Aber ich gebe ja zu, dass da nur der Neid aus mir spricht. Hier muss ich mich immerhin noch selbst darum kümmern, mich zu bespaßen.
Nachdem ich ganz artig und ganz lange was für die Hausarbeit gemacht habe, wird es am Nachmittag dann aber Zeit für die nächste Verabredung mit den neuen Menschen hier.
Auch der andere Deutsche, der jetzt hier in Bjerke ein paar Stockwerke über mir wohnt, hat gesagt, dass er gerne mitkommen würde. Dann kann das ja heute eine illustre Runde werden...
Ich will noch schnell ein paar Sachen einpacken, bevor ich mich in dem Eingangsraum mit ihm - dem Martin - treffe und laufe in unsere meschenleere Küche. Auf dem Weg hinaus laufe ich Tom in die Arme. Den hab ich aber lange nicht gesehen, denke ich noch, während er das auch schon ausspricht. Dann kommt auch noch J an! Der das gleiche sagt - nur auf Schwedisch. Aber ich verstehe ihn ja. Ich sage ihm also, dass sein Auge schon wieder viel besser aussieht. Er freut sich darüber. Der eitle Typ hat sich auch schon wieder zwei neue Pflegeprodukte für seine Haare zugelegt, da kann ich ruhig von Zeit zu Zeit sein Ego noch unterstützen. Tom will wissen, wo ich denn so lange war. Strahlend erzähle ich ihm, dass ich doch nach Trondheim konnte (nochmal Danke, Mutter!) und er freut sich mit mir. Dann guckt er verschmitzt und meint: "You know, we were worried about you. We thought that you might have been abducted by aliens!" Ich muss lachen. Wie süß, die Jungs haben sich echt Sorgen gemacht. Vielleicht ist es doch nicht schlecht das einzige (kommunizierende) Mädchen auf dem Flur zu sein. "Well, I tried my best, but they didn´t really like me. So they brought me back!" erkläre ich ihm noch fix, bevor ich die neun Stockwerke zu Fuß herunter laufe, weil der rechte Fahrstuhl (mal wieder) kaputt ist und der andere ewig nicht kommen will.
Ich treffe auf Martin. Er studiert Skandinavistik in Köln und spricht ein ziemlich gutes Norwegisch, wie er unter Beweis stellt, als er eine alte Dame nach dem Weg zur Bushaltestelle fragt. Zusammen fahren wir nach Sogn, dem großen Studentenwohnheim direkt am Campus. Andreas holt uns ab, Esther kommt leider nicht. Dafür begleiten uns aber zwei andere Mädchen, die auch erst kurz hier sind. Ich weiß leider nur noch, dass die eine Susi heisst...
Zusammen kaufen wir für den geplanten Grillabend ein. Das dauert seine Zeit. Immerhin sind wir zu fünft und kennen uns nicht wirklich. Niemand will jemandem was aufdrängen, keiner will gleich einen Streit über irgendwas über den Zaun brechen. Gott sei Dank nimmt Andreas das Führungszepter in die Hand. Ganz in zahl´scher Tradition gehen wir den Weg zum Sognsvann zu Fuß. Bergauf. 20 Minuten lang. Aber da ich Trondheim geschafft habe, ist das für mich ein Klacks.
Der Sognsvann-See ist wunderschön. Er liegt direkt neben dem Studentenwohnheim und wirkt doch so, als wäre er weit außerhalb, definitiv aber nicht so, wie zu einer Hauptstadt gehörend. Hier liegen Familien im Gras, Kinder spielen im Wasser, Studenten grillen und spielen Frisbee. Alles ist sehr idyllisch. Wir suchen uns einen schönen Felsen und bauen unseren Engangsgrill auf. Andreas geht schwimmen solange das Wasser noch einigermaßen warm ist.
Die Stimmung ist recht angenehm dafür, dass wir uns alle nicht wirklich kennen und schnell schlagen sich Brücken. Das Mädchen, dessen Name mir hoffentlich bald wieder einfällt, studiert wie Andreas Jura. Susi studiert in Konstanz und kennt Miriam und Marina, die ich schon in Trondheim kennengelernt habe und die nach dem Sprachkurs hierher nach Oslo kommen.
Wir reden viel über Musik und Festivals. Andreas und ich sind der festen Überzeugung Susi zu Get Well Soon bekehren zu müssen und vor lauter Gespräch und Unterschätzen des Einweggrills vergessen wir glatt unsere Würstchen! Dadurch sind die sehr gut durch... Sehr angenehm ist auch, dass niemand den Abend künstlich ausdehnt. Irgendwann gehen wir einfach.
Für morgen haben wir auch schon wieder einen Plan. Wir werden austesten, wie weit durch die Schären wir mit unseren Studententickets fahren können... Dadurch vergeht die Zeit hoffentlich schneller. Langsam möchte ich wirklich, dass endlich Montag ist. Ich will, dass es losgeht. Ich hatte genug Urlaub.
Oh, und was ich unbedingt noch erwähnen möchte: Olivia fühlt sich bei mir so wohl, dass sie sogar neue Blätterchen bildet!
Vintersju.
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