Dienstag, 21. Juli 2009

Ei bøtte med vann...

Ach ja. Eigentlich wollte ich jetzt frisch geduscht da sitzen und an meiner Hausarbeit schreiben, aber in Bjerke ist das Wasser abgestellt. Ich frage mich, ob das im ganzen Haus so ist oder nur hier im 9. Stock und wann es wohl wiederkommt...
Denn ungeduscht Hausarbeit schreiben, kommt leider gar nicht in Frage. Damit kann ich nicht konform gehen. Hoffentlich kommt das Wasser bald zurück. Ansonsten gehe ich raus in den Regen, der hier gerade anfängt gegen meine Scheibe zu prasseln.
Ich werde das einfach mal zum Anlass nehmen, etwas über mein Wohnheim zu schreiben.
Bjerke. Das große dreieckige Gebäude neben der Pferderennbahn. 13 Stockwerke und irgendwie leer. Das liegt aber nur daran, dass noch Ferien sind, hat mir gestern ein anderer Typ als der Schwede verraten (der irgendwie der einzige ist, der hier immer anzutreffen ist). Albrecht aus Dresden wohnt auch hier, sagt er. Der ist aber über die Ferien in Deutschland. Er wohnt zusammen mit Ole. Ole ist Norweger und wohnt von allen schon am längsten hier. Wenn ich eine Frage habe, soll ich sie Ole stellen. Der weiß alles. Vielleicht frage ich ihn mal, wo ich eigentlich meinen Müll hinbringen soll. Hoffentlich kommt er wieder, bevor der Müll sich von alleine aus dem Staub machen kann.
Was ich an Bjerke mag, ist an erster Stelle selbstverständlich der Ausblick. Das mag ich schon öfter geschrieben haben, aber ich werde einfach nicht müde, es zu erwähnen! Die Leute, die ihn noch sehen werden, werden mich verstehen.
Das Badezimmer ist leider nicht weiter erwähnenswert. Es ist eine Nasszelle, wie man das von Wohnheimen so kennt – ohne Fenster, schlechte Lüftung, merkwürdige Flecken an der Decke von ständiger Feuchtigkeit und ein Heizstrahler, der mir etwas Angst macht, so wie er da bedrohlich von der Decke hängt. Wenn man sein Toilettenpapier an dem dafür eingerichteten Aufhänger platziert und es dann aber auch benutzen will, muss man sehr dehnbar sein. Das ist äußerst ungünstig konzipiert für so bewegungsfaule Menschen wie mich. Dafür sind Klobrille und Toilettenpapier gülden! Ja, Ehre wem Ehre gebührt... Das sind die ersten Schritte zu meinem Denkmal.
Und wunderbar ist auch, dass (generell, gerade ja leider nicht) eiskaltes Wasser aus der Leitung kommt! Ich habe noch nie so kaltes Wasser aus einer Leitung gefühlt. Da lohnt es sich zwischendurch auch einfach mal so hinzugehen und die Hände einzutauchen.
Mir wurde erzählt, dass hier eigentlich eher weniger Austauschstudenten leben und dass das Wohnheim sowieso viel zu weit von der Uni und der Stadt entfernt ist. Aber hier fahren zwei Buslinien vorbei und Fahrerei bin ich ja gewöhnt. Von Klein-Zicker und von Möckern. Darauf bin ich also bestens vorbereitet. Außerdem zwingt mich das Nicht-vorhandensein von Austauschstudenten ja auch viel mehr Norwegisch zu sprechen. Und das ist ja das Ziel von´s Ganze.
Die Küche ist ein bißchen keimig. Aber im Großen und Ganzen in Ordnung. Vielleicht kriege ich ja mal einen Reinlichkeitsanfall und mache alles sauber. Im Moment fehlt mir dazu allerdings die Ausrüstung. Auf jeden Fall haben Zahl und ich schon ganz viele Fächer mit meiner Nummer beklebt, auch wenn ich noch nicht wirklich was zum Reintun habe. Vielleicht geh ich heute noch einkaufen. Dafür muss man nur über die Straße. Da ist einer der (leider nur relativ) billigen Supermärkte. Was es hier sonst noch gibt, habe ich bisher noch nicht erkundet, aber dafür habe ich ja dann noch genügend Zeit.
Ich geh jetzt mal den Wasserhahn aufdrehen und beten. Vielleicht kann ich hier auch einfach mal aufräumen und alles etwas wohnlicher machen...

Zahl ist übrigens gut in Trondheim angekommen und wird wohl bald wieder aktiv.
Vintersju.

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