Freitag, 31. Juli 2009

Når eg kommer tillbake...

Ein weiterer Tag im Zug.
Heute Morgen gegen 6 Uhr in Trondheim war es nicht schön. Das lag nicht daran, dass Zahl und ich nur 4 ½ Stunden Schlaf abbekommen haben, sondern war darin begründet, dass ich nach Oslo zurückfahren sollte...
Ich weiß ja, wie rührselig ich immer bin, wenn ich wenig geschlafen habe. Dann ist immer alles hysterisch lustig oder zum Heulen traurig. Und da ein Abschied ja eher recht wenig Potential zum Lachen birgt, vermeide ich einfach das Sprechen weitestgehend. Zahl wirkt auch angeschlagen...
Doch der Minipris ist gebucht und der Zug kommt. Wir können nichts anderes machen, als uns mal wieder voneinander zu verabschieden (sowohl mit coolem Handshake, als auch mit herzlicher Umarmung) und hoffen, dass wir es diesmal länger als zwei Tage ohne einander schaffen...
Im Prinzip sind es nur drei Wochen, weil ja dann auch schon das Pstereo-Festival ist. Zusammen mit Marlene. Theoretisch klingt das doch machbar... Wir werden also sehen...
Ich setze mich in den vollkommen ausgebuchten Zug und warte, wer da wohl kommt, um sich neben mich zu setzen.
Es ist ein junger Herr. Zahls Gestikulationen vor dem Fenster scheinen mir mitteilen zu wollen, dass er ja ganz gut aussieht. Aber leider ist der Mann wohl ein paar Mal zu häufig im Brun og Blid, dem hiesigen Bräunungsstudio gewesen und seine Sachen sind so eng, dass ständig irgendwo irgendwas von seinem Körper zu Tage tritt... Außerdem schätze ich ihn gegen Ende 20 ein und er spielt mit seinem hyperhochtechnologischen Telefon Autorennen. Wobei er das nicht durch Knöpfe steuert, sondern durch seine Bewegungen.
Das mag ja bei Kindern und Jugendlichen ganz süß sein, aber bei einem erwachsenen Mann wirkt das nun mal absolut bescheuert, wenn er sich ununterbrochen für ein Autorennvideospiel in seinem Zugsitz hin und her wirft.
Gott sei Dank vergeht die Zeit schnell. Der Zug fährt 8.25 Uhr los und ich bin weg. Das nächste Mal sehe ich 9.39 Uhr nach der Zeit und es kommt mir vor, als wäre ich erst fünf Minuten unterwegs. Ich nicke ein, wache auf, schaue aus dem Fenster, nicke wieder ein... draußen wird die Landschaft vorbeigefahren und nichts weiter passiert.
In Ringebu steigt der Mensch neben mir dann auch schon aus. In dem vollen Zug freue ich mich über meine neuerrungene Freiheit. Doch die ist nur von kurzer Dauer, denn sowie der Typ ausgestiegen ist, setzt sich ein Mädchen zu mir. Sie lächelt freundlich und holt ihr Strickzeug heraus. Sie macht einen schwarzen Schal. Sehr sympathisch.
Da gönne ich mir direkt meine überteuerte Eiersandwichmahlzeit. Micke from Sweden, Janove, Jens Lekman, Nick Cave und Washington tragen mich gen Süden.
Es ist ein bißchen so, als würde ich vom Herbst in den Sommer zurückreisen... Alles ist so still. Ich bin diesmal nicht im Familienabteil gelandet.
Und dann etwa eine Stunde vor Oslo fängt der Nebel an. Eigentlich ist es gar kein Nebel, sondern vielmehr Dunst.
Alles ist noch nass, es muss vor kurzem sehr kräftig geregnet haben, doch jetzt brennt die Sonne und all das Wasser verdunstet. Die Bäume und Häuser sehen aus, als würden sie qualmen und über dem See ist eine so tiefe Nebelschicht, dass man vermuten könnte, die Wolken wollten sich die Erde mal aus der Nähe betrachten... Alles verschwindet im Nebel. Dann taucht der Zug in den Tunnel vor Oslo ein. Mehr als 2 km fährt er unter der Erde, um dann wieder mitten in der Stadt aufzutauchen. Alle im Zug sind erstmal von der gleißenden Sonne geblendet. Doch es bleibt keine Zeit mehr sich an das Licht zu gewöhnen, denn schon sind wir wieder da.
Olivia wartet auf mich. Noch ist sie die einzige, die das tut, aber dafür geht es ihr gut. Ich fürchte schon fast, dass ich sie übergossen habe...
Bald sitze ich wieder in dem Zug. Wieder Richtung Trondheim.
Überhaupt sollte ich vielleicht noch ein paar Worte über das Zugfahren in Norwegen formulieren.
Es gibt insgesamt in diesem Land etwa 6 oder 7 Zuglinien. Wenn man nach Norden möchte, kann man bis Bodø, was ungefähr noch ein Drittel des Nordens unerschlossen lässt – bis auf die Einzelverbindung zwischen Narvik und Kirkenes selbstverständlich. Wenn man in Stavanger ist und ins eigentlich gar nicht so weit entfernte Bergen möchte, muss man mit dem Zug über Oslo fahren, was dann durschnittlich 16 Stunden dauert. Da ist so eine 7 stündige Fahrt von Oslo nach Trondheim oder umgekehrt noch purer Luxus.
Dann ist es allerdings auch noch so, dass die Züge manchmal einfach so anhalten. Der freundliche Zugführer informiert dann umgehend die Passagiere, dass man noch auf einen Zug warten müsse. Hierbei handelt es sich nicht um einen Anschlusszug, dessen Passagiere noch mit wollen, denn man befindet sich ja mitten im Nirgendwo, nein, es ist ganz einfach so, dass die Norweger viele Streckenabschnitte nur mit einer Schiene ausgebaut haben. Also muss man auf den entgegenkommenden Zug warten, damit man dann auf der gleichen Schiene weiter in seine eigene Zielrichtung fahren kann.
Ja, die Norweger und die Infrastrukur sind nicht die engsten Freunde...

