Das Basement hat soeben seine Pforten zugemacht, einige letzte Gestalten huschen entlang der Schleichwege in ihre Betten.
Das Basement ist der kleine Studentenkeller in Moholt. Es ist im Untergeschoss eines Wohnhauses untergebracht und bunt angemalt. Hier gibt es das wohl billigste Bier im Umkreis von 1000 Kilometern. Es ist so eng und heiß dort unten, dass die meisten Leute vor der Tür stehen und über die Ereignisse des Tages sprechen, Pläne für morgen schmieden oder sich immer noch gegenseitig in ihrer Einzigartigkeit und Großartigkeit übertrumpfen.
Ich spüre es in meinen Beinen und in den Fingern, dass ich mich morgen wie ein neuer Mensch fühlen werde. Nach einer ewig scheinenden und am Ende doch sehr kurzen Wanderung bergauf, sind wir an einen See in die Estenstadmarka gelaufen. Diese Region ist etwas südlich von unserem Campus, außerhalb der Stadt. Früher war es wohl mal eine landwirtschaftlich wichtige Region, doch heute wurde das Gebiet zum Klettern, Schwimmen, Rad fahren und Wandern ausgebaut. Der Morgen in Dragvoll war furchtbar kalt. Viele haben sich dazu entschieden, an dieser Reise doch nicht teilzunehmen. Doch uns erschüttert im Geringsten nichts und kurzerhand sind wir im Wasser.
Es ist kalt.
Es ist eisblau.
Es ist klar.
Und es schmeckt…nach Wasser. Nach echtem, kalten, frischen, sauberen Wasser!
Um den See herum wölben sich Berge, strecken sich Nadelwälder hervor.
Alle schwimmen auf den Sprungturm zu. Allein beim Anblick dieses Geräts graust es mich und ich schlage die andere Richtung ein. Das andere Ufer. Von hier sieht es gar nicht so weit weg aus.
Ich erinnere mich an die letzten Male, als ich versuchte, einen See zu überqueren. Im Gedächtnis geblieben ist mir, dass es immer mit Swantje war und wir auf unserem Weg immer über die herrlichsten Dinge geplaudert haben.
Das Wasser jedoch ist so kalt, dass es mir die Luft abschnürt und ich alle Kraft brauche, zu atmen, als dass ich mich mit jemandem unterhalten könnte.
Das andere Ufer scheint sich immer mehr zu entfernen. Die bunten Menschen auf der anderen Seite werden immer kleiner und schmücken den Rasen wie Wiesenblumen.
Als ich wieder bei ihnen bin und wie ein blaues Bündel aus dem gefühlten 5°C kalten Wasser steige, will ich am liebsten schlafen, sofort, auf dieser Wiese.
Doch es ist angerichtet. Es gibt dasselbe Essen wie die letzten drei Tage. Frederik schmunzelt bei der Frage, warum er nicht mitisst und erklärt uns, dass er nicht weiß, was in diesem Essen drin ist und er es deshalb lieber nicht anrührt. Na herzlichen Dank auch.
Alles wird langsam zur Tradition, nach so kurzer Zeit in Trondheim. Man trifft zwar immer noch jemanden beim Kubb-Spiel, den man vorher noch nicht gesehen hat, aber die Rituale des gemeinsamen Essens und Spielens vertiefen sich immer mehr.
Als wir den Rückweg in die Zivilisation antreten, ist ein Wetter wie an einem deutschen Junitag nachmittags um drei. Doch es ist beinahe halb acht und zuhause wartet Nils’ Aufsatz über unser Wochenende.
Unterwegs treffen wir Gerrit, der einige Pilze gefunden hat und sie unter den Leuten verteilt. Er verspricht, dass sie nicht giftig sind, weil er, seit er klein ist, mit seinem Vater immer Pilze sammeln und erkunden war. Aber er sagt auch, dass wir erst kosten sollen, ob sie auch wirklich schmecken, kann sein, dass sie eklig sind...
Zahl
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen