Dienstag, 8. Dezember 2009

Kom ut av skyggen min venn og la meg sjå deg i dagslys, eg vett ikkje kva du bærer på, men mørket er ikkje bra for deg...

Die Auflösung des Cliffhangers!
Jaja… wie ja bereits im letzten Eintrag angedeutet, begab es sich, dass ich auch am Wochenende darauf Besuch erhalten sollte. Sehr spontanen, zugegebenermaßen, aber deswegen nicht minder erfreuenswert! Es zog nämlich Marlene zurück in den Norden. Am Samstag in aller Herrgottsfrühe, gegen 7 Uhr, flog ihr Flieger gen Oslo. Und ich, die ich mich noch ein bisschen unausgeschlafen fühlte, kam gerade aus der Dusche, als mir eine SMS mitteilte, dass der Flybuss in ungefähr 20 Minuten am Busterminal wäre… Also hab ich mich so schnell wie möglich angezogen und bin ohne Frühstück Richtung Bushaltestelle gestürmt. Dort erhielt ich eine weitere SMS, dass es da wohl doch noch ein bisschen länger dauern werde. Also schlich ich noch mal flugs zurück um mir meine Musik zu holen und dann erneut und immer noch ohne Frühstück (mein letztes Brot hatte leider etwas Schimmel angesetzt…) aufzubrechen. Ein Blaubeer-Muffin und ein Blaubeer-Rislunsj haben dann dem Hunger erstmal Abhilfe geleistet und kaum hatte ich mein Themen-Frühstück runtergeschluckt, kam auch schon der Bus, aus dem Marlenen purzelte!
Es folgen: Rumgehüpfe, Umarmungen und ein Grinsen, das breiter war, als unsere Gesichter (inzwischen auch bekannt als das Calle-Phänomen, ich sollte mal einen Wikipedia-Eintrag erarbeiten…)! Da es noch unglaublich früh am Morgen war, also vor 11 Uhr und Oslo erst nach dieser Uhrzeit erwacht, fahren wir nach einem kleinen Spaziergang am geschlossenen Mono vorbei noch mal nach Bjerke hoch. Immerhin muss Marlenen ja auch erstmal ihr Gepäck loswerden. An Ort und Stelle wird umgepackt. Ich kann jetzt nämlich meine neue Tasche in die Stadt ausführen, die die Marlene aus der im Sommer in Grünerlökka gefundenen Wolle gefertigt hat! Und dann geht es in die Stadt. So wie immer. Ich kann auch eigentlich überhaupt nicht fassen, dass sich die seit zwei Wochen unwegdenkbare Wolkendecke mit Marlenes Ankunft vollkommen verzogen hat und uns die Sonne entgegen scheint! Das ist im wahrsten Sinne des Wortes utrolig.
An der Haltestelle Sofienberg verlassen wir das öffentlich Verkehrsmittel und machen uns zu Fuß auf unseren Lieblingsweg: Durch den Sofienbergparken (in dem wir das süßeste Kleinkind der Welt entdecken) zum Olav Ryes Plass und dann den Markveien hinunter. Selbstverständlich müssen wir auch direkt das ein oder andere Geschäft begehen und entdecken im Fretex eine wunderschöne blonde Langhaarperücke, die Palme zu Silvester als Alice im Wunderland bestimmt unglaublich gut stehen würde! Aber ohne schon Geld auszugeben, schlendern wir weiter. Durch Straßen und Gassen, in diverse Buchläden, bis nach Aker Brygge. Dort macht Marlene wunderbar kitschige Fotos. Was soll man auch machen, wenn das Licht so gut ist?!