Im Übrigen hat gestern mit dem Kochen alles geklappt.
Ob meine Vorräte hier in Oslo jetzt ein Stückchen mit mir wandern wollen, werde ich jetzt besser überprüfen.

Vintersju.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Viktoria, dekk bord!

Gestern Abend saß ich ganz friedlich auf Zahls Bett herum, als ich plötzlich bemerkte, wie sie mich mit ihren durchdringenden Rehäuglein anblickte... Da dachte ich bei mir: Sagste mal erstmal nix.
Es folgt Schweigen. Schweigen. Schweigen...
Dann plötzlich: "Juln...?"
(Aha... was da wohl kommt?) "Ja... ...?"
"Magst du morgen Mittag kochen, wenn ich vom Sprachkurs komme?"
Okay. Nun folgt Schweigen von meiner Seite, gepaart mit einem schiefen Grinsen.
Ich blicke in Zahls verständnisloses Gesicht. Keine Regung für eine ganze Weile.
Dann hat sie plötzlich die Erleuchtung: "Achso!!! Du kannst ja gar nicht kochen!"
Ja. Genau da liegt der Hund begraben.
Selbstverständlich habe ich meine Basics. Dazu gehören: Rührei, Bratkartoffeln, Kartoffelbrei, Pai und Spaghetti Bolognese (wenn ich die Soße nicht versaue...).
Doch Zahl hat in ihrem Kopf schon ein Bild vom perfekten Dinner.
Sie sieht: Reis mit einer Tomatensauce mit Paprika, Tomaten und Hackfleisch.
Ach du grüne Neune!
Zumindest bei einem Faktor bin ich mir sicher: Ich weiß, worauf ich schneiden werde. Denn in Zahls Küche gibt es über den Schubladen 1 x 1 Meter große Schneidebrettmonster zum Herausziehen!
Und einkaufen gehört selbstverständlich auch noch dazu!
Daran mach ich mich jetzt wohl besser.
Wenn die Küche in Brand steht, folgt ein weiterer Blogg mit Fotos!

Vintersju.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Han husker kor han kommer i frå det er mange mange år si da



In Dragvoll kann man das Dach auffahren.
Bei strahlendem Sonnenschein verwandelt sich die Gewächshaus-Stadt also in eine richtige echte Stadt. Sie ist noch etwas ausgestorben, nur von ca. 150 Studenten besiedelt.
Aber der Himmel über uns ist offen und der Fensterputzer auf seinem Kran kann den Kopf aus dem Gebäude stecken und die Nase in die Sonne halten.



Nils merkt ganz genau, wenn es zuviel ist. Grimmig entlässt er uns in eine Pause und stiefelt mit seiner Pfeife in den Universitätspark. Er sieht aus, wie jemand, der viel zu erzählen hat, deswegen scharen wir uns alle um ihn und hören ihm zu, wenn er von Norwegen erzählt und nebenbei seine Pfeife stopft.
Bei ihm haben wir doch etwas von einer Familie. Seine Kinder, die sich alle nicht kennen und noch nicht so richtig mögen, aber alle seinen Geschichten lauschen unter den Birken im Park.
Und wenn er mal nichts mehr weiß, hat er immer noch eine Anekdote über das norwegische Wetter in der Hinterhand.

Zahl

Guess who's in the Building?!

In Trondheim sind gerade die Olavsfestspiele.
König Olav war seiner Zeit Vikinger und Erfinder der Stadt Trondheim.
Er segelte hier herum und ließ sich auch gleich hier nieder mit seiner Horde.
Ich weiß nicht, ob es sich dabei um denselben Olav, oder um einen Nachfahren des Erfinders handelt, jedenfalls wurde ein Olav in Trondheim begraben und später wurde der gigantische Dom (Gothik, möchte ich hier anmerken!)auf seinen Reliquien oder wie der Norweger sagt, Regalien errichtet.
Zu Ehren dieses unter dem Dom schlafenden Königs finden also in der letzten Juliwoche die Olavstage statt.
Es gibt großes Ritterspektakel.
Emily erzählt noch einiges zu Olav und zu dem Spektakel drumherum, als sie uns auf den Herrn hinter uns aufmerksam macht: der Herr Kultusminister himself befindet sich in der Stadt! Auf der anderen Straßenseite! Und er guckt grimmig! Trägt er da etwa den gestohlenen, vermissten Munch unterm Arm? Ist es die Mona Lisa? Nein, es ist irgendein expressionistisches Gekrakel und als er entdeckt wird von einer Gruppe neugieriger Studenen, guckt er noch grimmiger und verschwindet mit seinem Bild in einem Taxi.

Da wenden wir uns lieber den spannenden Sachen zu und linsen bei den Ritterkämpfen über den Zaun.


Zahl

Tjukt med Bilder





Hemmelig Beskjed

Morgenandacht.

