Montag, 31. August 2009

A Lack of Communication...

28. August, Trondheim, ZAHL

The New Wine. Vier gutaussehende Milchbubies aus Bergen. Sehen aus, wie aus einem Indie-Modemagazin ausgeschnitten, mit bunten Röhrenjeans, V-Ausschnitt-Shirts, Trainingsjacken, viel zu großen Schuhen und wirren Frisuren.
Dafür, dass sie aussehen wie 15 machen sie gewaltigen Krach auf der kleinen Bühne im Samfundet. Sie koppeln ihre Lieder aneinander, dass man nicht genau merkt, wann das eine aufhört und das andere anfängt. Das haben sie sich gut ausgedacht, denn sie sind gar nicht solche Rampensäue, die sich feiern lassen wollen und deswegen nur dreimal Applaus bekommen, aber trotz des monströsen Schlussapplauses doch nicht mehr zurückkommen auf die Bühne sondern wieder fahren, nach Hause, nach Bergen, zu Mutti.
Ihre Musik lässt sich nicht so leicht beschreiben. Es ist sehr technoider Rock’n’Roll. Die Synthies und die Bässe erinnern an MGMT oder Bloc Party, die Gitarre untermalt das ganze Gewumms sehr melancholisch, das Schlagzeug gibt dem ganzen den Rockbeat. Die Stimme des Herrn Iversen ist ebenso jung und ungeschliffen, wie er auch aussieht. Die obengenannten Elektroniker treffen in THE NEW WINE also auf Razorlight, the Kooks und Maximo Park.
Die erste Hälfte des Konzertes, man weiß nicht genau, wie viele Lieder, da diese nahtlos ineinander übergehen, ist gut tanzbar, manche der Besucher neigen auch zum Ausflippen.
Dann geht es eher geruhsam zu, man schwelgt in seiner Melancholie zu leicht psychedelischen Klängen und waberndem Bass.
Das Schlusslicht bilden dann die Hits der Herren, von denen wir einfach ausgegangen sind, dass es Hits sind, weil die ersten fünf Reihen alles mitsingen konnten. Und springen. Und taumeln und in einem wilden Derwisch-Mob verwschwinden.


http://newwinemusic.wordpress.com/about/
http://www.myspace.com/newwinemusic

Live ist das Ganze aber besser gewesen als jetzt hörbar in Internetforen. Also nicht betrüben oder abschrecken lassen, sondern hingehen.

Katten drog deg inn og forsvant som en vind...

Es ist Sonntagmorgen und die Sonne scheint. Wir haben ausgeschlafen. Und wir haben keinerlei Druck. Diesen Tag müssen wir genießen...
Während ich noch mit dem Laptop Bjarne im Bettchen sitze und einen Blogg in die Tasten haue, wirbelt Marlene auf einmal ganz aufgeregt durch das Zimmer. Sie räumt auf! Zack, zack, zack! Das hier hin, jenes dorthin und auf einmal ist das hier total ordentlich! Ich tippe munter weiter und als ich das nächste Mal aufblicke, ist der Tisch mit einem Deluxefrühstück gedeckt! Das muss erstmal für mindestens eine Stunde zelebriert werden!
Dann verschwindet Marlene im Bad. Ich nutze die Chance und räume fix den Tisch ab! Sonst mach ich hier gar nichts mehr, so werde ich gerade verwöhnt... Das versaut bestimmt meinen Charakter!
Doch draußen lockt immernoch die Sonne. Also schlüpfe ich zu einem grünen Oberteil in meine grünen Schühchen und hänge mir meinen grünen Beutel um. Ein Musterbeispiel für Farbabstimmung. Und dann noch mit Riesensonnenbrille. So kann man sich auf Oslos Straßen zeigen. Und das tun wir.
Wie jeden Sonntag findet im Birkelunden ein Flohmarkt statt, über den wir genüßlich schlendern. Hier findet man eigentlich alles, was man für eine schöne Wohnung braucht und wenn man sowieso in Grünerlökka wohnt, muss man das auch gar nicht weit tragen... Solche und ähnliche Gedanken schwirren uns durch den Kopf, während das Bjölsener Senioren Corps uns mit musikalischer Untermalung versorgt. Das bunte Treiben ist interessant zu beobachten.


