Mittwoch, 9. September 2009

Jorda spinner rundt seg og tar alle med seg



04. September, Stavanger, ZAHL

Der Wecker klingelt halb neun. Die ersten Minuten zeigt sich keine Regung. Jeder von uns hofft, dass einer der beiden anderen zuerst aufsteht und ins Bad geht. Es ist Freitag und Marius ist zum Glück schon arbeiten, weswegen wir ihn in unserer morgendlichen Verschlafenheit nicht antreffen werden. Im Nebenzimmer schnarcht Sten Brian ein zufriedenes Schnarchen und wir brechen auf, die Chucks und Vans geschnürt, zur Touristinformation, die uns Auskunft geben soll, wie wir sie denn nun antreten sollen, die Reise aller Reisen, der Aufstieg zum Prekestolen.
Nach einigen Verwirrungen, die wohl immer dazu gehören müssen und einem ausgefeilten Plan laufen wir durch die Sonnenstrahlen zum Hafen, besorgen uns Frühstück und Proviant und setzen uns an den Pier.

Stavanger hat uns augenscheinlich gern. Es hat seine schönste Seite ausgepackt und will uns einen hervorragenden Tag bescheren. Die Fähre schaukelt gemütlich dahin und nicke weg, während ich mit halbem Ohr zuhöre, wie Jule und Marlene die Landschaft bestaunen.
Der Busfahrer, der uns zum Ausgangspunkt des Prekestolenaufstiegs bringen soll, muss sich zu helfen wissen. Seine Info-CD funktioniert nicht mehr und er muss selbst ein bisschen erzählen. Er rät uns, trotz der nötigen Abkühlung, lieber nicht vom Stolen zu springen und verspricht uns, dass auch heute nicht der Tag ist, an dem der Prekestolen abbrechen und in den Fjord fallen wird.


Der Prekestolen.
Der Prekestolen wird in diesen südlichen Teilen Norwegens auch Preikestolen genannt. Übersetzt heißt das soviel wie Priesterstuhl. Der gute sieht halt aus, wie eine Kanzel aus Felsen, der im Rogaland, in dem wir und auch Stavanger sich befinden, in den Fjord hineinragt. Der Lysefjord ist 40 Kilometer lang und umringt von Attraktionen, wovon der Prekestolen die wohl spektakulärste ist. Dieser Fels hat keinen Gipfel, sondern es ist eine Plattform, die dazu noch quadratisch ist. Dieses Plateau befindet sich 604 Meter über dem Meeresspiegel, die Wand des Stolen fällt steil ins Wasser hinab. Der gute Prekestolen ist ein Granitfels. Sagen Informationsheftchen. Wir haben es verpasst, eine Gesteinsprobe für unseren Geologen Palme abzukratzen, der das bestätigen könnte.




Da wollen wir rauf. Der Weg von der Hytta bis auf das Plateau beträgt ungefähr vier Kilometer mit stetigem Anstieg. Jule gruselt sich, Marlene ist zuversichtlich und ich voller Tatendrang. Ich kündige zwei Pausen an, die mit Missmut aufgefasst werden, aber dieses ewige alle-halbe-Stunde-eine-Pause-machen bei unseren Erasmuswanderungen hat mich wahnsinnig gemacht und ich verspreche bei akuter Notlage Ausnahmen zu machen.





Der Weg ist übersäht mit weißem Gestein und Felsbrocken. Einen richtigen Weg gibt es nicht, einige Steine sehen aus, als hätte jemand vor hunderten von Jahren eine kleine mittelalterliche Treppe gelegt, das aber nur etappenweise.
Eigentlich sind wir froh, dass der Ansturm auf den Stolen nicht allzu groß ist. Einige Wanderer zockeln hinter und vor uns die spitzen Felsen hinauf. Alle Fotoapparate werden getauscht, jeder will von sich auch ein Bild und ein großes Herumgereiche beginnt.
Genervt bin ich dann erst wieder von einer Kleingruppe deutscher Touristen, die sich lauthals, unwissend, dass wir sie verstehen, über unsere Chucks aufregen, selbst jedoch nur mit Hilfe von Walkingstöcken nur schleppend vorankommen und andauernd den Weg versperren und dann noch nicht mal den Eindruck machen sie hätten besonderen Spaß an dieser Wanderung, Typischer Fall von „Wir-müssen-unseren-Nachbarn-erzählen-was-wir-alles-tolles-gesehen-haben“. Wir legen also unsere erste Pause ein, um sie vorbeiziehen zu lassen und um die schon hier atemberaubende Landschaft auf Fotos festzuhalten. Und das gerade mal bei der Hälfte des Weges. Wer hat sich das einfallen lassen, ausgerechnet hier so viele Naturwunder hinzutun. Die Wasserfälle sind so laut wie LKWs, die Steine so stumm und besonnen. Im doppelten Sinne. Der leichte Nieselregen kommt wie gerufen und erfrischt ungemein. Wir sind alle zuversichtlich, dass er bald wieder verziehen wird.
Je höher wir kommen, umso aufgeregter werden wir. Fassungslos nahezu. Irgendwann haben wir die Baumgrenze erreicht und laufen über hellen nackten Fels und durch merkwürdige Sumpflandschaften. Ich frage mich immer noch warum ich bei alle meinen Ausflügen in die Natur noch nicht ein Tier entdeckt habe. Außer den mutmaßlichen Katzenbär in den Woods von Moholt.
Wir warten auf die Kurve. Hinter jeder Kurve in den Bergen vermuten wir das Ziel unserer monatelangen Planung und Vorfreude. Doch der Stolen lässt sich Zeit aufzutauchen und das Fieber steigt.
Dann ist er da plötzlich. Ziemlich unspektakulär ist er versteckt hinter einigen Felsvorsprüngen, aber als wir die hinter uns gelassen haben………………. breitet sich vor uns die wundervolle Welt aus.









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