(Aufgepasst! Hinter der Überschrift versteckt sich ein Link, der den geneigten Leser zu der Show bringt, die ich als Publikum beklatschte!)
Am Montag ist eigentlich mein längster Unitag. Heute ist aber alles anders. Denn zum einen ist heute Palmes letzter Tag in Oslo und zum anderen gehe ich heute mit meinem Norwegischkurs zum NRK. Aiaiai...
Zunächst einmal gehe ich dann aber selbstverständlich so lange wie ich kann zur Uni. Hier wird nichts schleifen gelassen.
Bevor der Literaturkurs beginnt, erzähle ich ein bißchen mit Björn, der eigentlich aus Deutschland ist, aber vor ein paar Jahren nach Norwegen auswanderte und hier auf Norwegisch studiert. Er hat dafür den Bergentest machen müssen. Aber man darf das auch, wenn man den Sprachkurs im Level 3, den ich ja zufällig besuche, mit einem C besteht. Das ist gut zu wissen für meine Pläne bezüglich des Masterstudiengangs...
Der Lernenthusiasmus (der ja vorher schon nicht klein war), ist geschürt!
Nach der Hälfte von Literattur og Erindring muss ich mich dann aber davonstehlen, immerhin warten Oyvind und die anderen am vereinbarten Treffpunkt. Wir wollen ja zusammen zum NRK gehen.
Doch sitzen tut da nur Ann-Mari aus England. Sie hat sich ihre Knöchel beim Pizza machen verbrannt und ärgert sich darüber, dass sie zwar lustige Pflaster mit bunten Figuren drauf hat, aber keine Schere, um sie klein zu schneiden. Überhaupt zeigt sie mir, dass sie sich jedes Mal, wenn sie Pizza macht, verbrennt und sich langsam nach oben arbeitet... Dann stehen auch schon Oyvind und Kaja vor uns. Mehr Leute sind nicht gekommen. Oyvind guckt schon ein bißchen enttäuscht und erkältet ist der Gute auch noch, hat sich aber trotzdem hergeschleppt. Vielleicht warten die anderen vor Ort auf uns...
Eigentlich haben wir uns dort mit Oyvind getroffen, weil wir es uns selbst nicht zugetraut haben, den NRK zu finden und er uns führen wollte. Wie sich aber schnell herausstellt, hat er charmanterweise selbst nicht so viel Ahnung von dem Weg.
Somit schlagen wir uns mit vereinten Kräften zum Erlebniscenter des NRK durch.
Für diejenigen, die sich schon die ganze Zeit fragen, wer oder was denn ein NRK jetzt eigentlich ist: Es handelt sich um den staatlichen norwegischen Fernsehsender.
Und wir werden eine Führung durch die Räumlichkeiten bekommen und am Abend bei einer Show im Studiopublikum sein.
Wir werden von Ruben herumgeführt, auch wenn wir jetzt insgesamt nur sechs Leute sind. Er zeigt uns diverse Studios, Kulissen, Hallen, die mit Kostümen vollgestopft sind und stellt uns den Produzenten vor, der besonders für die Osteuropäerinnen viel übrig zu haben scheint... Die Führung ist echt spannend, aber leider kenne ich keines der norwegischen Programme, die der Ruben uns präsentiert oder an die er uns erinnern möchte... Nur Oyvind sieht man bei den Erinnerungen an das Kinderfernsehen seiner Jugend ab und an selig grinsen.
Rubens Norwegisch ist zwar ziemlich schnell, aber eigentlich ganz gut zu verstehen.
Und dann sitzen wir auch irgendwann auf den Publikumsplätzen im Studio von der Sendung "Store Studio", einer Kulturtalkshow. Es sind leider nicht mehr Leute aus dem Kurs gekommen, aber wir finden uns damit ab. Wir sind immer hin da!
Zu Gast sind heute Ingvar Ambjörnssen, ein Schriftsteller, eine japanische Ballerina, eine Regisseurin und die Kings of Convenience für den musikalischen Teil. Da ich die sehr gerne mag, freue ich mich natürlich sehr.
