Mittwoch, 5. August 2009

Sett, Sokk & Rock´N´Roll...

Ich mache gerne aus kleinen Dingen große Abenteuer!
Das kann zugegebenermaßen manchmal anstrengend und nervig sein, aber heute hat Oslo alles dazu beigetragen um Spannung aufzubauen!
Wie bereits angekündigt, habe ich heute nämlich Wäsche gewaschen. Das kann man hier nicht einfach so, nein, da gibt es eine geheime Wäschekarte, die nur an die vertrauenswürdigsten Bewohner ausgeteilt wird (fragt mal Zahl, die hat noch keine ;P)...
Diese Karte – schlicht grau, mit einem Chip und einem Fingerabdruck – wird, mir ist schleierhaft wie, per Internet mit Geld beladen! Dafür benötigt man noch viel geheimere IDs und Passwörter... Aber wenn das Geld dann drauf ist, darf man mit dem Fahrstuhl in den Keller hinabfahren. Da sind immer die besten Sachen (siehe IT Crowd und Akte X). Von letzterer Serie habe ich dann wohl doch ein bißchen zu viel gesehen, denn meine Phantasie sprudelt beim Anblick der Kellerkatakomben förmlich über! (Und nein, bei dem Bild handelt es sich nicht um ein schwarz/weiß Foto, das sind die motivierenden Originalfarben...)
Okay... ich schiebe also die geheimnisvolle Karte in den Karteneinleseschlitz und ein Lämpchen blinkt auf, dann ein Surren und ich erhalte Einlass! Was könnte sich alles hinter dieser Tür verbergen? Ein Labyrinth aus Gängen? Ein Aliensezierlabor? Der Friedhof der Kuscheltiere?
Waschmaschinen. Naja, darauf war ich ja ursprünglich eingestellt, aber meine Phantasie ist schon ein ganz klein bißchen enttäuscht. Ich suche mir also eines der interessanten Geräte aus.
Wäsche rein.
Waschpulver rein.
Karte zum Bezahlen rein.
Programm rein. Ähm... Programm? Welches denn nur? Ausgerechnet jetzt hab ich das Wörterbuch oben im Zimmer gelassen... Scheisse. Okay, ich rate. Ich nehme einfach mal... „Lettstelt“, ja, das klingt doch gut. Ein bißchen beunruhigt, dass ich gerade sämtliche meiner Lieblingsklamotten bei 1000°C wasche und die dann von meinen Kindern getragen werden können, recherchiere ich das Wort sofort bei der Rückkehr in mein Zimmer. Puuuh. Lettstelt bedeutet „Pflegeleicht“. Genau das wollte ich doch. Hervorragend. Es läuft.
Und dann setze ich mich doch tatsächlich hin und analysiere alle restlichen Sätze für meine Hausarbeit. Somit ist die Vorarbeit getan und ich muss nur noch einen vernünftigen Text zu stande bringen. Später heute. Oder morgen...
Beim Entnehmen der Wäsche treten auch keinerlei böse Überraschungen auf. Großartig. Jetzt habe ich also einen Berg Wäsche, nasse Wäsche. Und keinen Wäschetrockner. Aber ich wäre kein echtes DDR-Kind, wenn mich die Not nicht erfinderisch machen würde. So finde ich beispielsweise in meiner Hälfte des Schrankes einen alten Lampenschirm, den ich flugs in meine neue Sockentrockenspinne, also den Sokk-Tørke-Edderkopp, verwandele. Tada!
Nebenbei muss ich anmerken, dass ich auch immer und immer wieder, mit den besten Absichten jemanden zu fragen, in der Küche war, doch niemand kam... Deswegen habe ich heute den Backofen benutzt. Das krieg ich hin. Bei der Untersuchung der Kühlschränke fiel mir zu dem noch auf, dass Toms Fach bis auf einen Pfirsich ganz leer ist. Und wenn ich jemanden fragen wollen würde, dann ihn...
Aber der Tag war bisher so hausarbeitsangereichert und voller Erfolge, dass ich mich noch ein bißchen belohnen muss.
Ich fahre also runter in die Stadt. Zunächst schlendere ich ein bißchen durch die Straßen, am Mono vorbei, wie immer... und dort kaufe ich im nächsten Seven Eleven (oder war es Narvesen?) die Tickets für das Skambankt-Konzert. Das ist allerdings schon etwas schwieriger. Die Verkäuferin guckt mich mit großen Augen an: „Skam... hva? Kan du stave det? (Kannst du es buchstabieren?)“. Klar kann ich das. S-K-A-M-B-A-N-K-T. Sie guckt mich an, als wollte ich sie verarschen. Doch ihr Computer spuckt das aus, was ich haben will. Zack. Zwei Minuten später halte ich zwei frisch ausgedruckte Skambankttickets in der Hand, die hoffen, dass sich Zahl noch mit einem dritten dazugesellen wird. Ich schlendere zufrieden und mit unabstellbarem Grinsen weiter. Mir fällt auf, dass ich noch nie so viele Menschen gesehen habe, die rot tragen. War das vorher auch schon so? Tragen die nur heute soviel rot? Und irgendwann merke ich dann, dass die alle Shirts von Liverpool anhaben. Nur wenige Minuten später kommen mir gröhlende Menschen entgegen. Damit ist alles klar. Es muss sich um Fußball handeln. Eine kurze Internetrecherche bestätigt den grausigen Verdacht. Heute spielt Lyn Oslo gegen den FC Liverpool. Nichts wie weg.
Dann fahre ich ein bißchen mit der Straßenbahn in den Südosten der Stadt. Ich finde die Ruinen der alten Domkirche Oslos. Allzu groß war die jedenfalls nicht. Hier ist es sehr hübsch und still. Vielleicht ist es auch still, weil ich über einen Friedhof spaziere... Sollte ich es merkwürdig finden, dass eine Familie hier mit ihren Kindern ein Picknick macht? Ist das hier normal oder habe ich norwegische Satanisten mit Nachwuchs gefunden? Ich traue mich leider nicht nachzufragen...
Vielleicht kann ich ja nochmal nach Schuhen gucken! Oder aber, ich setze mich ans Wasser und gucke den Menschen zu. Ja, das klingt verlockender. Die Straßenbahn hält an. Wir stehen an einer Ampel. Ich hasse das ja, wenn man in öffentlichen Verkehrsmitteln sitzt und die nicht fahren... Da werde ich immer richtig ein bißchen aggressiv... Ich blicke also schnell aus dem Fenster um mich abzulenken und da sehe ich TOR! Den Tor! Den Roadie von Kaizers Orchestra. Ich klebe an der Scheibe. Irre ich mich? Nein, das sind seine Koteletten. Das ist Tor. Der Tor, den wir schon tausend Mal auf der DVD gesehen haben. Himmel! Leider bin ich zu langsam um meine Kamera zu zücken und Beweisfotos zu machen... Vielleicht sieht man sich ja jetzt auch öfter... Und wer weiß, wen dann noch...
Da am Wasser ist eine Freiluftfotoausstellung mit dem Thema Rost. Ich weiß nicht wirklich, ob das das Thema ist, aber auf allen Bildern ist rostendes Metall, deswegen hat das den Namen verdient, finde ich.