Doch wir fühlen uns ein wenig dehydriert. Im Narvesen soll es eigentlich nur ein Wasser sein, aber dann stehen wir vor dem Süßigkeitenregal und füllen uns zwei Tütchen voll. Wirklich alles, was wir uns da reinschaufeln ist klasse, mit einer entscheidenden Ausnahme: Die Lakritztotenköpfe sind echt eklig. Bloß nicht probieren!
Wir setzen uns in den nächstgelegenen Park und zelebrieren den Süßigkeitenschatz. Auf einer Bank sitzt ganz dekorativ eine Katze. Neben diese setzt sich ein Mann mit einer Zeitung. Die Katze will wohl etwas Zuneigung und kuschelt sich an ihn heran. Doch der schlechtgelaunte Typ schubst das kluge Tier einfach von sich weg. Das findet sie gar nicht gut und bleibt nicht auf der gleichen Bank mit dem sitzen. Aufmerksamkeitsheischend räkelt sie sich eine Weile auf dem Boden, bevor sie es sich zwei Bänke weiter gemütlich macht. Ich kann nicht anders und muss sie einfach streicheln. Sie hat herrlich weiches Fell. Und auch keine Tollwut oder irgendwas, falls jemand jetzt skeptisch sein sollte. Es ist ein sauberes, behalsbandetes Tier!




Nach einem kurzen Abstecher auf die kostenlosen Toiletten im Sofienbergpark wechseln wir den Stadtteil. Zum ersten Mal fahre ich mit Marlene in den Westen. Wir schauen uns den Vigelandparken an.
Hier sind noch ziemlich viele Leute. Deswegen setzen wir uns auf eine Bank, auf der Marlene strickt, denn wir haben auf dem Weg ein Knäuel schwarzer Wolle mit zwei Stricknadeln drin gefunden und ich arbeite an meinem Aufsatz für den Norskkurs.
Ich mag das Rumsitzen. Wenn wir jetzt noch Musik hätten, wäre der Moment perfekt. Nach ein bis zwei Stunden sind dann auch genug Menschen abgezogen, so dass wir uns in Ruhe umsehen können.




Der gute Vigeland, der hat echt nichts anderes gemacht, als sein Leben lang auf Stein einzuhauen... Das war bestimmt ein eher missmutiger Zeitgenosse.
Der Sonntag war so stimmungsvoll, dass wir auch eine kleine Sonntagsplayliste zusammengestellt haben, die unsere gestrige Stimmung sehr schön wiedergibt:
Christer Knutsen - Looking this good. (http://www.youtube.com/watch?v=liFYc-4mf_o)
Zahl - What´s the Matter.
Cali - Ähm... französisch halt, ich hab den Titel vergessen...
Kaizers Orchestra - Dr.Mowinckel.
Die Titelmelodie von Der Pate.
Und Get Well Soon - Your Endless Dream.
Das war ein schöner Tag.
Und nur noch vier Mal schlafen bis zum Prekestolen! Stolen!

Vintersju.

Sonntag, 30. August 2009

Den skal ha nr 42 for å gå med mine sko...

Die Tage fliegen.
Ich hab noch im Gefühl, wie ich am Montag zur Uni fuhr und auf einmal ist Donnerstag!
Ich fühle mich ganz matschig, denn ich habe zu wenig geschlafen und Angst, dass meine Vorbereitungen für den Norwegisch-Kurs nicht ausreichen. Zu allem Übel kommt auch noch eine lauernde Erkältung dazu... Sie schleicht sich langsam an, scheint aber leider unaufhaltsam! Hoffentlich ist es nicht die Schweinegrippe.
Irgendwie komme ich ganz gut durch den Norwegischkurs, auch wenn alle anderen hier schon seit mindestens zwei Jahren mit mindestens 6 Stunden pro Woche die Sprache lernen. Und Øyvind ist einfach ein zu großartiger Lehrer, als das man sich vor ihm fürchten müsste. "Ich hab da mal beim NRK angerufen und gefragt, ob wir den Sender besuchen können. Die führen uns da rum und wir sind Publikum bei einer Kultursendung. Aber... nur wenn ihr wollt! Es kostet natürlich nichts!" oder meine Highlight des Tages... "Ich dachte mir, wir könnten ja mal ein bißchen singen. Also... nicht, dass ich der beste Sänger wäre, aber... naja, ich versuch das jetzt mal..." und dann steht er da vorne und singt einfach so ein Liedchen vor sich hin, bis alle im Kurs mitmachen...
Doch die Erkältung kommt langsam durch... und ich habe nicht mal mehr viel Motivation für den von Martin und Johannes geplanten Raubzug auf die Frau, die den Fhaerlandtrip organisiert und da rumsitzt und von 4 mal 16 Studenten jeweils 2600 Kronen kassiert... Ich muss nach Hause.
Da erwartet mich Marlene. Sie war in der Stadt und ist fast mit Terje Bus gefahren - schon wieder... So geht das doch nicht weiter! Viel besser ist aber, dass sie sich super um mich kümmert! Ich kriege eine großartige Nudelsuppe verabreicht und unter Aufbringung all ihrer physischen Kräfte, drückt sie Zitronen und Orangen aus, damit ich die puren Vitamine trinken kann! Eine wahrlich wunderbare Pflege...
Der regnerische Tag bleibt eher ruhig, wir machen nicht viel. Gegen Abend sind wir dann aber noch bei Esther zum Essen eingeladen. In Bjölsen. Ein weiteres Wohnheim in dem ich noch nicht war. Dort ist es fast so schön wie in Grünerlökka, allerdings ist die Höhe der Miete entsprechend, wie man sich vorstellen kann... Da Esther ja aber Theologie studiert, zeichnet sich ihre Fakultät durch enorme Nächstenliebe aus!
Sie kocht scharf (sehr scharf), aber gut und wir erzählen fröhlich einige Stunden, aber irgendwann muss ich einfach ins Bett... die Erkältung wegschlafen am besten...

Freitag wache ich ähnlich matschig wie am Tag zuvor auf. Marlene begleitet mich heute wieder zur Uni. Ich habe keine große Lust auf Syntaks II und Semantikk, aber was kann man da schon machen. Zehn Minuten vor Seminarbeginn betrete ich den Raum und es ist niemand da. Ich bin kurz versucht schnell wieder rauszuschleichen, Marlene zu suchen und mir mit ihr einfach einen schönen Tag zu machen... Aber nein. Das wäre ja feige. Das ist immerhin der letzte Kurs, den ich mit Norwegern zusammen haben könnte. Und tatsächlich: Von den acht Menschen, die an diesem Kurs teilnehmen, sind sieben Norweger. Ich bin die einzige Deutsche hier! Ha! Sofort werde ich zur Referenzperson. "Juliane, kann man das im Deutschen so sagen? Geht das? Was meinst du?" Durch diese Position muss ich leider mehr mitarbeiten, als es mir angenehm ist, aber irgendwie ist das in so einem kleinen Kurs auch gar nicht so schlimm. Und das Hauptthema ist der deutsche Konjunktiv, der mir ja sowieso sehr am Herzen liegt. Also wird alles besser, als ich vor ein paar Stunden noch gedacht hätte.
Allerdings muss ich auch Norwegisch können in diesem Kurs! Denn viele der Diskussionen finden dann doch nicht auf Deutsch statt. Aber es läuft trotzdem ganz gut. In der Gruppenarbeit mit Tore, der Deutsch nicht ganz so gut kann, spricht einfach jeder von uns seine Muttersprache, verstehen tun wir uns trotzdem irgendwie.
Und als ich irgendwann aus dem Fenster blicke, sehe ich, dass Marlene direkt unter dem Fenster sitzt und mir zuwinkt! Sie hat auch (verschwommene...) Stalkerfotos gemacht!
Okay... jetzt will ich doch, dass das schnell zu Ende ist und wir in die Stadt fahren können!
Gesagt, getan! In der Stadt finden wir endlich Schuhe für mich! Billige, grüne, bequeme Schuh. Und ein Cape, das ich unbedingt haben muss. Morgen kaufe ich es. Oder Marlene für mich! Dann kann ich immer dubios aussehend durch die Straßen huschen! Wie ich mich freue! So. Diese Mission ist nach unendlich vielen Kapiteln endlich abgeschlossen! Die schönen neuen Schuhe kann ich auch direkt zu dem Konzert am Abend einweihen, zu dem wir zusammen mit Daniela und Esther gehen. Wir bezahlen für drei Bands, aber alles verschiebt sich so sehr, dass wir eine ganze Weile warten müssen, bis überhaupt jemand anfängt! Bei dem Herrn Svarte Greiner sitzen wir auf dem Boden in der totalen Dunkelheit und lauschen seiner Lärmproduktion. Seine Musik ist experimentell, so experimentell, dass ich eigentlich nicht von Musik sprechen würde, sondern eher von melodiösem Lärm. Trotzdem ist das alles so entspannend und irgendwie doch schön, dass ich fast einschlafe.
Die zweite Band ist dann leider viel zu elektronisch für unseren Geschmack, weswegen Marlene Daniela nach draußen zum Rauchen begleitet. Nach ein paar Minuten kommt sie wieder rein, guckt mich an und erzählt mir, dass draußen gerade der Geir an ihr vorbeigegangen ist. Er ist im Parktheatret, dem gleichen Laden wie wir, nur das er vorne im Barteil sitzt und wir hinten im Konzertraum. Um den letzten Bus nach Hause zu kriegen, müssen wir sofort los und können die dritte Band leider nicht mehr sehen... Als wir am Fenster vorbeigehen, sehe auch ich ihn dort sitzen. Somit wäre die Hälfte des kaizerlichen Orchesters voll. Mal sehen, wann ich die anderen drei erspähe oder wen wohl sonst noch...


