Irgendwann rumpelt dann Arne auch aus seinem Zimmer. Während ich so rum liege, versuche ich an seinen Geräuschen herauszufinden, was der gute Besitzer eines 5m Durchmesser habenden LCD-Fernsehers so treibt am frühen Morgen – diese Mission scheitert.
Dann ist Arne weg. Und ich will duschen! Oh ja!
Nach so einer Dusche fühlt man sich schon mal, wie ein ganz neuer Mensch! Und ich kann sogar noch weiter schlafen… Heut steht der große Umzug bevor.
Nach meiner ersten Visa-Card Benutzung in Norge haben wir auch Geld für Frühstück und ab geht´s zum Campus. Wir sind solche Füchse, dass das mit der T-Bahn (T steht in Norwegen für U, wenn ich die Gründe weiß, liefere ich sie nach…) kein Problem ist. Die Stadt gehört uns. Wir sind Oslo. So Oslo, dass wir inzwischen sogar bei rot über die Ampel gehen. Arne meinte nämlich, dass das hier quasi von den Bürgern erwartet wird und tatsächlich zeigen die Autofahrer einen enormen Respekt vor Fußgängern. Ich würde als Autofahrer in Oslo wahrscheinlich an einer durch Zorn ausgelösten Gehirnblutung dahinscheiden, aber vom Fußgängerstandpunkt aus, den man ja als armer Student inne hat, ist das fantastisk!
Wir sind also beim Campus. Äh. Sind wir beim Campus? Oder sind wir zu weit gefahren und haben die Stadt verlassen? Das sieht aus wie ein Dorf hier?! Und irgendein Spaßvogel hat die Straßenschilder so verdreht, dass ich natürlich den falschen Weg vorschlage, wir landen also im Apalveien (der von bestimmt selbigem Spaßvogel zum Analveien umgesprayt wurde.)
Aber irgendwann erklimmen wir einen Hügel, von dem man Oslo wunderbar überschauen kann und siehe da: Das chemische Institut! Und die Physik! Das sieht ja schön aus (wie sich die Naturwissenschaftler das wohl verdient haben?!) Und dann durchqueren wir das Gebäude und kommen auf der anderen Seite auf einem CAMPUS heraus. Also einem richtigen Campus. So wie man sich das immer in seinen kühnsten Träumen vorgestellt hat und schon dachte, dass man sowas nie wieder erleben würde, nachdem man einen Innenhof mit Baustelle und Leibniz in der Mitte in Leipzig bekommen hat. Es ist grün. Es ist neu. Es ist alt. Es ist wässrig. Es ist SCHÖN! Zahl schimpft mit mir, weil ich hier am liebsten mit einem dieser kleinen Golfwägelchen rumkacheln würde…
Und der Mensch, der mir meinen Schlüssel geben soll, macht gar keine Probleme… Er sagt nur „Sure!“ und fragt, wie man meinen Namen schreibt… Äh ja… Und zehn Minuten später stolpere ich (fiese Stufe, bin ich zu deutsch, wenn ich mir einen Warnhinweis wünsche?) auch schon wieder aus dem Gebäude raus.
Wir fahren also zurück zu Arne und holen erst mein Gepäck, dann Zahls. Das ist eine Odyssee für sich, die keinerlei Ausführung verdient, weil sie mit viel zu viel harter und verdrängungswürdiger Arbeit verbunden ist… Viel wichtiger ist da schon der Weineinkauf als Dank für Arne! Denn obwohl Alkohol hier erst an Leute ab 25 verkauft wird, bekommen wir welchen. Höchstwahrscheinlich sehen wir durch die lange Anreise alt und verlebt aus. Da hat Arne ziemliches Glück gehabt.
Bjerke also.
Gut, das Stadtzentrum ist woanders, doch sowas bin ich ja gewohnt. Aber wir wollen ja erstmal rein, was schwieriger ist, als man sich das vorstellt… das werde ich Besuchern aber vor Ort demonstrieren, ein bisschen Spannung muss ja bleiben. Dann geht es mit dem Fahrstuhl hoch in den 9. Stock. Beim Öffnen meines Türchens (ein bisschen wie ein überdimensionaler Weihnachtskalender) offenbart sich als erstes der Anblick von Schuhen. Männerschuhen. Mist. Da wohnt also schon jemand. Naja gut, was soll´s. Ich will ja sozialer werden. Und dann schließt Zahl die Zimmertür auf. Das Zimmer ist groß und ziemlich leer… aber bei einem Ausblick wie dem meinen hier ist das leider sowas von nebensächlich! Man sieht direkt auf Oslo herunter! In den Fjord! Mit Schären, Hafen, Häusern, Grün, allem! Unglaublich!
Und schließlich haben wir dann doch noch Augen für das Zimmer… Ich weiß noch, dass ich sowas zu Zahl sagte, wie „Hm… die Möbel sehen ja auch eher … leicht aus.“ Als Antwort bekam ich keine Worte, sondern eine sofortige Umräumung. Schwupps. Jedes Möbelstück (und das sind immerhin fünf!) hat seinen Platz gewechselt. Viel wohnlicher gleich. Danke, Zahl.
Dann müssen wir natürlich sofort rein in die Stadt! Wir haben ja auch noch unser Tagesticket. Was wollen wir denn? Was essen! Also erstmal nach Grönland. So mag ich das: Kaum einen Tag hier und schon wissen wir, wo es das günstigste Essen gibt. Die Grundbedürfnisse sind abgedeckt. Jetzt wollen wir was sehen. Wir finden: Schuhe (um Gottes Willen, wie schäme ich mich das zuzugeben, es klingt, als wären wir wandelnde Frauenklischees). Aber die Läden haben ja schon zu… denn es ist spät, was man ja immer wieder vergisst, weil es so hell ist!
Wir gehen die Karl Johans Gate entlang („die Hauptstraße Norwegens!“, wenn man Arne glauben möchte) und Zahl macht Fotos bis Finger und Abzug glühen. Leider schmeißen uns die Wachen aus dem Schlosspark raus. Also gehen wir zum Hafen, zu Aker Brygge (Zahl, wir müssen immer noch mal rausfinden, was Aker denn jetzt ist!).
Wasser! Mehr muss man eigentlich gar nicht sagen! Es ist so schön. Sicherlich unglaublich teuer, aber wir wollen ja nur am Steg sitzen und den Menschen und dem Wasser und den Booten zugucken. Und uns einen McFlurry gönnen, was meiner Meinung nach der Romantik des zuvor angeführten Bildes keinen Abbruch tut. Hier tanzen die Menschen einfach so auf Booten herum und gucken Straßenkünstlern zu. Überhaupt ist hier irgendwie überall Musik. Das mag ich.
Und obwohl die Menschen hier nach 19 Uhr weder unser Norwegisch, noch unser Englisch verstehen, muss Zahl ohne neue Batterien mit in den Vigelandpark. Die Bahnen nehmen es hier nicht so genau mit den Zeitangaben… Aus drei Minuten wird spontan eine sofort kommende Bahn, während noch sechs Minuten manchmal auch fast zwanzig dauern können. Aber je später, desto besser, denn desto weniger Touristen. (Wir fahren an der Inkognitogate vorbei… da würd ich wohnen wollen, so eine Adresse macht was her!)
In dem Park ist wieder Wasser, das ist hier überall, da muss das ja eine gute Stadt sein. Und mir gefallen die Figuren sehr! Ich stell mir schon vor, was Änne wohl sagen wird und wie Palme mit seiner Posersonnenbrille dasteht und alles als „oll“ bezeichnet! Das wird großartig!
Wir machen herrliche Fotos (wenn ich das schreibe, meine ich natürlich Zahl) vor allem von uns, aber auch von den Figuren, den Möwen und interessanten Menschen…
Dann wird es aber auch Zeit für den Heimweg. An der Brugata müssen wir noch einmal umsteigen. Da fällt mir wieder ein, das Arne gesagt hat, dass man nachts hier nicht unbedingt alleine sein sollte. Ich denke, ich werde mich an seinen Rat halten.
Nachts im Wohnheim lernen wir dann noch meinen Zimmernachbarn kennen, der zuvor schon durch Zahls Abflusshaaranalyse als blond identifiziert wurde. Jakob (oder Joakim, wir sind uns nicht so sicher…) ist Schwede, ein bisschen schmierig vielleicht, aber sehr nett und nur noch bis August da.
Im Übrigen werde ich jetzt noch ein Geheimnis verraten: Zahl ist ein freak of nature. Das Mädchen ist doch tatsächlich an unserem Ankunftstag hier morgens um sechs bei Palme auf dem Klo gewesen und dann erst wieder gegen 23:30 Uhr bei Øyvind.
Utrolig.
Vintersju.
ah, ihr seid genial!
AntwortenLöschenfüchse nahezu!
aber warum will uns der gute arne die prekistolen-action ausreden?
Vielleicht ist ihm das zuviel Rumgereise! Er hat Zahl was direkt bei Trondheim empfohlen... Aber nicht mit uns!!!
AntwortenLöschennee, wir rocken den prekestolen!
AntwortenLöschenwenn schon denn schon!