Ein neuer Morgen und ein wolkenloser Himmel über Trondheim!
Das kann ich noch gar nicht so richtig glauben... Auch wenn ich ernsthaft (das wird mir zwar keiner glauben, aber es stimmt) über das Angebot einer Französin nachgedacht habe, sie in die Stadt zu begleiten, weil sie hier ebenfalls nur einen Freund besucht, werde ich, sowie ich hier fertig bin, die Zeit nutzen, um zu arbeiten.
Ich möchte auch eigentlich nur loswerden, dass ich mich der Menscheneinschätzung von Zahl absolut anschließe... Es ist wirklich schlimm hier mit den Deutschen.
Ich hoffe nur, dass sich das in Oslo besser verteilt. Aber ich denke immernoch, dass ich wohl weitestgehend der einzige Horst bleibe, der Germanistik in Oslo studiert, obwohl er aus Deutschland kommt.
Man fragt die Leute hier, warum sie hier sind und die häufigste Antwort ist: Ich hatte keine Wahl. Ich musste noch ins Ausland und was anderes war nicht mehr frei.
Ich dachte, dass man hier auf Menschen trifft, die genauso begeistert von diesem Land sind, wie wir.
Viele sitzen in den Sprachkursen, weil es für sie eine Pflicht ist. Wenn sie die paar Wochen hinter sich gebracht haben, machen sie nicht weiter. Norwegisch ist dann für sie abgehakt. Warum kriegen solche Leute die Plätze?
Warum kommen die überhaupt her? Wenn ich sowieso in ein Land muss, dass mich in keinster Weise reizt, ist es dann nicht einfacher gleich zu Hause zu bleiben?
Aber die NTNU ist schon ziemlich toll. Die Studenten, die das alles umsonst machen, geben sich große Mühe allen Neuankömmlingen zu helfen und großartige Sachen für sie zu organisieren. Am Freitag beispielsweise gibt es einen Wochenendausflug nach Oppdal, einfach mal so.
Da habe ich mein Abreisedatum ja glücklich gewählt... Auch wenn das dann mit der Verabschiedung wohl noch schwieriger wird, als letztes Mal. Wir müssen einfach den Plan mit dem grünen Haus in Oslo umsetzen.







Vintersju.

Dienstag, 28. Juli 2009

Jorda spinner rundt seg og tar alle med seg - men eg spinner bare rundt meg

HVA HETER DU?
Ist das euer Ernst?
Ich sitze hier nun also in Gruppe sieben.
Niemand kann ein Wort Norwegisch sprechen.
Gestern habe ich Nils getroffen.
Nils ist vielleicht Ende 40, hat lange Haare, ein Doppelkinn und ein fieses Gesicht. Er ist beinahe einen Kopf kleiner als ich und raucht Pfeife.
Er ist großartig. Sein Humor ist schwärzer als das Öl in Norwegens Fässern und sein böses Grinsen trägt noch mehr dazu bei. Man kann einfach nur lachen. Wenn man versteht, was er meint. Er nimmt mich also auch heute an die Hand und trägt mich fort in den Fortgeschrittenenkurs. Hier gefällt es mir gleich besser. Auch wenn hier bis auf die arrogante, bildhübsche Kanadierin/Irin/Norwegerin und dem Italiener nur Deutsche sitzen, ich habe das Gefühl, dass ich in drei Wochen durchaus was erreichen kann. Ich hoffe es zumindest.
Die Uni ist fulminant möchte ich sagen. Wir sind ab heute auf dem Campus DRAGVOLL. Das gesamte Gebäude ist mit Glas überdacht. Eigentlich ist es eine eigene Stadt mit vielen Straßen, Littfaßsäulen, Marktplätzen, Bäumen und Shops. Sogar innerhalb dieses Campus' gibt es mehr Buchläden als in Oslo. Und all das mit Glas überdacht. Und draußen: der blaue norwegische Himmel.
Ich liebe den Duft von neuen, frisch gedruckten Büchern. Wir bekommen die Fortsetzung unseres 50 Euro Buches aus Deutschland, denn: wir sind schon richtig gut und können ganze Sätze auf Norwegisch bilden. Nils lässt es sich auch nicht nehmen und gibt uns gleich zu Donnerstag auf, einen Aufsatz zu schreiben.
Ich halte meine Nase in die Seiten und in den Schaft am Buchrücken. Neue Bücher will man immer ganz besonders behandeln. Sie sollen nie so enden, wie die, die schon im Schrank stehen. Abgegriffen und ausgelesen. Wenn man über den Deckel streicht, merkt man noch keine Unebenheiten oder Kratzer.
Die Akteure unseres Buches wohnen im Markveien in Oslo. Somit ist dieses Buch auch mein Buch geworden.

Die Menschen im Sprachkurs kann man in dreierlei Gruppen teilen.

1. Die Schüchternen
So wie Aurelia aus Frankreich. Sie stehen alleine oder in ihrem Nationalitätengrüppchen und sagen nicht viel. Wenn man ein Gespräch mit ihnen anfängt, kommt es meist gar nicht zu einem Gespräch. Oder sie beenden es so schnell es geht, weil sie irgendwas erledigen müssen oder ins Bett wollen.

2. Die Aufdringlichen
Die größte Gruppe der hier anwesenden Sprachkursteilnehmer. Sie rücken sich selbst ins Zentrum des Geschehens. Sie wollen sich gegenseitig ihre Großartigkeit beweisen. Sie sind am lautesten, am peinlichsten, am unlustigsten und reden meist nur Schwachsinn. WERDET MEINE FREUNDE lautet ihr Slogan und sie wollen sich von ihrer witzigsten, ausgeschlossensten und ausgefallensten Seite präsentieren. Sie sind furchtbar freundlich, wenn man sie alleine trifft und fragen einen meist belanglose Sachen, nur um am Ende des Tages einen weiteren Namen auf ihrer Zu-Kennenlern-Liste abzuhaken. Am nächsten Tag erinnern sie sich nicht mehr an einen.

3. Die Arroganten
Sie sprechen mit niemandem und wenn, dann nur Einwortsätze oder geben schnippische Antworten. Wahrscheinlich sind sie die Reaktion auf Gruppe 2. Oder sie sind einfach ganz besonders, weil sie Erziehungswissenschaften und Sonderpädagogik studieren und Shirts von Bands tragen, die sonst keiner kennt.