Am Samstagmorgen können wir endlich mal wieder ganz ohne Druck ausschlafen.
Erst zu um 2 treffen wir uns mit Andi, der hat nämlich ein kostenloses Festival bei mir in der Nähe aufgetan, zu dem wir gerne möchten. Wenn irgendwas umsonst ist, nehmen wir das nämlich immer mit!
Dort angekommen, sieht es mehr nach einer Feier für Kinder aus, als nach einer für Erwachsene... Doch es scheint in Norwegen ganz einfach so zu sein, dass man viel mit der ganzen Familie macht.
So auch Christer Knutsen, ein weiterer Herr der norwegischen Musikszene, der dort mit Frau und Kind durch die Gegend spaziert...
Wir sitzen dort in der Sonne, hören der Musik zu, um uns herum wuseln zig coole, kleine norwegische Kinder... und schnell merken wir, dass dieser Ort uns gerade genauso glücklich macht, wie das Sitzen im Mono. Ich will in dieser Stadt wohnen. Ich muss zurückkommen.




Den Preis für das coolste Outfit gewinnt übrigens der Festivalfotograf, den ich wiederum fotografierte!
Marlene freundet sich sogar mit einem kleinen blonden Mädchen an, dass auf einmal in Chucks und Lederjacke vor uns steht. "Er du fint?" -"Ja...", "Kan du danse?" -"Nei..." Irgendwann kommt ihre Mutter und redet auch noch kurz mit uns. Die kleine winkt und verabschiedet sich mit einem "Ha det!" um ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem im Kreis laufen, nachzugehen.
Die Leute dabei zu beobachten, wie sie mit ihren Kindern umgehen, lässt einem das Herz aufgehen. Zudem noch kostenlose gute Musik...? Das ist doch unglaublich!
Doch auch im Mono ist heute noch ein kostenloses Konzert, weswegen wir uns im Regen langsam dorthin auf den Weg machen...
Unterwegs treffen wir auf ein paar merkwürdige Süddeutsche, die die gleichen Klamotten tragen wie Andi und deswegen ein Foto mit ihm wollen... Wie bitte? Ist das deren Ernst? Ein bißchen zu aufdringlich sind die leider... Aber wir machen uns schnell aus dem Staub. Glücklich, da mit einem Hot Dog im Magen, setzen wir uns ins Mono und hören den sehr interessanten Marybell Katastrophy aus Dänemark zu. Die sind auch ziemlich experimerntierfreudig, so benutzt die Sängerin beispielsweise einen Spielzeugkrankenwagen und singt die ganze Zeit mit verzerrter Stimme. Wenn der Skelettmann im Hintergrund nicht so fette Beats rausgehauen hätte, wären sie sogar noch besser gewesen. Aber auch so waren sie ziemlich gut. Sie legen dem Publikum nahe unbedingt eine der 500 verschiedenen handgefertigten Plattenexemplare zu kaufen, weil das bestimmt mal ganz viel Wert ist, wenn sie berühmt sind. So lange will aber von uns niemand warten. Und selbst wenn sie doch berühmt werden, können wir immerhin von uns behaupten, dass wir das erste Norwegenkonzert von ihnen gesehen haben. Andi erklärt uns übrigens, was unsere Kameras alles können und ich werde jetzt voll die künstlerischen Fotos abliefern! Wem die nicht gefallen... der hat Pech, denn das liegt dann nur an nicht vorhandenem Sinn für Kunst!




