Mittwoch, 9. September 2009

For det blir ingen dag, eg legger meg bare med ubehag, hvis eg ikkje har såte i Mono sin café...


Sonntagmorgen in Stavanger nach viel zu wenigen Stunden Schlaf sammeln wir alle unsere Sachen zusammen und kriechen zum Bahnhof. Der Muskelkater ist schlimmer geworden, scheint aber nach unten zu wandern. Wenigstens hält er sich an die Gesetze der Gravitation. Dann ist er nämlich morgen in den Waden und übermorgen in den Füßen und danach weg! Hoffentlich...
Um kurz nach 10 Uhr fährt unser Bus und wir müssen uns von Zahl verabschieden, die noch etliche Stunden auf ihren Flug warten muss. Aber auch diesmal sind es nur zwei Wochen, denn dann kommt sie nach Oslo zu Besuch. Für musikalische Freuden.
Doch bevor wir in der Zukunft schwelgen, müssen wir jetzt erstmal unsere neun stündige Reise antreten...
Der Bus fährt uns unerwarteter Weise nach Bryne. Die Fahrt dauert nicht ganz eine Stunde und führt uns durch den ländlichen Teil der Westküste, genauer gesagt durch eine Region namens Klepp. Die ist wirklich dadurch geprägt, dass es ein bis zwei vereinzelte Häuser gibt. Dann letztendlich sehen wir doch noch eine größere Ansammlung von Häusern. Gut, in Norwegen gibt es doch noch irgendwo Menschen. Auch in Klepp. Kurzzeitig konnte man auf dieser Busfahrt daran zweifeln.
Dann sind wir in Bryne, dem Geburtsort von Kaizers Orchestra, einem besseren Bergen. Auf keinen Fall größer, eher noch einen Tick langweiliger. Da muss man sich quasi zwangsläufig mit der Ausdenkung großartiger Musik beschäftigen, das verstehe ich sehr gut.
Von Bryne geht es dann los. Dieses Mal haben wir keinerlei Probleme zwei Plätze nebeneinander zu finden, denn im Gegensatz zu dem Zug von und nach Trondheim, sind in diesem keine Leute. Wir haben einen ganzen Abschnitt des Zuges für uns selbst, der für lautes Parlieren und Singen genutzt wird. Aber dies auch nur vorübergehend, denn ich hatte kein Frühstück, also kann das kein guter Tag werden und schnell holt uns die Müdigkeit ein. Noch 8 Stunden bis Oslo. Noch 7 Stunden bis Oslo. Noch 6 Stunden bis Oslo.
Die Zeit vergeht nicht. Schlafen funktioniert nicht. Nur Musik hilft ein bißchen. Ich versuche meinen Norwegisch-Aufsatz zusammenzukleckern. Es geht nicht. Noch 5 Stunden bis Oslo. Noch 4 Stunden bis Oslo. Der Zug ist in Kristiansand und die Sitze werden umgedreht, da wir die Fahrtrichtung ändern... Noch 3 Stunden bis Oslo. Marlene findet die perfekt Im-Zug-Schlaf-Position, die Embryonalstellung. Die funktioniert doch irgendwie immer. Ich will meinen Aufsatz nicht schreiben. Ich will mein Buch nicht lesen. Ich will nicht schlafen. Ich will mich aufregen. Dann steigen 3 Leute mit Hunden ein. Hervorragend! Ich rege mich also innerlich so über diese blöden Scheissmenschen auf, dass es mir fast schon wieder gut geht, doch dann fährt der Zug kurz vor Oslo nicht weiter... ZORN! Blöde Lichtanlage, die unsere Ankunft in Oslo noch verzögert.
Aber dann haben wir es geschafft. Und Palme begrüßt uns strahlend. Natürlich ist er noch müde und hat sich noch nicht recht umgesehen, weswegen wir einfach nur nach Hause fahren, was essen und nach erheiternden Erzählungen und Fotobeguckungen ins Bett huschen. Morgen kommt nämlich noch mehr Besuch...