Am Radhausplatz bauen sie schon die Bühne für ein Festival am Donnerstag auf.
Wie wohl diese Festung von Nahem aussieht, die wir uns bisher immer nur von unten angeguckt haben? Ich werde sie mal erklimmen. Ich schlängele mich zwischen deutschen Kindern durch, die auf den hiesigen Statuen herumkrabbeln und begucke mir die alten Gemäuer. Plötzlich kommt ein Mädchen an, dass rumkreischt wie eine Besessene. Hinter ihr trottet ihr missmutiger Freund. Ein Beziehungskrach! Großartig! Ich hefte mich an ihre Versen um zu sehen wieviel ich von ihrem Streit verstehe. Der Typ bittet sie ständig doch nicht so zu schreien. Sie will aber schreien (und tut dies auch nicht zu wenig), aber reden will sie mit ihm erst zu Hause (jetzt reicht schreien), er hingegen will das Problem gleich ausdiskutieren. Und dann lässt sie ein markerschütterndes FAEN los und etwas, das ich nicht richtig verstanden habe, aber als: Fass mich nicht an! interpretiere... Äußerst lehrreich, aber leider beschleunigt der Zorn so die Schritte der beiden, dass ich nicht mehr hinterherkomme und lieber die nächste Straßenbahn Richtung Heimat nehme.
Jetzt werde ich in Ruhe zu den Klängen der Pferderennbahn den Tag ausklingen lassen, denn morgen geht es früh raus.

Vintersju.

4 Kommentare:

  1. Ich hab auch noch keine...FAEN!

    Dein Flur sieht ja noch trostloser aus als die unsrigen!
    Meine Güte...

    War das hier nicht eigentlich mal EUER Blog ;-)

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  2. Tjaja... vor lauter Viking Hiking bleibt wohl keine Zeit mehr für Trondheim´sche Einträge!

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  3. also das mit dem wohnheimkeller und der karte und den maschinen kommt mir unheimlicher weise so bekannt vor.... nie wieder wohnheim!
    und yeah!!! skambankt!
    immernoch: ich habe warmes essen und du nicht (zumindest nicht gekocht) ich hätte jedoch mehr einsatz gefordert!!! wenn tom nicht da ist und keiner was in der küche macht... dann musst du wohl raus auf die straße und mit deinem nochunwissen glänzen und fragen... irgendwie! =)

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