Donnerstag, 26. Januar 2012

Tull og tøys V

Inzwischen ist es so, dass jeden Tag ein bißchen Schnee fällt. Ich hoffe, dass ich damit so manchen Leser neidisch machen kann...!
Immer wieder neuer Schnee birgt allerdings auch Tücken. So habe ich mich beispielsweise neulich während eines Spaziergangs durch den seichten Schnee derartig auf mein Hinterteil gesetzt, dass trotz der theoretisch guten Polsterung nachhaltige Schmerzen auftraten. Langsam wird es besser, aber zwei Tage und Nächte lang, wusste ich nicht so recht, wie ich sitzen oder liegen sollte.
Irini hat mich allerdings damit getröstet, dass sie auf dem Weg zur Uni 5 Leuten beim Stürzen zugesehen hat. Ich stell mich also nicht als einzige so doof an.

Und am Dienstagabend war ja der größte Sonnensturm seit sechs Jahren, der in ausgibigen Nordlichtern resultiert hat. Die positiven Meldungen in den hiesigen Tageszeitungen besagten, dass die Auswirkungen auch bis Oslo sichtbar seien. Wären sie wohl auch gewesen, wenn nicht eine dicke Wolkendecke alles verhangen hätte.
Zu viert haben wir uns trotzdem auf den Weg gemacht und verbrachten beinahe 3 Stunden erfolglos am Sognsvann. Aber wir hatten immerhin eine schöne Nachtwanderung und standen unter anderem auf dem zugefrorenen See.
Als ich eine Anhöhe besonders schnell hochwollte, hat das auf den letzten Metern irgendwie nicht mehr so gut geklappt und resultierte darin, dass ich durch den Schnee wieder hinab purzelte.
Hier wird also gerade viel gefallen. Aber durch den Schnee wird der Aufprall ja immer gut gebremst.

Sonntag, 22. Januar 2012

Du får blod til å frysa til is...

Nun ist also die erste Uniwoche um und das, was sich bereits im letzten Semester angedeutet hat, ist in diesem dann Wirklichkeit - ich bin allein in diesem Studiengang.
Gott sei Dank hat sich Torill dazu entschieden das Seminar zu Sprachvarietäten unangemeldet auch zu besuchen, sonst würde ich dort zu zweit mit meinem Professor sitzen. Mein anderes Seminar habe ich noch nicht gehabt, weil es erst diesen Donnerstag anfängt, aber ich fürchte, dort wird niemand anderes sein, der mir den Rücken stärkt.


Dafür lerne ich in meinem dritten Modul aus dem Englisch-Bereich etwas darüber, wie man eine zweite Sprache lernt... Das kann ja ganz hilfreich sein für das eventuelle berufliche Türchen des Deutschunterrichts. Die Dozentin dort ist auch sehr jung und motiviert und ermutigt Diskussionen. Tja... mit sowas fühle ich mich ja auch nicht richtig wohl, aber auf die Dauer wird das wohl eine angenehme Abwechslung zum Einzelunterricht sein. Und die Präsentation, die ich da halten muss, verdränge ich einfach so lange es geht...
Ansonsten stand die letzte Woche stark im Zeichen von Sherlock Holmes. Ich habe mir die Neuauflage der BBC mal angesehen, die die Geschichten in unsere heutige Zeit transportiert hat und das hat mir ziemlich gut gefallen. Wenn man allerdings bedenkt, dass Mark Gatiss sich das ausgedacht hat, muss man sich da auch nicht sonderlich wundern. Mir gefällt sowieso immer recht gut, was der so macht. Schade, dass es von Sherlock erst 6 Folgen gibt...
Außerdem war ich am Dienstag in der Bibliothek um mir ein Buch für meinen Sprachvarietätenkurs auszuleihen. Allerdings war es nicht auffindbar und dann dachte ich mir, ach, was soll's, ich geh jetzt ins Kino.
Zugegebenermaßen ist das mit 100 NOK ein recht teurer Spaß, aber ich war ewig nicht im Kino und ab und an muss man sich auch mal was gönnen. Dort habe ich ebenfalls Sherlock Holmes geschaut, allerdings die Variante mit Robert Downey Jr., die ausgesprochen viktorianisch ist. Auch hier hatte ich großen Spaß. Deswegen überlege ich momentan sogar, ob ich nicht vielleicht mal die Bücher von Sir Arthur Conan Doyle lesen sollte... Wenn die mir mal günstig über den Weg laufen, komme ich da wohl nicht dran vorbei.

Gestern hat es übrigens den ganzen lieben langen Tag geschneit. Oslo verwandelt sich dementsprechend mehr und mehr in ein Winterwunderland.