Soweit ist das schon wieder ein Musikwochenende, nach dem letzten in Trondheim. So kann das ruhig weitergehen!
Das Mono ist aber so kuschelig, dass wir alle schnell irgendwie müde werden. Vor allem aber ist es auch sehr schnell wieder leer, weswegen auch wir nach Hause fahren, um ein Filmchen zu sehen und dann mal halbwegs früh ins Bett zu kommen...
Wir brauchen jetzt viel Ruhe und Schlaf. Denn irgendwie muss meine Erkältung verschwinden, bevor wir am nächsten Wochenende endlich zu dritt den Prekestolen erklimmen werden!

Vintersju.

Donnerstag, 27. August 2009

Og du ser med en gong me kommer fram. Bølgene slår, og me ser land...

Erst am Montagmorgen kann man so richtig behaupten, dass wir wieder angekommen sind.
Denn jetzt haben wir Schlaf im Körper. Das heisst, wir können auch aufstehen und auspacken. Dabei fallen mir die 4 Setlists von Skambankt in die Hand, denn die guteste Zahl stürmte direkt nach dem Konzert auf die Bühne und pflückte alle vier ab um sie sich zu sichern. Grinsend kam sie aus dem Backstagebereich auf uns zugeschlendert und drückte mir die vier handgeschriebenen Zettel mit den Worten "die blaue ist Terjes" in die Hand. Nun hängt selbige an meiner Wand.
Auch wenn das alles noch weit von so etwas wie Alltag entfernt ist, habe ich am Montag einen langen Unitag. Beginn ist Gott sei Dank erst gegen 14.00 Uhr, was uns einen ruhigen Start in den Tag ermöglicht, denn Marlene mag auch nicht gehetzt werden.
Sie begleitet mich zur Uni, dort sitzt sie und fügt sich ins Bild ein, während ich zusammen mit sieben weiteren Leuten in Sachen "Litteratur og erindring" bilden lasse.
Die super Lernbedingungen scheinen sich ähnlich wie in Trondheim einfach durch nicht vorhandenes Interesse am Deutschen von norwegischer Seite zu erklären, denn von den acht Leuten im Kurs sind 5 aus Deutschland, auch wenn Björn schon so lange hier ist, dass er perfekt Norwegisch spricht, Deutscher ist er eben doch noch...
Dann gehe ich zusammen mit Marlenen zur offenen Norwegian Life & Society Vorlesung.
Die ist leider ziemlich langweilig, aber das liegt vielleicht darin begründet, dass der werte Herr Professor durch hunderte von Jahren norwegischer Geschichte prescht, Gott sei Dank ist hier jede Woche jemand anderes, der uns was über die verschiedensten Aspekte des Landes erzählt...
Nach einem ziemlich guten von der Langeweile erholenden Abendessen in der Mensa, die hier bis 19.00 Uhr auf hat (JUHU!), gehen wir mit den anderen zum Unifilm. Andi ist inzwischen ziemlich stolz auf erste Norwegischkenntnisse, die er sich am Nachmittag angeeignet hat. Marlene kennt den gezeigten "Comrade Pettersen" zwar schon, aber meint, dass man sich den auch ruhig zweimal angucken kann. Dieser Meinung bin ich nach dem Film auch. Er gefällt mir wirklich sehr, auch wenn irgendwie alle außer Marlene und mir ein Problem mit dem Schluss zu haben scheinen...
Das angebotene Pfannkuchenessen schlagen wir zu Gunsten eines Telefongesprächs mit dem guten Palme aus. Der muss ja noch informiert werden, wie das hier in Oslo alles so läuft.