Irgendwo zwischen ihnen findet man zwei, drei wirklich nette Menschen, keiner Gruppe zuzuordnen, nicht mal einer eigenen, die aber auch an Leuten aus Gruppe 1-3 interessiert sind und deswegen nur verstreut und nur mit halben Ohr anzutreffen sind.
Es ist schwer, jemanden richtig kennenzulernen. Es ist schwer, jemanden richtig gern zu mögen. Ich war wohl als eine der ersten hier. Das wird gern zu organisatorischen und orientierenden Zwecken ausgenutzt. Danach redet man lieber mit den Leuten, die aus der Gegend kommen, in der man selber wohnt.
Wenn Jule erstmal wieder in Oslo ist, werde ich hoffentlich trotzdem nicht alleine zurück ins Studentendorf gehen. Hoffentlich.
Es ist schwer. Ich habe es mir einfacher vorgestellt. Aber ein richtiger Verbund ist noch nicht da.
Der kann andererseits auch gar nicht entstehen. 50%, wenn nicht sogar mehr, der Anwesenden sind deutschsprachig. Die sind von allen auch noch am unsympatischsten. Und alle anderen wissen das. Die Lehrer. Die Gruppenleiter. Die anderen Erasmen. Man hat keine Chance, guten Eindruck zu machen, wenn die erste Frage ist, woher man kommt und man zähneknirschend mit "Deutschland" antworten muss. Die meisten Gespräche waren dann beendet. In Bezug auf Arnes erste Vermutung bei unserem Treffen damals in Oslo, ich sei aus Island, wurde das mein neuer Vorstellungsspruch. Die meisten haben es geglaubt. Der Kanadier Julien sagt, es liegt an meiner Frisur. Jule sagt, es liegt an meinen Eskimoaugen. Max sagt: "Island???"
Aber es funktioniert. Die Leute unterhalten sich weiter mit mir.
Im Kulturstudienseminar haben sie uns erzählt, außerhalb von Deutschland würden wir uns immer freuen, auf Landsmänner zu treffen. Das ist eine Lüge. Ich schäme mich für sie. Und im Gegensatz zu Jule kann ich mich am Fremdschämen nicht besonders ergötzen. Mein neues Ziel also: die Norwegische Staatsbürgerschaft. Oder die Isländische.
Nach erfolgreichem ersten Lerntag und einem Berg Hausaufgaben soll es eine Stadtführung geben.
Wir bekommen in kleinen Gruppen eine selbstgebastelte Stadtkarte und niemanden, der sich auskennt. Wir sollen den Weg also alleine finden. An ganz besonderen Orten dieser Stadt warten Jungs und Mädels aus der Studentenvertretung und erzählen uns wichtige Dinge über die jeweiligen Orte.


Am Hafen gibt es einen Lebertranumtrunk. Gut, dass wir vorher was zum Nachspülen gekauft haben.

Frederik am Markt erzählt uns viel über die Geschichte der Altstadt. In der "Speicherstadt" Trondheims, dem ELVEHAVN dürfen wir Brunost und Geitost, typisch norwegischen Käse probieren.

Es wird nochmal erwähnt, dass der Käsehobel ja von einem Norweger erfunden wurde. Der Herr, dessen Namen ich vergaß, fand es ungerecht, dass Käsescheiben immer unterschiedlich dick seien. Tada! Ein Käsehobel. Käsemesser? Käseschneider?

Die Schleuse wird leergepumpt, um ein Schiff dort zu bauen. Ist es fertig, pumpt man die Schleuse wieder voll und es kann losfahren. Gegenüber: das Blæst. Bei Tageslicht. Unscheinbar.


Wir erreichen den Fahrradlift. Wir sind schon 10 Mal an ihm vorbeigelaufen, ohne ihn wahrzunehmen. Aber es scheint ein heiteres Spekatakel zu sein, vielleicht wie Karussellfahren. Für 100 Kronen im Jahr darf man da mit seinem Fahrrad so oft rauf uns runter wie möglich. Aber es ist anstrengender, als sein Fahrrad diesen Berg einfach raufzuschieben.

Wir gehen durch das Bakklandet zurück. Hier wird uns erzählt, dass man, wenn man unter der roten Brücke langgeht, danach glücklicher sein wird. Wir probieren es erneut, da wir vorher nicht soviel davon gemerkt haben. Vielleicht sollten wir nächstes Mal in die andere Richtung gehen? Das könnte helfen!

Es ist aufgetafelt. Die Organisatoren veranstalten im Park des International Office auf dem Campus ein original norwegisches Barbecue. Der norwegische Name dafür wird uns jedenfalls nicht verraten. Ein großes Grillfest also. Hier treffen alle Erasmen aufeinander und dürfen sich ihre Burger selbst belegen. Natürlich nur mit norwegischen Zutaten. Dazu gibt es gegrillten Lachs und Kartoffelsalat. Richtigen Kartoffelsalat!



Uns wird Wikingerschach vorgestellt.

Zweihundert Leute sammeln sich um vier Spielfelder und jeder will. Als diese Utopie erkannt wird, wird ein Fußballfeld und ein Frisbbeplatz eröffnet. Die erneute Chance, sich kennenzulernen. Doch es wird sich aufgeteilt. Die Spanier, Franzosen und Südamerikaner tollen sich auf dem Bolzplatz und beim Wikingerschach bleiben: die Deutschen. Da darf man nicht mal die Linie übertreten, ohne in einem sabbrigen bayrischen Dialekt zurechtgewiesen zu werden. Die wenig verbliebenen Nicht-Deutschen sind konsterniert. Alle zwei Minuten wird über Regelverletzung und Langsamkeit gemeckert. Am Ende lassen wir die Österreicher und Bayern allein zurück, der Scham steigt ins Gesicht, was sollen die andern nur denken - schnell weg.

