Donnerstag, 10. Dezember 2009

Sometimes I remember, sometimes I forget just where I am going and where I´ve been at...

Es ist Samstagmorgen, der 12. Dezember und die Wolkendecke über Oslo hat sich verzogen. Ganz ähnlich geht es der konstanten Angespanntheit, die mich die letzten Tage über befallen hatte. Ich war immer unruhig. Auch wenn ich mich eigentlich hätte ein bißchen entspannen sollen... Aber seit gestern ist der schlimme Teil des Semesters, will sagen die Prüfungen (so gut wie) vorbei. Ich habe zwar am Montag nochmal meine abschließende vier Stunden lange Norwegisch-Prüfung, aber in die gehe ich ganz entspannt, nachdem ich die mündliche nun hinter mir habe.
Die letzten Tage und auch Wochen habe ich damit zugebracht, kluge Sachen für meine Hausarbeiten in den Laptop zu tippen und meinen Kopf zum Ausgleich mit anderen klugen Sachen zu befüllen... Am Sonntag- und auch Montagabend gab es dann eine kurze, sehr willkommene Abwechslung, aber die soll später ihren ganz eigenen Eintrag erhalten...
Auf jeden Fall musste ich am Dienstag zu meiner ersten mündlichen Prüfung antreten. Norwegische Weltliteratur. Ich hatte alle Bücher gelesen und auch alle Sekundärliteratur und bin meine Notizen unzählige Male durchgegangen, nur um mir ein bißchen Sicherheit zu verschaffen, aber so lange eine Prüfung mündlich ist, krieg ich diese Sicherheit vorher nie... Während ich also wie ein aufgescheuchtes Huhn im Gang vor der Tür warte und mir einen Aushang für ein vermisstes, altes, pinkes und selbst mit Strass-Steinen beklebtes Handy durchlese und hoffe, dass der Dieb oder Finder das Ding längst zerstört hat, steht auf einmal Oyvind neben mir. Wir unterhalten uns kurz und er verlässt mich mit den Worten, dass ich bestimmt kein Glück brauche, weil er der Meinung ist, ich schaffe das auch so.
Hm... Diese Worte aus seinem Munde wirken tatsächlich motivierend und letztendlich sind die beiden prüfenden Damen auch wirklich sehr nett und die Zeit vergeht schnell, obwohl ich so ziemlich die beschissensten Texte kriege, die ich hätte bekommen können. Aber was soll´s. Solange ich antworten kann, ist alles gut.
Am Mittwoch versuche ich dann wie eine verrückte mich auf die mündliche Norwegisch-Prüfung bei Oyvind vorzubereiten. Hier kann mich nichts und niemand beruhigen und ich merke, dass ich anstrengend bin, das aber nicht abstellen kann.
Nach einer Nacht schlechten Schlafes geht es auf zur Prüfung, wo ich Kaja treffe, die vor mir dran war und bei der alles super gelaufen ist. Na großartig. Ich freue mich für sie, ungemein sogar! Aber vielleicht hätte sie Oyvind und den Zensor auch einfach ein bißchen weniger beeindrucken können!? Zu spät. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Die Tür öffnet sich, Oyvind streckt seinen Kopf heraus und meint mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht "JUL!" Ja... ich bin ja schon da. Aus den geplanten 20 Minuten werden 30 Minuten in denen sowohl über den europäischen Sprachbund wie auch die Sami diskutiert wird.
Als ich den Raum verlasse, habe ich ein denkbar beschissenes Gefühl, denn während des Gespräches dachte ich mir die ganze Zeit, dass ich einfach viel zu viele Fehler mache... So goes it not! Und vor dem Raum sitzen Maryna, Iryna, Michael und Hamdi und gucken mich mit erwartungsvollen Augen an! Auch Ira kommt und alle wollen wissen wie es war. Wie auch immer es war, offensichtlich kann ich mich einfach selbst nicht einschätzen, ich bin unzufrieden mit meiner Leistung und mache mich auf um zu Hause das Bad zu putzen. Das beruhigt. Und so sauber wie jetzt war es höchstwahrscheinlich noch nie!
Nach einer Nacht noch beschisseneren Schlafes bin ich dann gestern zur Uni gefahren um die Ergebnisse abzuholen. Alle Listen hingen auch schon aus. Nur die von unserem Kurs nicht... Also bin ich erstmal in die Bibliothek gegangen und habe "Doppler" von Erlend Loe weitergelesen, die wunderbare Geschichte von einem Mann, der die Menschen einfach nicht mag, Milch aber schon, und deswegen in den Wald vor Oslo hinauszieht. Nach einer halben Stunde musste ich dann aber einfach erneut nachschauen gehen und traf auf Oksana und Saskia, die auch beide sehr ungeduldig warteten... Irgendwann kam dann Kate, bei der wir neulich mal Vertretung hatten mit einer Liste und verriet uns unsere Ergebnisse. Nun erleichtert und mehr als zufrieden, ging ich zurück in die Bibliothek um in Ruhe "Doppler" zu Ende zu lesen und endlich mein Gefühl der inneren Ruhe zurückzubekommen!
Ich habe an diesem Tag auch nichts weiter gemacht, als mir eine Liste anzulegen. Aber diesmal ist es keine Liste, die mich an böse Behördengänge erinnert, denn ich habe mir alle Unterschriften besorgt und auch eine Bachelorarbeit erfolgreich beantragt. Diesmal ist eine Liste, auf der all die Dinge stehen, die ich in meinen letzten Tagen hier noch machen und sehen möchte! Das halbe Jahr neigt sich dem Ende...

Vintersju.

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