Sonntag, 26. Juli 2009

Oben lichter, unten dichter...

Aaah Sonntag.
Was kann man an einem Sonntag denn so alles in Trondheim machen?
Zahl hat ja unsere Powerroute vorbereitet. Der Plan ist heute also die Festung zu erklimmen, leider ohne die Hilfe des sagenumwobenen Fahrradlifts, weil wir ja alle (noch) kein Fahrrad haben.
Aber vorher will Max in seine Superwohnung umziehen. Da sind wir natürlich hilfsbereit und beschließen beim Tragen mitzumachen. Zahl hat natürlich die glorreiche Idee zu Fuß zu gehen. Im Regen. Wenn man das ganze Gepäck auf vier Leute aufteilt, wird das schon nicht so schwer sein. Und wir armen Studenten müssen ja sparen.
Also ziehen sich die Menschen, die im Besitz von stylischen Myriaden von Euro teuren Regenjacken sind ebensolche über. (Schlechter ausgerüstete Menschen begnügen sich mit einer Kaizersjacke und durchlöcherten Chucks, vielleicht halten zwei Paar Socken ja ein bißchen Wasser ab...) Schnell mal den Umzug über die Bühne bringen und dann die Stadt erkunden. Auf geht´s.
Der Weg ist sehr interessant..., weil er nicht überlegt ist.
Es gibt eine Anzahl von spontanen Entscheidungen, die uns vorbei an Friedhöfen und Krankenhäusern direkt in das Trondheimer Industriegebiet führen. Da finden wir uns also nach einer einstündigen Wanderung im Regen auf einem Parkplatz neben Schienen wieder, die wir nicht überqueren können, weil sie eingezäunt sind. Der nette Mensch, in dessen Zimmer Max jetzt wohnen wird, hatte verraten, dass es über den Parkplatz einen Schleichweg gibt. Doch dabei muss es sich um eine Lüge gehandelt haben. Da ist kein Weg, wir schleppen uns weiter... Langsam bekommen auch alle Hunger und auf die Festung zu klettern haben wir auch keine Lust mehr, denn bei dem Regen hätte man da ja eh keine Aussicht.
Schließlich sind wir am Ziel. Der Weg war lang genug für die Jungs, um festzustellen, dass die schönen, blonden Frauen Norwegens Sonne sein müssen, dass Max sich einen Vollbart wachsen lassen will, weil das Haupthaar lichter wird und dass alte Norweger in fahrbaren Untersätzen uns lieber die Hacken abkacheln, als uns vielleicht ein Stückchen mitzunehmen.
Als Entschädigung kriegen wir in Maxens neuem Superhaus Essen. Hans kocht. Er zaubert aus teurem Wenig wunderbare Mais-Tomaten-Saucen-Spaghetti. Und während Max auspackt und wir unsere Füße an der Heizung wärmen, beschließen wir doch lieber einfach nach Hause zu gehen. Der Weg ist immerhin weit genug. Und unsere Schuhe werden auch nicht mehr trocken.
Aber warum hat Mitten in Trondheim ein einzelner Bunnpris an einem Sonntag auf? Dürfen die das? Einen riesigen Pilgerdom in der Stadt haben und dann aber den Sonntag nicht ehren? Was sind denn das für Verhältnisse?
Für uns gute, denn wir können uns nicht nur eine großartige Tüte Naschkram zusammenstellen, was hier billiger ist, als wenn man sich eine fertige Tüte mit Süßigkeiten drin kauft, sondern Vintersju kann sich auch mal hinsetzen und die Steine aus den durchlöcherten Chucks rausmachen.
Die Entscheidung steht definitiv fest. In Oslo müssen neue Schuhe her. Am besten welche, deren Sohle noch mit dem Rest des Schuhs verbunden ist. Ein bißchen Luxus muss sein.
Deswegen versteht auch keiner so richtig, warum Vintersju auf dem Domplatz, der komplett mit Kieselsteinen bedeckt ist plötzlich anfängt Donnerkeile zu suchen... Naja, vielleicht hat es ja reingeregnet.

Als wir wieder so um ein Stündchen wandern, geschieht es plötzlich! MENSCHEN! In Trondheim! Und sie pilgern alle in dieselbe Richtung! Ob es da was umsonst gibt?
Nein, leider nicht. Es handelt sich nur um ein Fußballspiel. Da meint man, dass das fussballverrückte Deutschland nun hinter einem läge und sieht sich hier fassungslos der gleichen Begeisterung gegenüber.
Und nicht nur von Männern, sondern von ganzen Familien. Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Mannschaft von Trondheim gar nicht so schlecht ist, sogar mal irgendwas mit der Champions League zu tun hatte...
Aber das wollen wir eigentlich gar nicht so genau wissen.
Wir wollen viel lieber endlich nach Hause kommen und uns einen Pudding kochen. Einen sehr guten Pudding. Den Zahl trotzdem noch mit Zucker verfeinern muss. Das tut Vintersju gar nicht gut. Wer sich noch an Amsterdam erinnert, ahnt, was passiert sein könnte. Zahl zumindest war belustigt. Und unsere nassen Sachen kommen in den Trockenschrank, der sich hier in der Küche versteckt und Wärme verbreitet. Ja, in Trondheim bekommt man noch richtig was geboten für seine Miete!
Jetzt müssen wir beten, dass das Wetter morgen besser wird. Denn wir wollen nach wie vor den Besichtigungsplan abarbeiten, auch wenn ab morgen für Zahl schon Einführungswoche ist. Vintersju wird sich einfach beobachtend an ihre Versen heften und Bericht erstatten.

Vintersju og Zahl.

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