Die Stadt hat ihre Lichter angemacht. Vor meinem Fenster erstreckt sich eins der Täler in dem Trondheim liegt. Wahrscheinlich ein Reihenhausviertel. Die Jungs von Gegenüber feiern in ihrer Küche ein Dienstagabendfest.
Morgen startet der neue Versuch.
Zunächst werde ich gute norwegische Musik unter die Leute bringen.
Aber erstmal schlafen gehen.
Oder vielleicht nochmal ein Blick in meine Bibel werfen...Kontroll på Kontinentet!

Zahl

BRAVEHEART

Eg har hatt hat i mitt hjerta...die Norweger und der Schmerz

Wissen wir nicht (Hausmusiker der NTNU?)

Terje Vinterstø (Kaizers Orchestra)
Rune Simonsen (Washington)

Was fällt dem geneigten Leser bei dieser kleinen Bilderserie auf?
Der norwegische Musiker an sich fühlt Schmerz. Viel Schmerz. Und den muss er in seinem Gesicht ausdrücken um andere Menschen, die nicht so viel Schmerz empfinden, daran teilhaben lassen zu können.
Es ist unglaublich wie leidend die Norweger gucken können.
Wo kommt das nur her? Die haben es doch schön hier. Und an die Melancholie durch Dunkelheit Theorie glauben wir nicht.
Wir werden diesem Phänomen in den nächsten Monaten weiter auf den Grund gehen.

Du kan bli med på prosessen...


Jetzt ist es soweit.
Morgens um 9 Uhr in Trondheim.
Zahl sitzt jetzt bereits in der Uni und beginnt ihren Norwegisch-Intensivsprachkurs. Eine Möglichkeit, die mir nicht vergönnt war.
Ich hab noch ganz gönnerhaft damit angegeben, dass ich dann wenigstens in Ruhe ausschlafen kann. Zahl ging also vorhin los und ich schmiss mich zurück auf meine Matratze, aber mit schlafen war nichts mehr…
Sollen die doch alle ruhig büffeln, umso mehr Zeit habe ich, hier meine Gedanken und Beobachtungen kundzutun.
Gestern war nämlich der Begrüßungstag der NTNU, der Norwegian University of Technology and Science (man bleibt bei der Abkürzung jedoch bei der norwegischen Bezeichnung, weil man sonst NUTS haben würde). Ein wahrlich interessanter Tag.
Auf dem gigantisch großen Campusgelände der Naturwissenschaftler hier in Trondheim findet das erste Treffen statt. Auch wenn keiner von uns so richtig weiß, wo er hin muss, finden wir einen Haufen Menschen in einem Glasgebäude, dessen Wände wahlweise von Kunstwerken aus Säbelzahntigerzähnen oder lianenartigen Pflanzen bewuchert werden.
Hm… ob das in Oslo auch so läuft? Ich bleibe einfach hier stehen, guck mir alles in Ruhe an und warte, was passiert. Möglichst unauffällig, denn auch wenn mir die anderen etwas anderes sagen, fühle ich mich ein bisschen fehl am Platz, hereingeschummelt eben.
Zunächst bekommt also jeder Austauschstudent der NTNU eine Mappe mit wichtigen Informationen über Aktionen, Sprachkurs, etc. und einen Gutschein, der einem die Lehrbücher für den Sprachkurs schenkt. Ja, ich kann das noch mal wiederholen: SCHENKT. Genau das Buch, für das man in Deutschland noch 52 Euro bezahlt hat, wird einem hier bereitgestellt, gratis dazu gibt es auch noch das Arbeitsheft. Das ist doch schon mal ein super Anfang.
Dann sagt uns ein sehr schöner Norweger, der sich später als der Mann der eMail-Seelsorge, Frederick, herausstellt, dass die Leute jetzt 45 Minuten Zeit haben sich kennenzulernen.
Irgendwann bemerken wir, dass auf den Mappen nicht nur der jeweilige Name, sondern auch eine Nummer steht, die die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sprachkursgruppe angibt.
Max, Hans und Zahl sind alle in verschiedenen Gruppen. Das ist ja schon mal ziemlich doof, dann stellt sich wiederum heraus, dass diese Nummern auch noch das Niveau des Sprachkurses angeben und es deswegen umso merkwürdiger ist, dass sie nicht zusammen sind, weil ja immerhin Zahl und Max identische Voraussetzungen haben. Aber dann schlendert da auf einmal der Nils vorbei, ein Norweger, bei dem Hans im Sommer schon mal in Leipzig einen Intensivkurs gemacht hat und der verspricht zu Regeln, dass Zahl und Hans jetzt doch noch in Kurse kommen, die auch wirklich ihrem Niveau entsprechen und nicht in die Anfängerkurse, denen sie eigentlich zugeteilt wurden.
Aber es ist auch immer noch die Kennenlerndreiviertelstunde. Eher widerwillig machen sich Zahl und Hans auf die Suche nach Mitgliedern ihrer Kurse, während Max schon längst im Getümmel ist. Es gibt unglaublich viele Deutsche hier. Das ist schon ein bisschen frustrierend, denn die meisten von ihnen führen sich schrecklich auf oder erzählen uns, dass sie etwas total Besonderes sind, weil sie Erziehungswissenschaften studieren oder als Kinder mal ins Eis eingebrochen sind.
Irgendwann guckt Zahl mich an und haucht mir zu: „Lass mal weg hier von den Atzen…“ Da hat sie mal wieder meine Gedanken gelesen und wir entfernen uns unauffällig, weil das unser beider vierter Vorname ist! Da kommt uns ein gut aussehender junger Mann entgegen, der uns anlächelt und uns mit einem freundlichen „Hei“ begrüßt… Na wer war das denn? Ein Kanadier, wie sich wenige Minuten später herausstellen soll. Wir werden nämlich in einen großen, modernen Hörsaal geschoben, in dem wir uns die Begrüßungsrede von Wolfgang Laschet anhören, der uns was von Gurken erzählt, dem Hass der Trondheimer auf Bergen und Schweden und die einzelnen Nationalitäten zum Kennenlernen aufstehen lässt.
Außerdem zeigt er uns das Video, mit dem die NTNU für Studenten wirbt. Nachdem wir also so traurig darüber waren, dass wir bei youtube leider die norwegischen Spots aus dem Kino nicht auftreiben konnten, können wir mit dieser Uni-Werbung nun eindeutig den großartigen Humor der Norweger nachweisen. Hätte ich das vorher gesehen, würde ich jetzt wohl auch hier studieren… Und das, obwohl es nur 30 Sekunden dauert!
http://www.youtube.com/watch?v=Rv-4ZQ8dFYM
Wir haben auch Werbung gesehen, die vom Trinken abhalten soll. Es war eine schöne biologische Übersicht von Fischen, die in den hiesigen Gewässern leben und in der Mitte die Leiche eines ertrunkenen Mannes, bekannt als der Fisch Full Mannen. Kein Wunder also, dass im Touristenführer die Treffen der Anonymen Alkoholiker angegeben sind.
Es folgt also ein Rundgang über den Campus, der recht beeindruckend ist, wie ich zugeben muss, auch wenn ich nicht verstehe, warum da überall Lokomotiven rumstehen…
Doch dann soll es Essen geben (der eigentliche Grund für mein Mitkommen). Bevor das Menü allerdings eröffnet wird, kommen zwei großartige Musiker, die uns mit ein paar herrlichen Liedern und unglaublichem Talent beeindrucken. Viele der Austauschstudenten gucken zwar regelrecht angewidert, aber wir sind begeistert! Sowohl von der Sangeskunst, als auch von den Outfits… Aber dann gibt es wirklich Essen. Auch wenn ich eigentlich ein schlechtes Gewissen habe hier einfach mitzufuttern, ermuntert Zahl mich zuzuschlagen. Und als die Leute dann Obst vorbeibringen, kann ich wirklich nicht mehr an mich halten. Zu schade, dass Zahl mir erst später erzählt, dass das aufgestylte, zickige Mädchen neben mir sich ihren Kartoffelsalat in die Haare schmiert, weil sie sich alle zehn Sekunden die Frisur richten muss…
Somit ist der Uni-Tag aber auch vorbei und wir beschließen in die Stadt zu gehen, auch wenn meine Beine nach dem Gewaltmarsch von vorgestern sich nicht darüber freuen. Ihren Standpunkt machen sie sehr schnell deutlich, in dem sie mir einfach auf einer Treppe den Dienst versagen. Das war da aber auch rutschig.