Dieser beste aller Niederschläge arbeitet enorm zu meinen Gunsten. Neulich war ich nämlich mit meiner Lieblingsmitbewohnerin eine Wohnung anschauen, da sie ja im Herbst ausziehen muss. Die Wohnung war so auch ganz schön. Egoistischerweise musste ich ihr aber dringend mitteilen, dass ich sie eigentlich noch viel lieber länger bei uns hätte. Das ging ihr auch so und dadurch, dass sie den Schnee so gut findet, möchte sie viel lieber ihr hart verdientes Geld für einen Skikurs ausgeben und nicht für eine Wohnungskaution. Vorerst bleibt die Gute uns also noch ein bißchen erhalten.

Während des Schneefalls gestern bin ich noch ein bißchen durch die Gegend spaziert und hab das ein oder andere Foto gemacht, das man ja ruhig auch mal zeigen kann:




Positiv anzumerken ist außerdem, dass es auf dem letzten Bild etwa 16 Uhr ist und bloß schummerig. Die Tage werden länger und die Sonne zeigt sich auch recht häufig. Das ist ziemlich schön. Gibt es eine bessere Kombination als Sonne und Schnee? Ich glaube kaum. Ich kann schon fast nicht mehr den Februar abwarten, wenn Palme und Marlene zu Besuch sind und ich sie in tiefe Schneewehen schubsen kann...!

Dagens Låt: Danse Macabre von Saint Saens

Samstag, 14. Januar 2012

Tull og tøys IV

Übrigens: Für alle, die sich fragen, ob sich die Krisensituation mit der norwegischen Butterversorgung schon etwas entspannt hat: Bisher noch nicht.

Es finden sich nach wie vor Zettel am Kühlregal, auf denen Entschuldigungen über den Mangel an Butter stehen. Aber es ist inzwischen noch ein zweiter Zettel dazugekommen, der besagt: Wenn sich in diesem Regal Butter befindet, darf nur EIN Stück pro Haushalt gekauft werden.

Fast DDR-Feeling ist das.

Freitag, 13. Januar 2012

DingDing. Auf zu Runde Zwei.

Vor ein paar Tagen schon bin ich wieder in Oslo gelandet. Mein Flug hatte zwar Verspätung, aber diesmal musste ich nicht mit meinem Gepäck laufen. Allerdings ist meine Reisetasche wohl einmal zu oft von den Gepäckleuten am Flughafen geschmissen worden, denn die Verankerung des rechten Rads hat sich leider gelöst und dadurch steht das Rad jetzt schief und der Plastikteil drum herum drückt ordentlich bremsend dagegen. Das Ding lässt sich dadurch deutlich schwerer bewegen. Eine zusätzliche Erschwernis bildete der Schnee - denn hier liegt welcher, oh ja.
Die Temperaturen schwanken zwar immer zwischen ein bis zwei Plusgraden und einem leichten Minusbereich hin und her, aber auch das reicht schon aus, um es hier deutlich winterlicher sein zu lassen, als im herbstlichen Deutschland.
So kann man sich das in etwa vorstellen:





Hübsch, oder?
Davon abgesehen ist es recht windig momentan. Eine Böe hat mich heute zur Seite geschubst und das lässt einiges an Windstärke vermuten...

Bei meiner Ankunft stellte ich umgehend fest, dass das Zimmer von Lucian (der vor Weihnachten ausgezogen ist) schon wieder neue Belegung gefunden hatte. Es tönte eine Männerstimme hinter der verschlossenen Tür hervor. Die Wohnung an sich befand sich in eher nicht so schönem Zustand. Das Klo war dreckig, die Küche auch, den Duschabfluss konnte man vor lauter Haaren nicht mehr sehen... Das hat natürlich einen nicht gerade positiven ersten Eindruck erweckt. Am nächsten Morgen dann, hab ich erstmal Irini begrüßt und dann auch Mario, den Neuen, kennengelernt. Er ist Peruaner und eigentlich kein Student mehr, sondern nur auf der Suche nach Arbeit. Das heisst, er wird nicht so lange hier bleiben. Einen Umstand, den ich sehr begrüße, besonders, nachdem Irini mir erzählt hat, dass sie vor ihrer Abfahrt die gesamte Wohnung durchgeputzt hat, weil sie wusste, dass sie als erste wiederkommt und es dann schön haben wollte. Aber Pustekuchen. Vor ihr war Mario da und der zerstörte alles.
Er ist ja so ganz nett, aber mit so Ferkelchen leben ist kein Vergnügen. Und ein weiterer großer Kritikpunkt ist, dass ständig seine Schwester hier rumhängt. Die wohnt auch irgendwo in Sogn. Und das Mädel hat eine sehr schrille Stimme (die Irini wunderbar nachmachen kann) und dann hört man die beiden halt andauernd auf Spanisch quasseln. Die reden echt wie zwei Wasserfälle. Besonders morgens, wenn man das lieber ruhig hat, ist das ein bißchen anstrengend.
Mal sehen wie das so läuft, wenn wir wieder zu fünft sind.