Montags heisst leider auch immer lange Uni. Da das Seminar bei Tore zur Deutschen Literatur aber eigentlich nicht anstrengend ist und ich auch um die Mitarbeit herumkomme, ist nur noch die Vorlesung schlimm. Marlene und Palme hören sie sich auch mit an. Und als würde Oslo die beiden extra beeindrucken wollen, wird diese Vorlesung spannend und lustig, obwohl sie das politische System des Staates behandelt. Der Dozent ist aber bissig und schwarzhumorig und macht sich über alle Nationen, die nicht Norwegen sind, lustig. So gefällt uns das. Wir finden sogar noch das allererste Skambanktkonzertplakat, das wir für Marlene abrupfen. Ganz subtil, selbstverständlich.
Dann kommt im Studentenkino "Cry in the Woods", der höchstwahrscheinlich beste Film, den wir hier sehen werden. Aber wir können nicht, denn die anderen sind inzwischen auf einem Flughafen namens Torp gelandet und sind auf dem Weg in die Stadt. Ganz hibbelig und aufgeregt fahren wir also zum Busterminal um sie abzuholen, sind sogar eine Stunde zu früh da. Und warten - ein wiederkehrendes Muster hier in Norwegen.
Dann kommt drei Minuten zu früh der Bus an und spuckt drei total überdrehte Menschen aus.
Svea, Kowa und Änne sind da! Endlich! Nach herzlichen Begrüßungen dringen die ersten Bedürfnisse durch: Hunger, Durst, Klo.
Das war zu erwarten, also fahren wir auch mit denen nach Hause und versorgen unsere Neuankömmlinge. Nachdem sich die Guten auf meinem Fussvboden gestapelt haben und ich mit einem eher schlechten Gewissen ins bequeme Bettchen krabbele, ist Nachtruhe.

Dienstag muss ich dann auch in die Uni. Norwegisch steht an und ich lasse die anderen hier zurück. Sie können ja ausschlafen und mich dann von der Uni abholen. Leider wird dieser Plan durch einen weckenden Feueralarm durchkreuzt, der die Ärmsten aus den Betten oder eher vom Fußboden scheucht. Selbstverständlich ist es nur ein Fehlalarm, weil jemand im elften Stock in seinem Zimmer geraucht hat.
Ich lerne auf jeden Fall ganz viel, heute nochmal mehr als sonst, weil Oyvind super Laune hat! Das wirkt sich auch auf die Schüler aus...
Und dann werde ich tatsächlich abgeholt! Das ist ein ganz schönes Gefühl. Und sie bringen sogar Essen mit! Denn auf dem Campus werden Semestertüten verteilt. Mit Essen, Stiften, Tampons und Intimpflege. Wie schön. Nachdem jeder von uns ungefähr 17 in die Hand gedrückt bekommen hat, machen wir uns auf den Weg nach Aker Brygge.
In dem Luxuseinkaufszentrum dort gibt es übrigens kostenlose Toiletten! Hohooo!



Nach einer kurzen Verschnaufpause auf den Sonnenbänken bei Aker Brygge befriedigen wir Ännes Kunstbedürfnis und fahren in den Vigelandparken um Herumzuspinnen und Figuren zu entweihen.
Diese Vorgänge lasse ich unkommentiert.














Dann gehen wir ins Mono! Endlich mal wieder. Kurz davor werden noch alle mit den norwegischen Hot Dogs bekannt gemacht. Ein Stück Kulturgut.
Ich weiß nicht richtig, wie es den anderen im Mono gefallen hat, aber ich fühle mich echt erleichtert endlich wieder mal da zu sein. Und Tore ist auch da. Alles ist gut.
Dieser Platz ist Erlösung.


Doch der Boden hat seine Spuren hinterlassen und die Müdigkeit treibt uns nach Hause. Martin ist durch seine 30 Tassen Kaffee ziemlich aufgedreht... Nochmals müssen Fotos angeguckt werden und nachdem alle einschlafen, während wir Alice im Wunderland gucken, können wir dann auch richtig ins Bett gehen...
Mal sehen, was der neue Morgen bringt...

Vintersju.

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