Nach relativ wenig Schlaf habe ich Dienstag dann das erste Mal Norwegisch. Marlene fragt ganz lieb, ob sie sich mit reinsetzen darf und mein Lehrer erlaubt es ihr. Zu dem müssen sowieso noch ein paar Worte verloren werden.
Der gute heisst Øyvind und ist Linguist. Juhu. Er hat ein kleines Pläutzchen unter seinem schwarzen T-Shirt versteckt, trinkt dampfenden Kaffee und hat schöne Haare, er redet in einem mir sehr gefallenden Dialekt und sagt, dass er mit uns auch gerne was außerhalb des Unterrichts machen möchte. Er spricht nur und ausschließlich Norwegisch. So wie wir Schüler auch.
Am Anfang habe ich große Angst restlos überfordert zu sein, aber inzwischen denke ich, dass es das richtige für mich ist. Auch wenn viele Leute in dem Kurs viel besser sind, zumindest viel besser im reden. Ich muss mich eben hinsetzen und was tun. In den Arsch getreten zu werden ist ja nicht schlecht.
Nach vier Stunden Norwegisch fahren Marlene und ich erstmal nach Bjerke um einen Schlachtplan aufzustellen.
Der ist schnell gemacht. Ein kleiner Spaziergang durch den Sofienbergpark und ein größerer durch Aker Brygge sollen es sein. Beim Postkarten kaufen bekomme ich ein Kompliment für mein norwegisches Milchtütengeldbörschen und Marlene erklärt mir etwas über Möwen und Prachtkleider.



Der dunkle Vogel ist übrigens die äußerst seltene norwegische Schwarzmöwe. Hab ich beschlossen. Danach verbringen wir ein Stündchen im Mono. Unser Lieblingskellner, dem wir den Namen Tore gegeben haben, ist auch da. Und es ist für uns irgendwie komplett unverständlich wie glücklich uns dieser Laden einfach macht! Die Toiletten dort sehen dort übrigens so aus: Ich treffe mich mit den anderen zum Kino. Alle fragen mich, wo Marlene denn abgeblieben ist. Die freundet sich selbstverständlich mit den Kellnern im Mono an! Sie ist doch schon groß!
Und die Wiedersehensfreude nachdem sie mich von dem großartigen "Inglourious Basterds" abholt, ist, wie der Norweger sagen würde, ubeskrivelig. Der Film ist übrigens mehr als empfehlenswert. Wobei ich auf Grund des ganzen Sprachwirrwarrs eindeutig das Original empfehle. Die französischen Passagen verstand ich nur auf Grund der norwegischen Untertitel.

Am Mittwoch ist das Wetter schlecht. Das heisst, dass wir nach kurzer Uni-Zeit einen Museumstag machen. Wir fahren mit dem Boot auf die Museumsinsel und gucken uns die Fram an. Ich bin ja ein großer Fan von Schnee und Eis und würde am liebsten nur zur Deko immer "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" mit mir herumschleppen, nur damit alle das wissen.
Weil wir Studenten sind, bezahlen wir nur 20 Kronen. Die kosten wir auch bis auf´s letzte aus. Aufmerksam wird jede Tafel durchgelesen, wobei uns auffällt, dass es keine deutsche Tafel für den Tod Amundsens gibt. Vielleicht ist das für die Deutschen ja einfach zu tragisch...




Wir sind auf jeden Fall beeindruckt auf diesem Schiff, der Fram (=vorwärts), zu stehen und uns vorzustellen, wie es im ewigen Eis eingeschlossen ist. Für drei Jahre. Da ist es ein ganz merkwürdiges Gefühl aus dem Fenster zu gucken und das wunderbare Oslo zu sehen.
Hungrig und müde kriechen wir ins Mono und teilen uns ein Pytt-i-Panna, also ein Wir-nehmen-alles-was-wir-noch-übrig-haben-und-schmeißen-es-in-eine-Pfanne. Das ist unglaublich lecker und wird zurück in Bjerke nur noch von Blaubeereis übertrumpft.

Die Tage hier in Oslo sind im Moment so vollgepackt, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Es passiert ständig so viel, mit so vielen. Ich weiß, dass ich mehr schlafen muss, weil ich sonst nicht mehr lange durchhalte. Und ich muss unglaublich viel für die Uni machen, obwohl ich bisher noch nie dieses Gefühl von Lästigkeit empfunden habe, wie in Leipzig oft.
Ich fühle mich wohl hier. Das kann ich gar nicht oft genug sagen. Und es wird noch so viel Gutes passieren, davon bin ich überzeugt...

Vintersju.

Mittwoch, 26. August 2009

Shots of the Weekend


Summer in the City


da da dam dam daaaaaaaaaaam


Baby, Melancholie


Jamba und Jule
Zwei Kochgenies treffen aufeinander


Vise om Natta


Leg meg inn på klinikken



Harry Potter var en svært uvanlig gutt på mange måter