor dem Friedensnobelpreiszentrum. Martin und ich sind zuerst da. Auf einmal kommen zwei Werbeaktionsmädchen auf uns zu. Mir stehen schon die Nackenhaare zu Berge. Wer weiß, was die wollen?! Nein, ich will in kein Fitnessstudio! Doch die beiden kommen einfach nur, schenken uns eine Tüte mit sechs geschmierten Fladenbroten drin und geben uns einen Flyer, mit dem man eine Ballonfahrt gewinnen kann! Essen! Geschenkt! Ich werde nach diesen Mädchen ab jetzt öfter Ausschau halten.
Die anderen trudeln auch langsam nach und nach ein. Wir machen uns auf zur Ablegestelle, die nicht mehr zu Aker Brygge gehört und direkt hinter der am Geruch deutlich zu identifizierenden Fischhalle liegt. Auf welche Insel wollen wir denn?
Auf die Hauptinsel? Nein, viel zu touristisch. Da steigen ja alle aus. Wir fahren weiter. Nach Linøya. Wie sich herausstellt, ist das aber die Arschlochinsel. Die Hauptinsel hat Touri-Zeug zu bieten, auf Gressholmen gibt es Klosterruinen, auf anderen Inseln kann man baden oder frei zelten. Hier kann man nichts.
Schilder, die einem nach zwei Metern entgegen kommen, verbieten es zu grillen, Hunde ohne Leine zu führen, zu baden, Fahrrad zu fahren, zu atmen...
Nach zehn Minuten sind wir einmal quer über das ganze Inselchen gelaufen. Na toll. Die nächste Fähre, die uns hier wegbringt kommt in 50 Minuten.
Also wollen alle eine halbwegs schöne Stelle suchen, bei der man vielleicht ein bißchen in der Sonne liegen kann. Auf dem Weg dorthin bleiben Esther und Martin plötzlich stehen. Als sie uns wieder einholen, erzählen sie uns, dass sie eine Raupe mit einem Eidechsenkopf gefunden haben. "Aha, einen Rattenschwanz hatte sie wohl auch?!" fragt Andi. Wir alle wollen das Tier natürlich sehen. Aber die beiden hatten Mitleid mit dem kleinen Mutanten und haben ihn ins Gras gesetzt, wo wir ihn leider nicht mehr wiederfinden. Sonst hätte ich das Ding selbstverständlich für Marlene zur Identifikation fotografiert. Hier wohnen die reichen Osloer also am Wochenende. Alles ist übersäht mit kleinen, spartanischen Holzhütten, die eigentlich mehr aus Fenster, als aus Holz bestehen, was bei der Aussicht hier - egal wo man sein Haus hinbaut - relativ verständlich ist.
Aus Angst, dass die anderen Inseln auch eher doof sind, beschließt die Gruppe doch lieber zum Sognsvann zu fahren und dort zu baden, weil es gestern Abend da so schön war. Es ist wirklich heiß... Aber ich habe keine Badesachen mit. Und meine Hausarbeit muss fertig werden, also seile ich mich ab und erklimme den Bjerkeberg. Zurück im Wohnheim wundere ich mich über die Leere im Badezimmer. Js ganze Pflegeprodukte sind weg?! Ob er auszieht?
Vintersju.
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