Am 7. Dezember ist der gute Tom Waits 60 Jahre alt geworden. Und weil Norwegen tatsächlich das einzige Land ist, in dem er mit seiner Musik mal auf einem ersten Platz der Charts gelandet ist, muss es hier auch eine anständige Feier geben. Die Norweger mögen Tom Waits.
Das Rockefeller hat eine großartige Gratulantenliste zusammengestellt, die vor ausverkauftem Publikum ihre Lieblingslieder des musikalischen Vorbilds darbringen sollen. 33,3 Lieder aufgeteilt auf 76 Künstler machen ein circa dreistündiges Konzerterlebnis der Extraklasse aus.

Am Abend zuvor fand ich mich noch zusammen mit Zahl und Anna in der Wohnung von Solveig wieder. Ich hatte mir eine Pause vom Lernfluß genommen und mich mit den Dreien in der Stadt getroffen. Eigentlich war geplant einen Weihnachtsmarkt anzusteuern, aber gefunden haben wir nur den üblichen sonntäglichen Flohmarkt in Birkelunden. Der einzige Weihnachtsmarkt in Grünerlökka bleibt wohl wirklich der im Blaa. Danach kauften wir noch herrlich tierische Mützen im Markveien, die Zahl nun in einen flinken Waschbären verwandeln und in Form einer Eule ein kleines Geschenk für Sveen darstellen. Dunkel und kalt war es und deswegen zogen wir uns ins Cafe Sör zurück. Dort konnten wir eine heiße Schokolade genießen und ich konnte mal wieder unter Beweis stellen, dass Mensch-Ärger-Dich-Nicht nicht mein Spiel ist. Während die anderen drei sich Gedanken über die weitere Abendplanung machen, kribbelt es mir wegen der bevorstehenden Prüfungen im Bauch. Ich nehme sowas immer zu Ernst, aber was soll´s. An mir ist eben ein kleiner Streber verloren gegangen. Oder wie mein Bruder in seiner innovativen Jugendsprache sagen würde: Ich bin ein Strammlord. Er ist zwar nur 7 Jahre jünger, aber wenn das so weitergeht, verstehe ich in einem halben Jahr kein Wort mehr von dem, was er erzählt...
Aber zurück zum eigentlichen Thema! Ich wurde auf jeden Fall auch noch dazu eingeladen zum Abendessen mit zu Solveig zu kommen. Und so wurde der Abend immer länger und besser. Nicht nur durch das Essen! Nein, Solveigs Mitbewohner, seines Zeichens großer Akte X Fan erzählte uns von einer Folge aus der zweiten Staffel, die in Norwegen spielt!
Da konnte ich mich selbstverständlich nicht zurück halten... Die musste angeguckt werden! Und während wir wohl eher weniger erfolgreich versuchten Zahl eine kurze Einführung in die Figuren- und Handlungskonstellation der X-Akten zu geben, entwickelte sich der eher lahme Handlungsstrang. Aber auch wenn die Folge eher öde war, die Schauspieler sprachen Norwegisch! Oder zumindest etwas, dass sie dafür hielten... Denn sowohl Solveig als auch Peter, die beide Muttersprachler sind, konnten nur schwer verstehen, was die Leute da von sich gaben. Letztendlich halfen nur die Untertitel! Allerdings muss man zugeben, dass das Prinzip die Charaktere einfach nach Städten zu benennen schon ziemlich kreativ war. "Trondheim. Henry Trondheim is the name." Wenn das keine Vorstellung ist?! James Bond kann einpacken.
Während Anna und Zahl sich noch dafür entschieden dem Blaa und somit dem Frank Znort Quartett einen Besuch abzustatten, verabschiedete ich mich bis zum morgigen Abend und dem damit verbundenen Tom Waits Tribut Konzert.
Also mache ich mich am nächsten Abend auf nach Sogn um Martin abzuholen. Ich sehe ihn durch die Scheibe des Remas und bin mir sicher, dass er sich noch schnell ein Bierchen oder zwei für den Abend holt und staune deswegen nicht schlecht, als er mir mit zwei Bananen und einem Päckchen Saft entgegen kommt. Irgendwie sind wir mit allem viel schneller, als wir uns das vorher überlegt hatten und deswegen schon zwanzig Minuten vor Einlass am Rockefeller.
