
Bevor es losgeht nur noch mal für die, die gerne unnützes Wissen haben, mit dem sie dann klugscheißen können (also an alle Neon-Leser): Der Erfinder der Büroklammer hieß Johan Våler. Und selbstverständlich gibt es auch ein Denkmal! Als Norweger errichtet man sowas offensichtlich ziemlich schnell, also muss ich mir einfach nur was Gutes einfallen lassen um auch eins zu bekommen. Ich werde kreativ.
Vielleicht löse ich einfach das marode-Möbel-Problem in Bjerke!
Neulich nämlich (war es gestern? Oder vorgestern?) saß Zahl hier ganz friedlich an meinem Schreibtisch und grübelte über die für uns schönste und passendste Gestaltung des Bloggs (ja, es ist schlicht und schwarz, also bestimmt eher überraschend!), während ich sie so vom Bett aus beobachtete. Plötzlich und ohne jede Vorwarnung gab es ein im gesamten 9. Stock vernehmbares Krachen und Zahl saß nicht mehr auf, sondern viel mehr im Stuhl, dem Boden unangenehm nahe... Was ich selbstverständlich festgehalten habe (NACHdem ich mich nach ihrem Befinden erkundigt habe versteht sich...) Jetzt hat sie merkwürdige Ausbeulungen am Rücken, aber der Stuhl ist schon repariert!
Aber zurück zum eigentlichen Tagesgeschehen... Wir hatten Tag der Wanderung. Gut, den hatten wir davor auch schon, aber da war es so heiß, dass man leider mehr wie ein großer pinker Kaugummi auf dem Bürgersteig dahingeschmolzen ist, als tatsächlich Spaß am Spazieren zu haben.
Das war diesmal anders! Zum Frühstück noch prophezeite ich Regen, harten Regen. Und ich sollte Recht behalten.
Zunächst aber zogen wir uns unsere Kleidchen an, wir wollten ja hübsch aussehen (abends im Mono dann) kauften uns ein Einzelticket, damit wir auch ja nicht in Versuchung kommen jedwede Verkehrsmittel zu benutzen (man kann sich denken, dass das Zahls Idee war und nicht meine)! Wir wollten nämlich noch einmal zurück in den Sofienpark, damit Zahl sich noch mal angucken kann, wo sie dann später wohnen wird... Die Nachbarschaft schien auch ganz in Ordnung zu sein. Nur eine Parallelstraße weiter tobt nämlich das Leben – das bedeutet in Oslo soviel wie, dass die Menschen in Cafés sitzen oder mit ihren Kindern im Park spielen. Idyllisch ist das hier in dieser unhauptstädtischsten Hauptstand, die ich je gesehen habe...
Einer von Arnes tausenden Empfehlungen folgend wollten wir dann dem Aker-Fluss folgen, weil es da so schön sein soll. Und zeitgleich mit unserem Erreichen des Flußes setzte dann auch der Regen ein. Doch um lange Schutz unter Brücken zu suchen, ist uns rastlosen Reisenden ja die Zeit zu schade, also machten wir uns auf in den zunehmenden Regen – und das mit unserem Ausgehkleidchen. Gut, dass wir nicht eitel sind.
Bisher hat Oslo sich durch einen beschämenden Mangel an Buchläden ausgezeichnet. Wenn es welche gibt, sind das eher so kleine Dinger mit 0815-Ramsch-Alleweltsliteratur, aber nichts zum bedächtig durchschreiten und schmökern. Allerdings hatten wir uns im Internetz die einzige positive Ausnahme ergoogelt: „Tronsmo“. Die Suche gestaltete sich etwas schwierig und auch der böse Faktor Zeit spielte eine Rolle, denn alles, was an Geschäften nicht um den Hafen angesiedelt ist, macht an einem Samstag schon um 16.00Uhr zu. Aber Dank Zahls second to none Navigationsfähigkeiten entdeckten wir auch den und hatten zwanzig Minuten zum Stöbern!
Die norwegische Verkäuferin war zunächst nicht so recht freundlich, als wir sie auf Englisch nach einem Buch fragten, dass wir suchten. Irgendwann blickte sie uns skeptisch an und sagte: „Men det er på norsk! (aber das ist auf Norwegisch)“ Woraufhin wir unsere Kenntnisse dieser Sprache offenbarten und sie sofort beinahe mütterlich wurde. Jetzt bestellt sie uns die Bücher und wir bekommen höchstwahrscheinlich sogar Rabatt. Ha!
Nachdem wir also schon zu Fuß den gesamten Nordenosten erkundet hatten, machten wir uns zum Hafen auf. Wir könnten uns ja nochmal das Rathaus aus der Nähe angucken. Das hätten wir wohl auch lassen können, das Ding ist eher unspektakulär, ich möchte das Wort hässlich nicht verwenden, auch wenn das wohl am zutreffendsten wäre. Auf dem Weg dahin fanden wir jedoch ebenfalls das wunderschöne Theatercafeen... Da mussten wir einfach mal reingucken. Und ich bin da auf´s Klo gegangen! Wohl die schönsten Toilettenräume, die ich jemals gesehen habe. Vielleicht kriege ich auch dafür mal ein Denkmal – an den vielfältigsten Orten auf´s Klo zu gehen. Das Denkmal stelle ich mir sehr schön vor: Eine goldene Kloschüssel, auf der ich mit verträumt zufriedenem Gesichtsausdruck sitze und neben mir steht Zahl, mit vor Zorn pochender Ader auf der Stirn. Ein Abbild der Realtität. Und man könnte super Touristenfotos machen, vielleicht passt das ja noch in den Sofienpark...
Ähm, mal zurück zum Wesentlichen lieber. Pünktlich um 18 Uhr (eigentlich kurz danach, wir sind ja cool), standen wir also vor´m Mono. Ob sie uns reinlassen? Wir dürfen nicht schüchtern aussehen! Da müssen wir jetzt rein, als würde das Ding uns gehören! Und schwupps. Wir waren drin. Mit perfektem Timing, denn der umsonst spielende Lasse Passage hatte schon alles aufgebaut und fing gerade mit seiner Band an zu spielen. Also packte Zahl ihre Tendenz zur Möbelpackerei wieder aus und holte uns zwei Barhocker, während ich eine Royal Cola orderte (ja, nur eine, man muss auch mal ans Geld denken.).
Aber als der Gute fertig war, war es leider erst gegen sieben. Was macht man denn mit dem angebrochenen Abend? Ins Kino gehen vielleicht? Okay... Was kommt denn? Harry Potter. Gut, ich hab zwar den fünften Teil weder gelesen noch gesehen und das jetzt ist ja der sechste, aber Zahl fasst den ganz wunderbar zusammen, während wir zur zeitlichen Überbrückung im Königsgarten lustwandeln. Dann mussten wir uns aber beeilen um noch pünktlich zurückzukommen, da der Weg schon mal 20 Minuten dauert (inzwischen brauchen wir den Stadtplan schon nicht mehr).
Wir sind zwar pünktlich wieder da, aber Harry Potter ist leider ausverkauft. Doch das ist ja nicht das einzige Kino in Oslo. Also zurück quer durch die Innenstadt, zum Hafen. Doch da kommt Harry Potter gar nicht und in einem noch anderen Kino ist er auch wieder ausverkauft. Also laufen wir zurück zum Ausgangspunktskino. Und gucken Brüno.
Ja, das lief alles nicht so wie geplant. Dafür sind wir viel gelaufen.
Nach dem Film lassen wir den Abend dann noch im Mono ausklingen. Mein neuer Lieblingsplatz. Lässig sind wir an den Türstehern vorbei. Alles überhaupt kein Ding. Wir sehen nämlich aus wie 22. Keine Altersgrenze kann uns stoppen!
Tatsächlich sind wir aber soviel gelaufen, dass meine Socken den Tag nicht überlebt haben... Gut, dass ich ungefähr 50 Paar mitgenommen habe, da fällt so ein geringer Verlust nicht auf!
Vintersju.
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