Diese Bilderserie untermalt das Dilemma. Ich rutschte, aber fiel nicht! Zu meiner eigenen Überraschung, denn ich sah mich schon in den Zierrasen der Uni beißen. Aber es ist alles noch mal gut gegangen.
Wir gehen weiter, auch wenn ich noch ein bisschen unter Schock stehe. Wir wollen nämlich die Karten für das Pstereo-Festival kaufen. Auf Grund von Motorpsycho hat Hans sich überlegt auch mitzukommen und geht als erster zur Kasse. Zum bestimmt hundertsten Mal funktioniert seine Mastercard nicht. Wenn ihr euch also mal entscheiden müsst, ob ihr eine Master- oder eine Visacard haben wollt und die Bankmenschen euch erzählen, es gäbe bis auf die Taube auf der Visacard keinen Unterschied, schenkt ihnen keinen Glauben!
Hans kann mit der Karte gar nichts anfangen hier und muss alles bar bezahlen, während das bei mir nur so flutscht. Und es macht auch unglaublichen Spaß die Karte immer selbst durch das Gerät zu ziehen, da vergisst man beinahe (aber nur beinahe) die Preise.
Wir haben Karten für das Pstereo! Marlene, ich hab auch eine für dich!
Wir finden auch endlich den Fahrradlift, der gar nicht so spektakulär ist, wie ich mir den ausgemalt hätte. Aber egal, jetzt müssen wir erstmal in den Buchladen. Hans braucht ein Wörterbuch und Zahl braucht Harry Potter auf Norwegisch.
Trondheim hat wirklich Buchläden. Doch wir gehen auch hier nur in eine Kette, die es auch in Oslo gibt, sind also ohne besondere Erwartungen. Zahl und ich schlendern nur so aus Routine zu dem Regal mit den Musikbüchern… Natürlich ist das, was wir suchen, nämlich Kontroll Paa Kontinentet von Jan Zahl nicht darin zu finden. Aber das ist ja nicht so schlimm, die nette Frau aus Oslo hat uns die Bücher ja bestellt. Wir schlendern ein bisschen weiter und auf einmal schreit Zahl „OH GOTT!“ und tatsächlich! Da liegt es! Auf einem Grabbeltisch! Das darf doch nicht war sein. Mein Blick schweift nach links und ich sehe ein zweites Exemplar. „OH GOTT!“
Wir krallen uns die Bücher, zu ehrfürchtig um sie öffnen und laufen zur Kassiererin um zu fragen, ob sie noch ein drittes für Marlene hat. Leider sind das die letzten beiden Exemplare. Aber wir können sie auch nicht einfach stehen lassen. Ich hole Marlene einfach das, was wir in Oslo bestellt haben. Wir MÜSSEN diese Bücher jetzt kaufen. An der Kasse höre ich dem Verkäufer nicht richtig zu, Zahl antwortet auf eine Frage mit ja, woraufhin er anfängt mein Buch wie ein Geschenk einzupacken! Das ist ja sogar noch besser, weil ich es dann noch mal auspacken kann! Hervorragend!
Nachdem wir noch eine Weile durch die Straßen schlendern, beginnt es zu regnen. Welch Überraschung. Dann gehen wir wohl besser nach Hause und morgen auf die Festung. Ich will noch auf diese Festung so lange ich hier bin. Das müssen wir noch schaffen.
Aber wenn der Heimweg eine Stunde dauert und man die lang ersehnten Bücher unter dem Arm hat, die ungefähr fünf Kilo wiegen, mit denen man aber super Norwegisch lernen kann, muss man die Festung auch mal nach hinten raus schieben.
Nach einer kurzen Stärkung bei Zahl und dem bedächtigen Durchblättern und Bestaunen des Buches gehen wir dann zu einer Begrüßungsparty im Studentenkeller. Dieser ist so klein, dass eigentlich alle Leute draußen stehen. Wir Gesellen uns zu Hans und Max, dem alten Ehepaar, die schon da sind und kommen mit Marina aus Stuttgart ins Gespräch, die nach dem Sprachkurs hier in Oslo studieren wird und erzählen auch eine Weile mit dem Kanadier von heute Morgen. Er ist Architekturstudent und baut grüne Häuser. Also, Biohäuser, nicht nur Häuser, die grün angestrichen sind, wie er uns erklärt!
Irgendwann sehen wir auch Frederik wieder, der eine norwegische Flagge ins Gesicht gemalt bekommen hat. Die steht ihm gut, wie Zahl ihm zu berichten weiß… Er ist verlegen. Das scheint ihm alles ein bisschen zuviel Trubel um seine Person zu sein, doch den hat er sich allem Anschein nach verdient, denn er war der einzige, der wirklich auf eMails geantwortet hat und das auch noch mit Humor!
Ein interessanter Abend mit ziemlich vielen Menschen geht mit ruhigen Halbschlafgesprächen in Zahls Zimmer zu Ende. Mal sehen, was sie zu erzählen weiß, wenn sie von ihrem ersten richtigen Tag hier zurückkehrt…