Nachdem wir auch unseren aufkommenden Hunger gestillt haben, geht es noch mal in die Schatzkammer eines Plattenladens: Råck & Råll´s, der von uns nur grob begutachtet wird. Ein ausführlicher Streifzug wird vertagt! Jetzt haben wir das Ganze aber auch lang genug hinausgezögert: Ab ins MONO. Leider ist Tore nicht da, aber wir suchen uns trotzdem ein hinteres Plätzchen in der Kneipenecke und lauschen der Musik und den Norwegern. Irgendwann ist es 18 Uhr und Andi trifft ein. Nach kurzer allgemeiner Wiedersehensfreude beginnt die samstägliche Band zu spielen. Der Name: Chitty Chitty Bang Bang. Und das meinen sie auch so. Behaupten sie zumindest. Die Band besteht aus einem Leadsänger & Gitarristen mit merkwürdigem Schnurrbart, der vielleicht die Tatsache verschleiern soll, dass das eigentliche Alter des Frontmannes noch unter 20 liegt, einem Mädchen, das singt, leider, denn das kann sie nicht besonders gut, einem weiteren Mädchen, das hilflos mit einem Tambourin in der Ecke steht und ab und an auf die Knöpfe ihres Macbooks drückt, aus dem dann Beats kommen, einem sympathisch gelockenkopften Bassisten und einem Schlagzeuger, der sich so ins Zeug legt, als gäbe es kein Morgen. Allerdings ist die Musik nicht überzeugend. In keinster Weise. Also stehen wir demonstrativ während des fünften Songs auf und setzen uns vorne im Q an die Theke.
Hier kann man sich wenigstens vernünftig unterhalten. Auf dem weiteren Abendprogramm steht Bowling. Ann-Kristin hat eine Bowlingbahn aufgetan und will dort mit uns Spaß haben. Da wir vor ihr da sind, nehmen wir das Ganze mal in Augenschein und beschließen: Nein. Nicht mit uns. HipHop, Schwarzlicht und merkwürdige Gestalten machen den Platz nicht gerade einladend. Deswegen wird der Abend nach kurzer Ratlosigkeit ins Cafe Mir verlegt. Da kann man wenigstens umsonst kickern ohne von irgendwelchen Atzen gestört zu werden. Einer der zwei Kickertische ist frei und wir toben uns überraschend gut aus. Am anderen Tisch spielen zwei hitzige Norweger jedoch noch um einiges besser. Auch Jonas aus meinem Literaturkurs kommt noch zufällig vorbei und hilft aus, wenn norwegische Worte fehlen.

Doch irgendwann machen wir uns dann auf. Immerhin ist Marlenen noch in Bremen gegen 4 Uhr aufgestanden.
Da muss einiges an Schlaf aufgeholt werden und das wird dann auch direkt umgesetzt. Den Sonntag begehen wir so gemütlich wie möglich. Wir schlafen seeeehr lange. Wir frühstücken zu den neu entdeckten Raske Menn in aaaaaller Ruhe. Wir gehen ein bisschen in Grünerlökka spazieren um dann zum Kaffee im Food Story einzukehren und auf Stufen im Markveien Eis zu essen. Hier und dort werden ein paar Ideen hin und her geworfen (an dieser Stelle bitte keine Sorgen machen, Mutter!) und nach einem kleinen Einkauf, ziehen wir uns zu einem Abend mit den guten alten Münster Tatorten zurück.

So schnell ist auch schon wieder Montag. Ich habe keine Uni mehr am Montag, deswegen steht uns der Tag frei zur Verfügung. Diverse Stunden verbringen wir im zuvor erwähnten Plattenladen und auch die Buchläden sind vor unserer Anwesenheit nicht sicher.

Das triste, nasse Wetter ist zwar zurückgekehrt, aber das hält uns nicht ab. Erneut schauen wir im Mono vorbei, aber von Tore ist auch heute nichts zu sehen. Allerdings entwickeln wir in unserer Kreativität diverse Ideen, warum das so sein könnte. Da man diese als etwas verrückt einstufen könnte, möchte ich sie allerdings nicht näher erläutern. In der Hoffnung eine frisch erstandene DVD zum Laufen zu bringen, fahren wir nach Bjerke. Doch die DVD läuft nicht, dafür lassen wir es uns allerdings mit kleinen Meerestieren, Pytt-i-Panna und Schokoladenkuchen kulinarisch gut gehen. Wir dürfen nicht zu spät ins Bett, immerhin ist morgen noch mal um 9 Uhr früh Uni. Norwegisch für mich. Und Norwegisch für Marlene. Ich im Kurs. Sie in Fernarbeit. Aber wir arbeiten beide artig…
Nach den vier Stunden haben wir vor allem eins – Hunger. Und obwohl wir uns einen anderen Masterplan erdacht hatten, fahren wir lieber in die Stadt um im Mono Mittag zu essen. Es ist die letzte Chance für Tore uns mit seiner Anwesenheit zu beglücken, aber er ist wieder nicht da. Die Theorien weiten sich aus. Immerhin ist der Chef höchstpersönlich da und wir lassen uns von ihm bedienen. Die Wahl fällt auf Pytt-i-Panna und obwohl das von gestern echt nicht schlecht war, mit der Mono-Version kann es sich bei Weitem nicht vergleichen. Und während wir so langsam aufgemümmelt haben, fällt plötzlich der Strom aus. Da wuseln alle Mono-Bediensteten und Stammgäste auf einmal wild durcheinander. Die Musik ist aus. Das Licht ist aus. Nichts geht mehr. Die Leute kaufen noch schnell Bier, solange es noch halbwegs kalt aus dem Kühlschrank kommt. Aufgeregt schnappt sich einer nach dem anderen die Taschenlampe und rennt zum Sicherungskasten. Zurück kommen sie alle ohne Erfolg. Das Ganze ist zwar sehr belustigend, aber da heute unser letzter Tag ist, wollen wir diesen lieber mit einem Knall beenden, als damit aufgebrachten Mono-Mitarbeitern bei Reparaturarbeiten zuzusehen.
Also bringen wir unsere Sachen weg und machen uns ohne schwere Gewichte auf den Weg nach Bygdoy. Denn eigentlich kann Marlene nicht einfach so wieder nach Deutschland fahren, ohne wenigstens einmal ordentlich auf irgendein Fass gehauen zu haben.
Doch der Bus fährt nicht ganz so, wie wir uns das vorstellen. Er fährt nämlich nicht wie geplant zu den Museen hinter, sondern an das andere Ende der Halbinsel. Dort stehen leider keine Fässer, was uns ein bisschen enttäuscht, als wir uns plötzlich vom Busfahrer rausgeschmissen an der letzten Haltestelle wieder finden. Aber einfach so zurückfahren, wäre ja auch doof. Deswegen beschließen wir ein Stückchen spazieren zu gehen – eine unserer Hauptbeschäftigungen, wie es dem aufmerksamen Leser vielleicht schon aufgegangen ist. Da wir uns wirklich am Ende der Halbinsel befinden und soweit in den Fjord reinreichen, wie es möglich ist ohne Oslo an sich zu verlassen, gibt es hier kein Licht mehr. Nur noch uns, den Fjord und die Felsen. Licht gibt es erst wieder an den anderen Ufern des Fjords und die leuchten aus der Ferne umso schöner. Hier hinten sind keine Leute mehr, nachdem sich ein plauschendes Pärchen entfernt hat. Wir stehen alleine am verlassenen Oslo-Anleger und beobachten den Mond, die Stadt und das Wasser.


Wir nutzen die Abgeschiedenheit kurz um einfach mal zu schreien und mit spürbar zunehmender Kälte ziehen wir uns langsam wieder Richtung Bus zurück.
Nach einiger Aufwärmzeit machen wir uns dann auf den Heimweg… Oder… wollen wir lieber noch einmal das gleiche Stück wie immer gehen? Und im Dunkeln in die Fenster zu all den Wohnungen gucken und uns vorstellen wie es einmal werden sollte? Wir wollen.
Und so gehen vier heimelige und gemütliche Tage zu Ende.
Vom Abschied soll hier nichts weiter stehen. Man kann sich ja denken, wie so was läuft. Immerhin war es der letzte Abschied bis Silvester.

Vintersju.

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