Montag, 24. August 2009

ALTERNATIVET ER ANARKI!

Donnerstag wird mal wieder ein Tag im Zug.
Im Gegensatz zu den gemütlichen Fahrten, die ich bisher unternommen habe, müssen wir diesmal allerdings rückwärts fahren. Das macht keinen Spaß, wenn es 8 Stunden lang dauert.
Und ist vor allem für Marlene doof, weil sie sich doch die schöne Landschaft angucken soll! Wenigstens kriegen wir es trotz ihres Interrailtickets mit der uns inne wohnenden Charmanz hin, die ganze Fahrt über zusammensitzen zu dürfen! Irgendwann geht sie einfach dazu über, sich rückwärts auf ihren Sitz zu setzen. Das ist zwar nicht so bequem, aber immerhin besser, als aufsteigendes Schlechtigkeitsgefühl...
Es sind lange acht Stunden. Und inzwischen wird es auch dunkel.
Wir fahren also rückwärts, im Dunkeln und lange. Da gibt es schöneres.
Besonders die letzten beiden Stunden ziehen sich. Aufmunterung gibt es nur durch kurze Episoden aus dem ersten Buch, das ich für meinen Norwegian World Literature Kurs lesen muss. Das ist nämlich ein Vikingerbuch, das enormes humoristisches Potential bietet - wenn man es vom richtigen Standpunkt aus liest. Ansonsten gibt es eigentlich nur Ahnenreihen und Gemetzel, aber das reicht ja manchmal auch für Unterhaltung. Und wenn die Vikinger wirklich so doof waren und bei ein bißchen Nebel einfach vom Pferd gefallen sind, dann müssen sie sich auch nicht wundern, dass es sie nicht mehr gibt!
Der Zug fährt in Trondheim ein und rollt an Zahl in ihrem Pstereo-Matrosen-T-Shirt vorbei. Morgen geht es los!
Zahl ist ganz aufgeregt und voller Freude! Ganz Trondheim scheint es ihr gleichzutun!
Ist das die gleiche Stadt, in der ich vor ein paar Wochen war?
Alles ist laut, von überall kommt Musik und es sind Menschen auf den Straßen!
Wir schnappen uns einen Bus, weil Zahl uns ganz viele Leute vorstellen will, die oben in Moholt ein Barbecue machen... Doch als wir ankommen, finden wir niemanden und es fängt an zu regnen. Deswegen kuscheln wir uns in Zahls Küche zu hervorragender Kartoffelsuppe zusammen und erzählen und erzählen und erzählen...
Aber Zahl muss ja schon so früh aufstehen um ihre Schüler kennenzulernen. Deswegen gehen wir ins Bett.
Marlene schläft auf der Matratze und ich auf der selbstaufgepumpten Luftmatratze. Zahl warnt mich noch, dass das Ding dazu tendiert über Nacht mal die Luft zu verlieren und ich merke das auch umgehend, nachdem die anderen beiden eingeschlafen sind, aber es ist nicht die zunehmende Bodennähe, die mir Schlafprobleme bereitet, sondern viel mehr die Kälte. Wenn ich hier liegen bleibe, treffe ich den Schlaf heute nicht mehr an und das wäre nicht gut, denn ich muss ja für das Festival fit sein!
Ich ziehe auf die Couch in der Küche um. Hier ist es erstaunlich gemütlich und ich kann sehr gut schlafen, bis Zahls Mitbewohner beschließen früh aufzustehen und sich Frühstück zu machen! Ich schleiche also in einer unbeobachteten Sekunde zurück in Zahls Zimmer. Es ist kurz vor sieben und sie muss auch gerade aufstehen, wodurch das Bett für mich frei wird! Juhu.
Zahl verabschiedet sich, wir sollen sie gegen halb drei hier erwarten! Wir schlafen.
Gegen halb elf befinden wir uns immer noch im Bett und gucken ganz verdutzt, als plötzlich das Telefontüröffnerding schellt und Zahl wieder da ist. Ihr Tag war kurz, weil es dieses Jahr keine Master gibt, die man kennenlernen könnte.
Nach einem Mittagsschlaf will sie mit uns zu Marco zum Vorglühen.
Aber alles kommt anders. Denn eigentlich muss Zahl jetzt schon beim Arbeiten sein! Also rennt sie davon! Und wir machen uns gemütlich fertig und treffen uns mit Hans.
Noch gemütlicher als wir uns fertig gemacht haben, schlendern wir zum Festivalgelände.
Es ist Bändchenzeit! Leider kriegen wir nicht die schönen dunkelblauen, weil wir ja nur einen Tagespass haben. Wir müssen uns mit rot/gelben Papier/Plastik-Dingern begnügnen... (die wir inzwischen eigentlich auch ganz schön finden!)
Als wir das Gelände betreten, spielen gerade Jaga Jazzist, die überraschend gut sind!
Sehr angenehm ist auch, dass sie auf Gesang verzichten.
Ich muss auf´s Klo. Zuerst bin ich nicht begeistert, denn es gibt nur Dixiklos, aber auf den zweiten Blick haben die einiges zu bieten! In jedem stehen Massen von Toilettenpapier, zwei Spiegel, man kann spülen und es gibt Desinfektionsmittel um sich die Hände zu säubern! Wunderbar!
Das Festivalgelände vom Pstereo ist so ausgerichtet, dass es drei Bühnen gibt. Eine kleine Zeltbühne bei den Dixiklos, eine Hauptbühne und eine etwas kleinere, die Kanonscene. Die zwei großen Bühnen stehen sich genau gegenüber, wenn man also keine Band so richtig, aber alle in wenig sehen will, kann man sich einfach in die Mitte stellen und muss sich nur in die jeweilige Richtung drehen. Und es gibt einen schwarzen Stofffussboden, der den gesamten Bereich bedeckt, auf dem das Publikum stehen kann.
Wir sehen Ruphus, alte Leute, die seit 30 Jahren keine Musik mehr gemacht haben. Und das unserer Meinung nach auch beibehalten sollten. Fjorden Baby erleben wir nur kurz, danach kommen auch schon Motorpsycho. Auf die können wir uns nicht so gut konzentrieren, denn eigentlich wollen wir ja nur Skambankt sehen.
Zahl kommt ganz aufgeregt aus dem Backstagebereich und erzählt uns davon, dass sie Terjes Firebird gestreichelt hat und überhaupt all seine Gitarren auf die Bühne trug... Sie kennt auch schon die Setlist, verrät aber nichts. Aiaiai.
Wir bringen uns in Position und warten. Doch Motoropsycho überziehen ihre Spielzeit und Skambankt müssen warten. Da treffen wir auf Scott, Zahls Retter aus dem Familien, der sich fix seine pinke Mütze aufsetzt, damit seine Freunde ihn finden!