Ansonsten geht nächste Woche wieder die Uni los. Einer meiner Professoren hat sich auch direkt schon per Mail bei mir gemeldet und mich vorgewarnt, dass ich bisher die einzige Person bin, die sich in seine Lehrveranstaltung (oder dann wohl eher Leerveranstaltung, höhö)eingeschrieben hat und er überlegt, das Ganze deswegen in ein Lesemodul umzuwandeln. Ich fänd's doof. Dann hätte ich noch weniger Zeit in der Uni und müsste immer alleine arbeiten und mich alle paar Wochen mit ihm treffen, um so zu besprechen, was ich gelesen habe.
Aber mal schauen, vielleicht gibt es ja noch ein paar Erasmusstudenten, die bisher nur zu doof waren, sich vernünftig einzuschreiben.

Die kommenden Wochen stellen sich recht vielversprechend dar, denn neben Jobsuche und Unialltag stehen auch einige Besuche, Konzerte und Festivalitäten an. Das 2. Mastersemester kann also ruhig kommen!

Dienstag, 10. Januar 2012

Erster!

Während ich hier am Flughafen von Schönefeld sitze und versuche, die Zeit totzuschlagen, kann ich ja mal erzählen, was am just vergangenen 14. Dezember vor 100 Jahren passiert ist. Wenn man rechnen kann, dann weiß man, dass ich vom 14. Dezember 1911 spreche, dem Tag, an dem der Norweger Roald Amundsen lange vor Scotts britischem Team als erster Mensch den Südpol erreichte.
Als Norweger ist man auf solche Umstände natürlich sehr stolz und gerade wenn sich so ein Jubiläum bietet, gehört es sich, das auch angemessen zu feiern.
Deswegen fand um das Fram-Museum auf Bygdöy herum ein so genanntes Polar-Fest statt. Es war recht klein und beschaulich, aber da ich mich ja für Polfahrten generell interessiere (und der Nordpol eigentlich der bessere Pol ist), ließ ich mir nicht nehmen, dort mal hinzufahren. Ich hab auch eine meiner Mitbewohnerinnen mitgenommen und die auf dem nicht ganz kurzen Weg dorthin erstmal ordentlich über die Jagd zum Südpol aufgeklärt.
Vor Ort angekommen stellten wir schnell fest wie überschaubar das Ganze war. Das Fram-Museum war für Angehörige von Amundsen und Nansen offen und für alle Normalsterblichen geschlossen. Dafür konnte man ein paar Männer bei der Herstellung eines Taus zuschauen, sich Schlittenhunde ansehen und umsonst ins Seefahrtsmuseum gehen.



Es gab außerdem gratis Kekse, eine Eisskulptur, ein paar Verkaufsstände, die leider nur für Leute mit wintersportlichem Interesse begehrenswert waren und eine riesige Leinwand. Auf dieser sollte eigentlich eine Live-Schalte zum Südpol stattfinden, doch irgendwie waren dort nur Leute, die Französisch gesprochen haben und auf einmal hat dieser Albert aus Monacco den Norwegern gratuliert... Da war ich dann doch reichlich verwirrt. Danach blieb es auch still, beziehungsweise leer auf der Leinwand... Wer weiß.


Wir haben die Angebote ausgenutzt so gut es ging und einen schönen Abend gehabt. Ich hatte außerdem im Voraus gelesen, dass es Robbenfleisch geben sollte und das wollte ich ganz gerne probieren. Zunächst haben wir dann jedoch den Grill für die Robben ewig nicht gefunden (es war ja aber auch die ganze Zeit dunkel, nur zu unserer Verteidigung...) und als wir ihn dann doch in einer entlegenen Ecke entdeckten, musste ich mit relativem Entsetzen festellen, dass der Stand dekorativ mit Robbenfellen angehübscht worden war. Diese in Kombination mit dem resultierenden Geruch, der mich stark an ein frisch geteertes Fischerboot erinnerte, nahm mir dann den Mut auch mal Robbe zu probieren. Vielleicht ein anderes Mal. Wenn ich noch weniger rieche, weil ich Schnupfen habe, zum Beispiel...
Auf jeden Fall war das noch einmal ein sehr schöner vorweihnachtlicher Abschluss, bevor ich mich am nächsten Tag dann auf den Weg nach Hause gemacht habe.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Enden av November, ein Samstag in Stavanger

Bevor ich also gar nicht mehr dazu komme, darf man nun doch noch erfahren, was Marlene und ich an unserem zweiten Tag in Stavanger gemacht haben.
Als allererstes: Ausschlafen. Direkt danach sind wir dann vor die Tür gehuscht, um uns etwas zum Frühstücken zu besorgen. Letztlich gab es Smoovie und Bagels mit Avocadocreme. Ein wunderbares Frühstück, wenn ihr mich fragt.
Da wir allerdings wirklich lange geschlafen hatten, war der Tag zeitlich etwas aus den Angeln. Unsere einzige Planung bestand aber sowieso darin, uns mit Susi zu treffen, bevor diese zur nächsten Sonny-Vorstellung gehen wollte.
In Stavanger gibt es ja einige kuschelige Cafes, doch wir wollten von unserem bisherigen Liebling "Bøker Og Børst" auch einmal absehen und entschlossen uns dafür einmal das Cafe Sting zu besuchen, welches unterhalb der Behausung vom Friseur Tom in "Mannen som elsket Yngve" von Tore Renberg erwähnt wird.
Dort saßen wir dann auch eine ganze Weile und haben uns angehört, was es so mit sich bringt, eine Fan-Homepage zu leiten, wenn die Band immer will, aber nicht tut. Puh. Da muss man ganz schön hinterher sein. Und Anerkennung bleibt in den meisten Fällen auch aus... Ich bin ihr auf jeden Fall sehr dankbar, dass sie sich solche Mühe macht und werde ihr das von jetzt an jedes Mal sagen, wenn ich ihr begegne.

Danach waren wir nicht gerade strukturierter als vorher, deswegen begaben wir uns einfach auf einen mehrere Stunden währenden Spaziergang durch das dunkle Stavanger. Dabei begegneten wir unter anderem Jesus, der das Licht der Welt ist.


Wir haben außerdem eine ganze Weile die Aussicht von einem Wachturm (oder so, man weiß nicht wirklich, was das Ding ist...) auf die Stadt genossen.
Dann wollte mir Marlene noch zeigen, wo Skambankt damals das Fest zum Herauskommen ihres letzten Albums hatten, im Martinique. Da sind wir dann auch noch ein bißchen eingekehrt. Und es dauerte auch nicht lange, bis wir das erste Skambankt-Mitglied an der Bar ausmachten.
Wir haben uns dann allerdings doch lieber auf Stricken und Kritiken für den letzten Min Kamp Teil konzentriert. Die Musik in dem Laden war allerdings ziemlich angenehm.
Irgendwann gegen 23 Uhr haben wir dann beschlossen, dass wir vielleicht nach Hause sollten. Auf dem Weg zum Bus entdeckte ich noch dieses wunderbare Bild:


Es geht darum, ob man Angst hat auf die Toilette zu gehen. Wenn ich mich auch vor vielem fürchte, ist das dann doch endlich mal ein Problem, das ich nicht habe. Juhu.

Unsere Nacht zum Sonntag war sehr kurz, da es für uns beide wieder nach Hause ging. Marlenes Flug war relativ früh angesetzt und da am Sonntagmorgen keine Busse fahren, mussten wir zu Fuß in die Stadt. Das war trotz Rucksäcken eigentlich ein sehr schöner Spaziergang, denn um diese Zeit an einem Sonntag war natürlich kaum jemand unterwegs und die Temperaturen waren angenehm mild.
Wir waren sehr früh vor Ort und konnten noch ein bißchen rumsitzen und erzählen. Dann musste Marlene allerdings den Flybuss besteigen und nach Sola gebracht werden. Mein Zug kam leider erst vier Stunden später. Die erste von diesen habe ich mir mit einem kleinen Schläfchen in der Bahnhofshalle vertrieben. Dann habe ich mir noch Reiseproviant und Lektüre besorgt und nach einer Weile war es dann auch soweit.


Immerhin konnte ich langsam den Sonnenaufgang über der Stadt beobachten. Solange, bis die Sonne nur noch geblendet hat.


Naja. Es mag daran gelegen haben, dass ich schon vor der Abfahrt so lange warten musste, aber die acht Stunden Zugfahrt wollten und wollten einfach nicht vergehen... Und ständig saß jemand neben mir. Das war schon auch ein bißchen nervig. Aber letztendlich bin ich doch noch zu Hause angekommen und wärmstens von meinen Lieblingsmitbewohnern empfangen, die mir sogar Essen aufgehoben hatten. So lob ich mir das.