Vintersju.

Montag, 27. Juli 2009

Et stort, rødt Askebeger

Ta Sjokoladen!

Eigentlich wäre ich verloren in Norwegen.
Es gibt nur eine Sorte Schokolade, die jedoch mittelmäßig ist, und auch pro hundert Gramm 18 Kronen kostet. Wenn man Glück hat, findet man in ausgewählten Läden auch Rittersport, aber nur Marzipan und Ganze Nuss. Den Preis für diese Schokolade möchte ich hier gar nicht erst verraten, um Herzinfarkten vorzubeugen.
Jule und ich fanden gestern eine Süßigkeitenstation. Voll mit Weingummi, Lakritz, Karamell UND: Schokoladenplätzchen. Egal, was man nimmt: hundert Gramm = 10 Kronen. Wir haben zugeschlagen und uns eine bunte Tüte gemischt.
Es stellte sich heraus, dass die Schokoladenplätzchen hervorragend gut waren.
Wir gingen also heute nochmal los und befriedigten den Appetit nach Schokolade.
700 Gramm
2 Mädchen
Eine Glückseligkeit



Zahl

Sonntag, 26. Juli 2009

Oben lichter, unten dichter...

Aaah Sonntag.
Was kann man an einem Sonntag denn so alles in Trondheim machen?
Zahl hat ja unsere Powerroute vorbereitet. Der Plan ist heute also die Festung zu erklimmen, leider ohne die Hilfe des sagenumwobenen Fahrradlifts, weil wir ja alle (noch) kein Fahrrad haben.
Aber vorher will Max in seine Superwohnung umziehen. Da sind wir natürlich hilfsbereit und beschließen beim Tragen mitzumachen. Zahl hat natürlich die glorreiche Idee zu Fuß zu gehen. Im Regen. Wenn man das ganze Gepäck auf vier Leute aufteilt, wird das schon nicht so schwer sein. Und wir armen Studenten müssen ja sparen.
Also ziehen sich die Menschen, die im Besitz von stylischen Myriaden von Euro teuren Regenjacken sind ebensolche über. (Schlechter ausgerüstete Menschen begnügen sich mit einer Kaizersjacke und durchlöcherten Chucks, vielleicht halten zwei Paar Socken ja ein bißchen Wasser ab...) Schnell mal den Umzug über die Bühne bringen und dann die Stadt erkunden. Auf geht´s.
Der Weg ist sehr interessant..., weil er nicht überlegt ist.
Es gibt eine Anzahl von spontanen Entscheidungen, die uns vorbei an Friedhöfen und Krankenhäusern direkt in das Trondheimer Industriegebiet führen. Da finden wir uns also nach einer einstündigen Wanderung im Regen auf einem Parkplatz neben Schienen wieder, die wir nicht überqueren können, weil sie eingezäunt sind. Der nette Mensch, in dessen Zimmer Max jetzt wohnen wird, hatte verraten, dass es über den Parkplatz einen Schleichweg gibt. Doch dabei muss es sich um eine Lüge gehandelt haben. Da ist kein Weg, wir schleppen uns weiter... Langsam bekommen auch alle Hunger und auf die Festung zu klettern haben wir auch keine Lust mehr, denn bei dem Regen hätte man da ja eh keine Aussicht.
Schließlich sind wir am Ziel. Der Weg war lang genug für die Jungs, um festzustellen, dass die schönen, blonden Frauen Norwegens Sonne sein müssen, dass Max sich einen Vollbart wachsen lassen will, weil das Haupthaar lichter wird und dass alte Norweger in fahrbaren Untersätzen uns lieber die Hacken abkacheln, als uns vielleicht ein Stückchen mitzunehmen.
Als Entschädigung kriegen wir in Maxens neuem Superhaus Essen. Hans kocht. Er zaubert aus teurem Wenig wunderbare Mais-Tomaten-Saucen-Spaghetti. Und während Max auspackt und wir unsere Füße an der Heizung wärmen, beschließen wir doch lieber einfach nach Hause zu gehen. Der Weg ist immerhin weit genug. Und unsere Schuhe werden auch nicht mehr trocken.
Aber warum hat Mitten in Trondheim ein einzelner Bunnpris an einem Sonntag auf? Dürfen die das? Einen riesigen Pilgerdom in der Stadt haben und dann aber den Sonntag nicht ehren? Was sind denn das für Verhältnisse?
Für uns gute, denn wir können uns nicht nur eine großartige Tüte Naschkram zusammenstellen, was hier billiger ist, als wenn man sich eine fertige Tüte mit Süßigkeiten drin kauft, sondern Vintersju kann sich auch mal hinsetzen und die Steine aus den durchlöcherten Chucks rausmachen.
Die Entscheidung steht definitiv fest. In Oslo müssen neue Schuhe her. Am besten welche, deren Sohle noch mit dem Rest des Schuhs verbunden ist. Ein bißchen Luxus muss sein.
Deswegen versteht auch keiner so richtig, warum Vintersju auf dem Domplatz, der komplett mit Kieselsteinen bedeckt ist plötzlich anfängt Donnerkeile zu suchen... Naja, vielleicht hat es ja reingeregnet.