Selbstverständlich kommt es in der Wartezeit auch noch zu einer kurzen Diskussion über die Qualität des zweiten Akte-X Spielfilms... Aber darauf gehe ich an dieser Stelle lieber nicht ein, denn ich habe meine Standpunkt höchstwahrscheinlich schon viel zu oft deutlich gemacht...
Die Warteschlange wird immer und immer länger und wir sind auf einmal gar nicht mehr verärgert darüber, dass wir eine Weile im Regen stehen müssen, denn offensichtlich ist das eine ganz gute Idee gewesen hier schon so früh zu sein.
Und Gott sei Dank finden uns auch Anna und Zahl recht schnell. So können wir gemeinsam hineingehen und schon beim Jacken Abgeben darüber freuen, dass der gute Christer Knutsen (auch bekannt als der Knutsen Christer oder aber neuerdings Chnister Krutsen) an uns vorbeihuscht. Wird auch höchste Zeit, immerhin soll das Konzert ja pünktlich anfangen! Eine Weile beobachten wir von der Galerie aus wie sich das Rockefeller langsam füllt. Doch dann entschließen wir uns im Erdgeschoss gute Plätze einzunehmen...
Und um Punkt 9 betritt ein älterer Herr die Bühne, der in einer kleinen Rede kurz das Konzept des Abends erklärt. Und dann geht es auch schon los...!
Es ist ziemlich schwierig genauer zu beschreiben, was da so vor sich ging, da es ein wilder Wechsel aus Liedern und Künstlern war, ich kann nur sagen, dass es unglaublichen Spaß gemacht hat!
Und es hat so einige gute Überraschungen geborgen! Letztendlich war die Tatsache, dass Kaizers Orchestra auch ein Lied beigetragen haben, nur ein Bonus. Mit oder ohne sie wäre es ein fantastischer Abend gewesen.
Besonders hervorzuheben sind meiner Meinung nach Blow.
Der oben bereits erwähnte Knutsen Christer sha-la-lat eine ganz wunderbare Version vom Jersey Girl ins Mikrofon und mein ganz persönliches Highlight des Abends ist Micke from Sweden. Auf ein Lied kann ich mich dabei gar nicht festlegen, egal ob er begleitet oder selber singt, er macht mir wiederholt Gänsehaut... Mit Stimme und Piano - das ist aber auch eine unschlagbare Kombination.
Und zu den Herren Kaizer möchte ich selbstverständlich auch noch ein paar Worte verlieren... Die spielten passenderweise zum Fässergebrauch "Goin´ Out West". Während Helge also mit einem circa zwei Meter langem Stock kontinuierlich auf ein Fass eindrosch und das ein wenig so aussah, als müsste man sich um Terjes Beine Sorgen machen, beeindruckten mich besonders die Gitarren! Das war mal ein sehr frischer Soundwind und eine nette Abwechslung. Auch der Gesang war besser, als ich erwartet hätte, aber irgendwie ist das schon komisch, wenn der Janove auf Englisch und nicht auf Norwegisch singt...

Leider konnten Martin, Saskia, die auch noch zu uns stieß und ich nicht ganz bis zum Schluss des Abends bleiben, da die letzten Möglichkeiten für uns nach Hause zu kommen schon um 00.25 Uhr fuhren... aber selbst wenn mir die letzten 3 1/3 Songs fehlen, muss ich sagen, dass ich für mein Eintrittsgeld so viele tolle Sachen gesehen habe und direkt auch noch mein Interesse für weitere norwegische Bands geweckt wurde. Eine davon ist Lady Moscow, von der hier auch noch zu lesen sein wird. Eine andere ist Ping, die an einem Tom Waits Abend "Like A Virgin" von Madonna coverten - Tom Waits Style versteht sich und das war so gut, dass sich ein Link zu dem Spaß hinter der Überschrift verbirgt.
Und nicht mal meine Prüfung am folgenden Tag litt unter den Ausschweifungen. Sie wurde dadurch höchstens angespornt.
(Die Bilder sind übrigens alle von Anna.)
Vintersju.

