Samstag, 15. August 2009

Geography teachers and the mentally ill! That is all jazz is for!


Nachdem ich mich Donnerstag von allen Menschen zurückgezogen und verkrochen habe um mal nicht pausenlos zu reden, bin ich am Freitag wieder bereit mich in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Allerdings nicht vor 16.00 Uhr. Man muss es ja auch mal langsam angehen.
Jeden Freitag ist im Chateau Neuff von 16 bis 18 Uhr die Internationale Kaffeestunde, bei der man Kekse und Tee oder Kaffee umsonst bekommt, wenn man nicht aus Norwegen ist. Alle Plätze sind belegt mit Menschen, die interessiert an Neuem sind und sich kennenlernen wollen.
Ann-Kristin verspätet sich etwas und ich beschließe an der Station auf sie zu warten. Hier treffe ich Gerda aus Estland wieder. Sie ist ganz begeistert davon, dass ich für Level 3 eingeteilt bin und will von nun an unbedingt Norwegisch mit mir reden. Ihr fällt das sehr leicht und sie redet ziemlich flüssig, obwohl sie "nur" in Level 2 ist. Ihr Freund kommt aus Bergen und hat es mit ihr geübt.
Ich hingegen tue mich schwer. Die Haltestelle ist voll von Norwegern, die sich garantiert über unsere stockenden Versuche amüsieren. Wie bei eigentlich allem fällt mir das Schreiben leichter, als zu reden...
Eine Bahn nach der anderen kommt. Ohne Ann-Kristin.
Gerda und ich gehen also vor zum Chateau Neuff, vor dem Ann-Kristin schon steht und auf uns wartet. Wir gehen hoch zur Kaffeestunde. Die Räume sind gemütlich, einige Wände bestehen quasi aus Bücherregalen, die angefüllt sind mit alten Schätzen! Es ist wirklich sehr voll, aber wir finden drei Plätze und setzen uns zu Andrszé aus der Tschechischen Republik, Attila aus der Türkei und noch vielen anderen, deren Namen ich nicht behalten habe... Jeder berichtet ein wenig aus seinem Leben. Jeder hat Probleme mit den Namen.
Ann-Kristin beschließt sich einen neuen zu überlegen, weil ihr ihrer zu lang ist. Sie möchte irgendwas, was leicht zu merken ist, für fast alle. Als erstes fällt ihr Olla ein. Also wird sie sich wohl demnächst Olla nennen.
Ted, der Organisator für die Special Events kommt vorbei und sucht noch Teilnehmer für die Nationalgallerie am Sonntag. Er will niemanden zwingen, aber wir sollen uns doch bitte in die verdammte Liste eintragen! Mit so viel Freundlichkeit sind wir natürlich zu haben. Immerhin ist es umsonst und wir werden herumgeführt.
Auch Andi und José kommen noch.
Dann schleicht Andrszé auf einmal mit einem kleinen roten Köfferchen zurück an den Tisch. Was ist denn da drin? Er hat es unten bekommen. Drin sind eine Suppe, weitere Anrührtüten und eine Backmischung für einen Schokoladenkuchen! Sowas wollen wir auch! Also stürmen wir die Treppe herunter. Ich habe zwar ein gigantisches Versorgungspaket von zu Hause bekommen, aber wenn es was umsonst gibt, sollte man hier nie nein sagen!
Doch alle Koffer sind weg. Angeblich gibt es die öfter und insgesamt scheint diese Kaffeestunde eine wirklich interessante Begegnungsstätte zu sein, die ich wohl öfter wahrnehmen werde.
Eigentlich wollten wir zum Jazzfestival in die Stadt aufbrechen, aber Gerda und Ann-Kristin überlegen sich, dass sie gerne eine Runde Fußball spielen würden.
Andi und ich sind begeistert... Jetzt müssen wir hier rumsitzen und zugucken, wie die zwei am Rand des Spielfeldes der haarigen norwegischen Männer rumkicken...
Zum Glück wird ihnen das schnell über und wir machen uns doch noch in die Stadt auf, wo wir uns nicht sicher sind, ob wir die Bühne mit dem kostenlosen Jazzkonzert gefunden haben, was aber auch relativ egal ist, da selbige sowieso gerade abgebaut wird.
Was tut man in Oslo, wenn man keine Ahnung hat, was man machen soll? Man geht an den Hafen! Wir setzen uns also mit ein bißchen was zu essen an den Rathausplatz. Da finden wir Dank pinker Haare auch Esther und ihren Freund. Am Hafen ist eine riesige Bühne für ein Völkerverständigungsfestival mit afrikanischen Trommlern und orientalischem Essen.

Da uns das nicht ganz so sehr interessiert, folgen wir Gerdas Rat und fahren zurück zum Chateau Neuff, dem zweiten zu Hause der Osloer Studenten. Hier gibt es auch ein Jazzkonzert. Dann schauen wir uns eben das an.
Bevor es anfängt gucken Ann-Kristin und Gerda bei dem Musical Hair zu, während Andi und ich uns in einem Kinosaal die Lieblingsyoutubevideos der Osloer Studenten ansehen.
Das Konzert von vier Studenten ist kurz, aber intensiv und ziemlich gut, auch wenn ich ja Jazz eigentlich gar nicht mag. Aber wenn ein Kontrabass gespielt wird, kann es ja nur gut werden.

Danach werden wir noch von einigen Norwegern in Bierlaune überfallen. Zwei von denen lesen aus meiner Hand. Neben Verwirrung in der Liebe und einem fussballtalentierten Sohn, der sich leider mit 13 Jahren ein Bein brechen wird und deswegen niemals Profispieler werden kann, geben sie uns hilfreiche Tipps für den norwegischen Arbeitsmarkt.
Gerda und mir wird das irgendwann zu aufdringlich und wir verabschieden uns höflich. Auf dem Heimweg begegnet mir der verschollene Martin, der sich mit einem alten Freund getroffen hat und jetzt auch endlich im Besitz von 20 Euro teuren FlipFlops für sein keimiges Bad ist.
So hat halt jeder seine Investitionen... Ich bin mit meinem Wasserkocher, der mir Tee ermöglicht im Übrigen mehr als zufrieden.

Vintersju.

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