Als wir wieder so um ein Stündchen wandern, geschieht es plötzlich! MENSCHEN! In Trondheim! Und sie pilgern alle in dieselbe Richtung! Ob es da was umsonst gibt?
Nein, leider nicht. Es handelt sich nur um ein Fußballspiel. Da meint man, dass das fussballverrückte Deutschland nun hinter einem läge und sieht sich hier fassungslos der gleichen Begeisterung gegenüber.
Und nicht nur von Männern, sondern von ganzen Familien. Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Mannschaft von Trondheim gar nicht so schlecht ist, sogar mal irgendwas mit der Champions League zu tun hatte...
Aber das wollen wir eigentlich gar nicht so genau wissen.
Wir wollen viel lieber endlich nach Hause kommen und uns einen Pudding kochen. Einen sehr guten Pudding. Den Zahl trotzdem noch mit Zucker verfeinern muss. Das tut Vintersju gar nicht gut. Wer sich noch an Amsterdam erinnert, ahnt, was passiert sein könnte. Zahl zumindest war belustigt. Und unsere nassen Sachen kommen in den Trockenschrank, der sich hier in der Küche versteckt und Wärme verbreitet. Ja, in Trondheim bekommt man noch richtig was geboten für seine Miete!
Jetzt müssen wir beten, dass das Wetter morgen besser wird. Denn wir wollen nach wie vor den Besichtigungsplan abarbeiten, auch wenn ab morgen für Zahl schon Einführungswoche ist. Vintersju wird sich einfach beobachtend an ihre Versen heften und Bericht erstatten.

Vintersju og Zahl.

Samstag, 25. Juli 2009



Wir haben heute Maestro-Kekse gekauft. Juhu!
Wir haben natürlich auch noch andere Dinge gekauft, die der Mensch so braucht, und weil Jule heute ihr Skambankt T-Shirt anhatte, haben wir richtig viel Rabatt bekommen.
Einen Meter vor der Kasse haben wir geschätzt und gewettet. Ich war für 400 NOK. Jule sagte: 330 NOK.
Als der junge Herr Kassierer alles übers Band zog und es immer mehr wurde, wollte ich meinen Wert korrigieren und wettete zähneknirschend auf 420 NOK.
Der Herr wollte 199 und nach kurzer Verblüffung (hatte er etwas vergessen, einzuscannen???) sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es an dem Skambankt-Shirt liegen musste!
Was für ein Glück!


Zahl

Eg har et spøkelse på min rygg...

Wie lange bin ich jetzt schon bei Zahl?
Seit Donnerstag Mitternacht ungefähr. Heute ist Samstagnachmittag. Das heisst es sind schon fast zwei ganze Tage ins Land gezogen, ohne dass ich ihre Mitbewohnerin zu Gesicht bekommen hätte!
Deswegen bin ich inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass dieses Mädchen gar nicht existiert!
Ja, da lag vielleicht heute morgen ein Zettel auf dem Küchentisch, auf dem sie Zahl etwas geantwortet hat, aber woher weiß ich denn, dass Zahl nicht einfach ihre Handschrift verstellt hat um mich in die Irre zu führen? HÄ?!
Und ich habe gesehen, wie sich eine Tür bewegte... Komischerweise geschah das aber in genau der gleichen Sekunde, in der Zahl hier unsere Zimmertür aufmachte! Das bedeutet, es könnte genauso gut eine Verbindung der Türen über Schnüre oder sowas gegeben haben, um mir Leben vorzugaukeln!
Immerhin saßen wir gestern drei Stunden lang zu viert in der Küche und haben gekocht, gegessen und abgewaschen ohne jegliches Lebenszeichen aus diesem Zimmer zu vernehmen... Zahl sagt, dass das Mädchen lernt, weil es Prüfungen hat und hier finden sich tatsächlich Zettel auf denen etwas über Management draufsteht, aber die kann man sicher auch irgendwo auftreiben.
Und wer sagt eigentlich, dass die Postkarte mit der Flagge von Uganda an der Tür auch wirklich die Flagge von Uganda ist?
Hä? Hä?
Ich glaube nicht daran, dass es dieses Mädchen gibt. Aber es hat noch einige Tage Zeit um mir zu beweisen, dass es mehr als ein Geist ist!

Picture yourself in a boat on the River