Während ich hier am Flughafen von Schönefeld sitze und versuche, die Zeit totzuschlagen, kann ich ja mal erzählen, was am just vergangenen 14. Dezember vor 100 Jahren passiert ist. Wenn man rechnen kann, dann weiß man, dass ich vom 14. Dezember 1911 spreche, dem Tag, an dem der Norweger Roald Amundsen lange vor Scotts britischem Team als erster Mensch den Südpol erreichte.
Als Norweger ist man auf solche Umstände natürlich sehr stolz und gerade wenn sich so ein Jubiläum bietet, gehört es sich, das auch angemessen zu feiern.
Deswegen fand um das Fram-Museum auf Bygdöy herum ein so genanntes Polar-Fest statt. Es war recht klein und beschaulich, aber da ich mich ja für Polfahrten generell interessiere (und der Nordpol eigentlich der bessere Pol ist), ließ ich mir nicht nehmen, dort mal hinzufahren. Ich hab auch eine meiner Mitbewohnerinnen mitgenommen und die auf dem nicht ganz kurzen Weg dorthin erstmal ordentlich über die Jagd zum Südpol aufgeklärt.
Vor Ort angekommen stellten wir schnell fest wie überschaubar das Ganze war. Das Fram-Museum war für Angehörige von Amundsen und Nansen offen und für alle Normalsterblichen geschlossen. Dafür konnte man ein paar Männer bei der Herstellung eines Taus zuschauen, sich Schlittenhunde ansehen und umsonst ins Seefahrtsmuseum gehen.
Es gab außerdem gratis Kekse, eine Eisskulptur, ein paar Verkaufsstände, die leider nur für Leute mit wintersportlichem Interesse begehrenswert waren und eine riesige Leinwand. Auf dieser sollte eigentlich eine Live-Schalte zum Südpol stattfinden, doch irgendwie waren dort nur Leute, die Französisch gesprochen haben und auf einmal hat dieser Albert aus Monacco den Norwegern gratuliert... Da war ich dann doch reichlich verwirrt. Danach blieb es auch still, beziehungsweise leer auf der Leinwand... Wer weiß.
Wir haben die Angebote ausgenutzt so gut es ging und einen schönen Abend gehabt. Ich hatte außerdem im Voraus gelesen, dass es Robbenfleisch geben sollte und das wollte ich ganz gerne probieren. Zunächst haben wir dann jedoch den Grill für die Robben ewig nicht gefunden (es war ja aber auch die ganze Zeit dunkel, nur zu unserer Verteidigung...) und als wir ihn dann doch in einer entlegenen Ecke entdeckten, musste ich mit relativem Entsetzen festellen, dass der Stand dekorativ mit Robbenfellen angehübscht worden war. Diese in Kombination mit dem resultierenden Geruch, der mich stark an ein frisch geteertes Fischerboot erinnerte, nahm mir dann den Mut auch mal Robbe zu probieren. Vielleicht ein anderes Mal. Wenn ich noch weniger rieche, weil ich Schnupfen habe, zum Beispiel...
Auf jeden Fall war das noch einmal ein sehr schöner vorweihnachtlicher Abschluss, bevor ich mich am nächsten Tag dann auf den Weg nach Hause gemacht habe.
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