Dann beginnen Skambankt. Sie spielen das Lied, das ich mir so sehr wünschte als erstes und sind überhaupt einfach viel besser, als ich jemals zu träumen gewagt hätte. Terje singt wirklich. Tollak ist die Coolness in Person. Hans Panzer verlangt seiner Gitarre das Äußerste ab und Börge schwitzt hinter seinen Trommeln so sehr, das ein Roadie ab und an auf die Bühne kommen muss, um ihn mit einem Handtuch abzutrocknen.
Viel zu schnell ist alles vorbei. Skambankt gehen von der Bühne. Selbstverständlich dürfen sie nicht wiederkommen. Es ist ja ein strickt durchgeplantes Festival. Dennoch ruft das Publikum noch lange nach ihnen!



Auf der anderen Bühne beginnt Ane Brun. Ein Umbruch mit dem ich gerade nicht umgehen kann. Wir hören ihr zu, aber irgendwie doch nicht. Ich bin immer noch einfach zu erleichtert über das vorher gesehene, um mich auf feine Klänge der Akkustikgitarre konzentrieren zu können. Sie war bestimmt gut, die Ane, auch wenn sie gruselig aussah.
Ulver schließen sich auf der kleinen Bühne an. Gefühlte 300 Personen auf einer Bühne, jeder mit fünf Laptops und einer riesigen Leinwand. Das ist zuviel Technik für die Bühne, ständig fällt irgendwas aus. Die Band versucht es das eine ums andere Mal, aber irgendwann geben sie auf und verschwinden sichtlich angepisst hinter der Bühne. Heute Abend spielen also nur noch Röyksopp. Die sehen wir mit Terje und Hans hinter und Tollak neben uns... so ist das hier wohl. Ich muss mich wohl daran gewöhnen.
Dann ist alles zu Ende. Die Bands sind vorbei und Zahl kommt hinter der Bühne hervor. Sie hat genug schweres Zeug geschleppt und will gehen. Wir besorgen uns noch etwas zu essen und überlegen, ob wir ins Blaest gehen. Wenn wir das tun, können wir uns sicher sein, dass dort auch Skambankt sind.
Vielleicht ist es besser, wenn wir das einfach lassen und uns schlafen legen. Denn wir haben nur noch morgen und brauchen so viel Zeit zusammen, wie wir haben können!

Vintersju.

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