Sonntag, 16. August 2009

Når alt eg vil, er å ha tilbake den sommaren som er forbi...

Es ist Samstag in Norwegens strahlender Hauptstadt und nichts passiert. Viele Sommertage werden wir hier wohl nicht mehr verleben.
Ich verbleibe in Bjerke. Zunächst.
Denn ich habe für den Nachmittag und den Abend Pläne. Endlich muss ich mir das Paar neue, heile Schuhe kaufen, von dem an meinen Füßen meine Mutter schon seit Pfingsten träumt. Doch kurz bevor ich mich in die Stadt aufmache, beginnt es schrecklich zu regnen. Zuerst sieht es nur nach Niesel aus, aber schnell merke ich, dass da draußen die Welt untergeht. Ich verschiebe also die Shoppingpläne. Das einzige, dass ich heute geplant habe, bleibt somit beim Øya-Festival vorbeizugehen und mir Beirut anzusehen. Nein, nicht die Hauptstadt des Libanons, in der es zur Zeit garantiert nicht regnet, sondern die Band.
Um kurz vor 7 stehe ich am Bahnhof vor dem Tiger. Der Regen hat nicht nur die Wärme aus meinen Füßen, sondern auch die Junkies rund um den Bahnhof vertrieben. Der Platz ist so leer, wie ich ihn noch nie gesehen habe und selbst die Indianer spielen nicht zum Tanz auf.
In meiner beigen Regenjacke bin ich leicht zu finden. Gerade weil ich ziemlich lächerlich darin aussehe. Selbst die Leute, die mich nicht länger als eine Woche kennen, finden, dass das irgendwie merkwürdig ist. Wir sind zu fünft. Ann-Kristin ist da, obwohl sie die Band nicht kennt und Andi hat Besuch von seiner besten Freundin und bringt noch einen weiteren ziemlich coolen Juristen namens Johannes mit. Zunächst versuchen wir noch zusätzliche Regenschirme aufzutreiben, aber weil alle entweder häßlich oder teuer oder häßlich und teuer sind, verzichten wir und machen uns auf zum Festivalgelände.
Es liegt neben dem Hafen und beherbergt vier Bühnen. Während wir nasser und nasser werdend an einer von diesen vorbeiziehen, werden wir von schrecklicher, elektronischer Musik beschallt. Die Leute springen wie die Irren in ihren Gummistiefeln zum stampfenden Takt auf und ab, während wir uns eine Autobahnauffahrt hinaufkämpfen um einen guten Blick auf die Hauptbühne zu haben. Als wir ankommen, spielen Beirut bereits. Sie müssen gerade angefangen haben.
Meine "Regenjacke" hält dem Regen nicht mehr stand, meine Füße sind eiskalt und ich habe Hunger. Trotzdem ist es wundervoll. Alles passt perfekt zur Stimmung der Musik, nicht einmal der Regen stört...

http://www.youtube.com/watch?v=vFUJ7rBWXvo

Zach Condon, der Sänger und Verantwortliche für die großartige Musik schleicht nach den Liedern ein ums andere Mal ans Mikrofon um schüchterne Ansagen Richtung Publikum zu hauchen, die von den Massen herzlich aufgenommen werden, bei uns aber leider nicht ankommen. Aber auch das ist nicht wichtig. Ich genieße die Musik. Und die Stimmung.




Ein verstohlener Blick über die Stadt versichert mir, dass ich mich hier wirklich wohl fühle. Auch wenn ich vielleicht doch hätte Schuhe kaufen sollen.
Viel zu schnell geht die Musik vorbei. Wir haben keine Lust eine weitere Stunde lang im Regen zu stehen um dann Röyksopp zu sehen. Die werde ich ja sowieso zusammen am Freitag mit Zahl und Marlene hören können. Von nahem. Und vielleicht auch ohne Regen. Obwohl ich mich darauf bei Trondheim nicht verlassen werde...
Es ist halb zehn und wir sind unternehmungslustig, aber noch viel mehr durchnässt. Schnell beschließen wir einen Filmabend. Jeder trägt etwas bei. Ich meinen Laptop, Andi seine Boxen, Johannes den Film und Ann-Kristin die Küche.
Bis ich da bin dauert es zwar eine Weile, denn wir treffen uns alle erst, nachdem wir in trockene Sachen geschlüpft sind. Und so fahre ich in meiner Sommerhose und meinen Winterschuhen durch die Stadt.
Wir schauen einen sehr guten Mafiafilm, Eastern Promises und gehen dann wegen großer Müdigkeit alle Richtung Bett. Da keine Bahn mehr kommt, mit der ich nach Hause fahren könnte, darf ich netter Weise bei Ann-Kristin schlafen. Gegen vier liege ich auf ihrem Boden und friere. Ich schlafe schlecht und wenig.
Höchstwahrscheinlich kann ich mich nicht besonders gut auf die Führung durch die Nationalgallerie konzentrieren, zu der wir gerade noch pünktlich kommen.
Eine großartige ältere Dame erzählt uns spannende Sachen über den Schrei, Madonna und noch viele andere Gemälde von norwegischen Malern, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe...
Es gibt insgesamt fünf Versionen des Schreis. Zwei sind in der Nationalgallerie, man kann aber nur eine sehen, weil die andere auf der Rückseite der aushängenden ist. Eine befindet sich in Privatbesitz und die verbleibenden zwei kann man sich im Munch Museum anschauen. Gestohlen wurde übrigens nicht nur eine dieser Versionen, sondern diverse... Das Bild drückt die nackte Angst Munchs aus, die ihn bei einem Spaziergang im Angesicht der Natur plötzlich überkam.
Der Hang zum Wahnsinn ist in seinen Bildern deutlich zu spüren.


Die Ausstellung über moderne Kunst, die ich im Anschluss mit Ann-Kristin, Gerda und Kevin, einem Franzosen, unter 3D-Bebrillung besuche, ist ein Kontrast, wie er stärker nicht sein könnte! Alles ist bunt und abstrackt. Nach einer Weile wird mir sogar ein bißchen schlecht. Vielleicht liegt das aber auch an dem Schlafmangel.
Ich mache mich auf den Heimweg und werde nichts weiter tun, als mich in mein Bettchen zu verkriechen. Morgen ist immerhin der erste Tag mit richtigem Uni-Betrieb. Von 14.00 bis etwa 21.00 Uhr werde ich beschäftigt sein.
Und doch klopft der Alltag noch nicht an, denn am Dienstag schon wird Marlene hier sein! Und am Donnerstag fahren wir zu Zahl! Was könnte es besseres geben...?

Vintersju.

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