Sonntag, 9. August 2009

Fader Martin, eg syns dette begynner å lukte bensin...

Sonntags in Grünerløkka, besser gesagt in Birkelunden, findet immer von 12 bis 20 Uhr ein großer Flohmarkt statt. Und weil ich ja noch einige Pläne und Anschaffungswünsche habe (eine Lampe, ein Stuhl, ein Wasserkocher...), schaue ich mich da zusammen mit Esther, Andi und Esthers Freundin Steffi um. Steffi schreibt gerade ihre Hausarbeit über feministische Theologie zur Hermeneutik des Alten Testaments. Das es sowas gibt?!
Ich habe übrigens meinen Fotoapparat vergessen, weswegen es für diesen Blogg leider keine Bilder geben wird... Das schreibe ich jetzt lieber schnell, damit lesefaule Leute sich gleich gefahrlos ausklinken können.
Auf dem Flohmarkt gibt es nicht nur Handywiesen! Es ist ein Flohmarkt wie man sich den so richtig schön vorstellt. Und vor einem Stand mit Jarle Kleppschen Norwegerpullis stellen wir drei Mädchen auch fest, dass wir alle stricken können. Es entsteht eine heiße Diskussion über Maschen und Wolle, Rundstricken und 5 Nadeln, etc. Andi steht da und guckt ein wenig ungläubig ob so vielen hausfräulichen Talenten.
Es nieselt ein bißchen und eigentlich habe ich schlecht Laune, weil mein doofes Open Office gestern nach großen Hausarbeitsfortschritten einfach abstürzte und ich alles nochmal neu machen muss, aber der Flohmarkt mit seinem bunten Treiben und der untermalenden Akkordeonmusik hebt die Stimmung ungemein. Ich kaufe eine Schreibtischlampe. Die Stühle dort sind zwar schick und alt, aber einfach zu teuer. Ich mache mich in den nächsten Tagen nochmal zum Ikea auf, damit ich mir einen Terje holen kann.
Da steht zwar ein roter Schaukelsessel, aber die nette Frau will 600 Kronen für das Prachtstück haben... Eindeutig zuviel für unsere studentischen Geldbeutel. Weil wir aber nur Norwegisch mit den Leuten hier reden, sind wir ziemlich stolz auf uns. Wir verstehen grob, dass man einen so gut erhaltenen Sessel selten findet, der Bezug ist fehlerlos und die Borte! Himmel, war die Frau begeistert von der Borte... Nach ihrem mehrminütigen Informationsvortrag scheint sie schon ein wenig enttäuscht zu sein, dass wir das gute Stück nicht kaufen...
Aber ich habe ja meine Lampe, Esther eine Kaffeemaschine und Steffi einen Norwegerschal. Andi zeigt sich zwar begeistert für eine goldene Tasche, aber kaufen will er sie aus mir unerfindlichen Gründen nicht...
Der Flohmarkt ist abgegrast. Steffi kennt einen günstigen Asiaten, bei dem man sich etwas zum Mittag holen könnte. Auch hier erfolgt die Bestellung auf Norwegisch. Immer voran, mit kleinen Schritten. Sie wohnt in dem alten Getreidesilo, das jetzt das wohl schönste (und teuerste) Wohnheim Oslos ist, mit einer Dachterasse im 17. Stock. Dort essen wir unser Mittag. Der Blick ist gut. Man sieht teile der Stadt, die ich noch nicht entdeckt habe... Aber nicht den Fjord. Meine Aussicht hält also noch ihre Spitzenposition.
Dann sind wir so gespannt, wie hier die runden Zimmer aussehen, dass wir zu ihr gehen. Sie hat eine eigene Küche und ein eigenes Bad. Alles ist neu, sauber und sehr gemütlich eingerichtet. Sie hat einiges investiert, das sieht man. Aber immerhin bleibt sie 3 Jahre hier. Da sollte man schon schön wohnen. Wir sitzen in ihrem runden Zimmer und diskutieren über Religion, Kunst und Gefängnisse. Schwere Themen, die zu dem stärkeren Regen passen.
Doch irgendwann scheint die Sonne wieder durch und wir beschließen noch einmal an die Luft zu gehen. Runter in die Stadt. Nach Aker Brygge. Hier sitzen wir am Wasser und träumen davon, wem von uns welche der Yachten einmal gehören wird und bewundern die Präzisionsarbeit der Boote beim "Ausparken" aus dem vollen Hafen.
Auf dem Rückweg sehen wir dem Straßenkünstler, an dem ich inzwischen bestimmt zwanzig Mal vorbeigelaufen bin ganz zu. Seine Show ist wirklich ziemlich beeindruckend. Danach stehen wir etwas planlos da. Steffi möchte gerne auf die Burg. Sonst eigentlich niemand. Ich habe Lust nach Hause zu fahren, verabschiede mich und mache mich auf den Heimweg.
Ich muss es hier genießen, denn morgens ist J wirklich ausgezogen. Nicht zurück nach Schweden, sondern nur ein Stockwerk tiefer, aber er ist hier weg. Jetzt bin ich frei und muss es genießen, solange es wärt... Als erstes, denke ich, werde ich das Bad putzen!

Vintersju

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