Kein großer Unterschied zu Trondheim bei Nacht. Wenn wir schon gedacht haben, dass es in Oslo nicht wirklich dunkel wird, war das noch kein Vergleich zu Trondheim.
In Oslo dauert es einfach eine Weile bis es dunkel wird. In Trondheim wird es nicht dunkel.
Geweckt werde ich von einem komischen lauten Auto, das unter dem Fenster lang fährt. Ich sehe es nicht, weil ich eine Weile brauche um wach zu werden. Meine Augen wollen da nicht so ganz mitmachen. Als sie sich dann doch endlich zum Öffnen bequemen, sitzt Zahl bereits am Schreibtisch und bloggt ganz artig.
Wir frühstücken in Ruhe und sehen einen norwegischen Film, mit dessen Hilfe wir unser Flucharsenal noch aufwerten können!
„Faen!“
„Hva faen er det?“
„Til Helvete!“
„Fy Faen!“ und „For Faen!“
”Fitte!”
”Jævel!”
„Dritt…“
”Æsj!”
Dies sind nur ein paar Kostproben unseres Könnens, die besser nicht übersetzt werden, weil sie teilweise wirklich böse sind…
Heute kommt Hans an, der zusammen mit Zahl das Praktikum macht. Er hat sie gebeten, sie vom Bahnhof abzuholen. Diese Bitte erscheint mir recht plausibel, denn Hans wirkte bereits in unserem Norwegisch-Kurs in Leipzig nie besonders koordiniert!
Wir machen uns also auf in die Stadt. Zu Fuß. Ich bin ja jetzt wieder bei Zahl. Da bewältigt man die Dinge eben zu Fuß. Außerdem sind hier die Bustickets wirklich teurer, als in Oslo, wie eigentlich alles andere auch.
Wo hat Oslo also seinen Ruf als eine der teuersten Städte der Welt her? Haben die Trondheim in ihrer Liste vergessen? Vielleicht, weil es zu klein und zu nördlich ist… Wobei der Norden doch erst noch weit über Trondheim losgeht…
Meine Beine fangen schon an zu kreischen, wenn Zahl nur in ihre Nähe kommt. Aber eine Stadt lässt sich zu Fuß dann eben doch am besten erkunden. Deswegen ignoriere ich das Unbehagen meiner Glieder und wir marschieren los – den schönen Weg entlang, „through the woods“. Wir gehen über die für Trondheim bekannte rote Brücke und zur Platekompaniet, die es Gott sei Dank auch hier gibt. Ich ärgere mich ein bisschen darüber, dass es alle Skambankt-Alben gibt. Sie stehen nebeneinander und kosten nur 90 Kronen. Ich hab für jedes einzelne mehr bezahlt. Aber Hauptsache, es gibt sie überhaupt. Generell ist diese Platekompaniet viel größer, als die in Oslo.
Was sind das nur für verschobene Verhältnisse…
Wir setzen uns an den Bahnhof und warten auf den Bus, der Hans vom Flughafen in die Stadt bringen soll. Das dauert eine Weile, aber dann ist er auf einmal da. Zusammen mit Max. Was macht der denn hier? Mit dem Max hatten wir auch Norwegisch in Leipzig, der ist auch eine Erasme, aber für Medizin. Und hat sich seinen ersten Kontakt mit einem Norweger gehörig verscherzt, weil er mit schwedischen Kronen bezahlen wollte! Frevel!
Wir fahren mit den Jungs und ihren Tonnen von Gepäck (warum haben die so viel Zeug? Haben wir was übersehen bei den Flugregelungen?) ins Studentendorf Moholt. Max bekommt ohne weiteres seinen Schlüssel. Hans jedoch nicht. Da ist irgendwas schiefgelaufen. Überhaupt können sie sich freuen, dass sich da noch jemand um sie kümmert, immerhin ist es inzwischen früher Freitagabend und hier sollte seit 15 Uhr niemand mehr arbeiten.
Hans soll erstmal später wiederkommen.
Die Jungs stellen ihr Zeug bei Max unter und kommen mit in Zahls Wohnung, wo wir erstmal ein paar Kjöttboller kochen und die zwei sich weiter darüber ärgern, dass sie gerade 20 Euro für ein Sixpack Bier ausgegeben haben…
Sie sind ziemlich müde und total fertig, wollen aber trotzdem noch einmal mit uns in die Stadt gehen.
Wir futtern einen halben Liter Ben & Jerry´s, weil wir uns einbilden, dass es billig ist (manchmal muss man sich was gönnen) und rupfen uns zwei riesige Pstereoplakate ab (was nur ein gering krimineller Akt ist, weil die Straßen hier wirklich damit zugepflastert sind. Action in Trondheim!).
Nach weiterem Geschlender an einigen eher merkwürdigen Clubs vorbei, erreichen wir auch durch das Überqueren einer futuristischen Brücke unser Ziel – das Blæst, Trondheims Mono.
Die Musik ist gut, die Leute sehen sympathisch aus, das Interieur ist gemütlich und athmosphärisch, doch es ist relativ leer für Freitag gegen Mitternacht. Wir trinken auch hier zwei Tee, die ebenfalls teurer sind, als in Oslo und beobachten die Menschen.
Selbstverständlich beschließe ich auch hier auf´s Klo zu gehen und stoße mal wieder auf Unisex-Toiletten. Um Gottes Willen, was das nur immer soll…?
An dieser Stelle muss ich übrigens unbedingt erwähnen, dass ich Zahl besiegt habe! Muwahahaha! Sie musste an diesem glorreichen Tag gleich zweimal früher auf´s Klo, als ich! Triumph! (man sollte erwähnen, dass sie jedoch vorher einen halben Liter Cidre zu sich nahm, was die Kriterien einschränkt)
Weil wir nicht wissen, wie die Busse zurückfahren, machen wir uns dann aber doch lieber irgendwann wieder auf den Heimweg. Ziemlich unbegründet eigentlich, da wir unterwegs dann doch beschließen das Geld zu sparen und den Berg zu Fuß zu erklimmen (ich fürchte, dass sich das heute rächen wird). Nach einer kurzen Pause vor dem nächtlichen, menschenleeren Dom begegnet uns kurz vor Moholt noch ein merkwürdiges Tier – halb Katze, halb Marder, vielleicht Waschbär? Unsere Fotos sind leider nicht all zu aussagekräftig, aber vielleicht sieht Marlene das als Herausforderung!
Mal sehen, was wir heute so finden. Zahl verspricht mir gerade unter ihrer Bettdecke hervor Kanonen! Und vielleicht gehen wir ja doch noch zur Edderkopp-Ausstellung… und wer uns sagen kann, worum es sich bei einem Edderkopp handelt ohne die einschlägigen Online-Wörterbücher zu verwenden, der kriegt auch eine kleine Belohnung… Es geht nicht um Richtigkeit, sondern um kreative Interpretationen!
Vintersju.
ih was wollt ihr denn in einer spinnenausstellung
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