Die japanische Ballerina beginnt und ist sehr nervös. Das Interview wird auf Englisch geführt und sie erklärt wie schwer es ist mit asiatischer Physiognomie eine Chance in der Welt des Balletts zu bekommen.
Dann kommt Ingvar Ambjörnssen. Er hat die Elling-Romane geschrieben, die ja auch bekanntermaßen verfilmt wurden. Ich kenne die Bücher zwar nicht, aber alle drei Filme und mag sie sehr. Herr Ambjörnssen lebt in Hamburg und bezeichnet Deutschland auch als sein Heimatland, aber ab und an kommt er nochmal nach Norwegen zurück. Er ist unglaublich schwer zu verstehen, weil er ziemlich nuschelt und nach der Sendung erklärt uns Oyvind, dass auch er selbst ihm nur schwer folgen konnte, weil er seine Sätze nie zu Ende gesprochen hat, nie auf den Punkt kam und einen Gedankensprung nach dem anderen machte... Wir sollen uns nicht ärgern.
Der dritte Gast, die Regisseurin Margreth Olin, macht eigentlich Dokumentarfilme, hat aber nun einen Spielfilm gedreht. Ein Drama über Drogen, das auf dem Leben einer Freundin von ihr basiert. Kaja guckt mich verwirrt an. Kajas Norwegisch ist eines der besten bei uns im Kurs, aber sie versteht die Regisseurin nicht. Das Problem lässt sich leicht klären. Sie kommt von der Westküste, ein mir vertrauter Dialekt, doch Kaja versteht die Welt nicht mehr... "What is she saying for 'ikke'?" -"Ikkje!" "What? And why does she pronounce 'også' so strange...?"
Als letzte kommen dann Kings of Convenience, die es nach fünf Jahren geschafft haben, ein neues Album aufzunehmen. Während einer von ihnen mit The Whitest Boy Alive Musik gemacht hat, war der andere damit beschäftigt, zu heiraten, Vater zu werden und einen Doktor in Architekturpsychologie zu machen. Ja, sowas gibt es. Das beschäftigt sich offensichtlich mit den Auswirkungen von Häusern auf unsere Psyche.
Was nicht so alles auf die menschliche Psyche einwirkt.
Zum Abschluss spielen sie auch ein Lied. Ein sehr schönes, das sie gleich nochmal spielen müssen, weil irgendwas mit der Aufnahme nicht geklappt hat.
Kaja kannte Kings of Convenience vorher nicht, ist aber sofort zu einem Fan geworden.
Als alles im Kasten ist, bedanken wir uns bei Oyvind für den schönen Tag und wünschen ihm noch gute Besserung, was nicht viel helfen wird, da er sich noch am gleichen Abend krank meldet. Er erinnert uns daran, dass wir uns die Sendung nochmal im Fernsehen angucken sollen, auch, wenn das Publikum nicht gefilmt wurde. Sie brauchten nur unseren Applaus.
Nach diesem eher aufregenden Erlebnis bin ich im Mono mit Palme verabredet, der tatsächlich den ganzen Tag in der Bibliothek saß und arbeitete... Ich habe seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, Palme nahm nur Fetzen von Lefse zu sich...
An seinem Abschlussabend essen wir also den berühmten Mono-Hamburger, der sogar schon Preise gewonnen hat! Zu recht, wie ich sagen muss. Das Ding ist riesig, auf einem dunklen Brötchen, das Fleisch ist Medium, es gibt Tonnen von Salat, eine großartige Soße und dazu Kartoffeln. Das ist kein Fast Food. Das ist eine vollwertige, großartige Mahlzeit - jede Krone wert.
Am nächsten Morgen verabschiede ich dann Palme zurück nach Deutschland. Dieser Abschied gestaltet sich nicht so tragisch, wie die anderen, da Palme voller Freude ist, nach Berlin zurückzukommen und ich sehnlichst die Einsamkeit herbeiwünsche. Nach 5 Wochen mit Besuch brauche ich auch mal ein bißchen Ruhe.
Immerhin muss ich Kraft tanken, weil am Wochenende die Gletscherwanderung ansteht.
(Und ja, es waren Kameras erlaubt im NRK, aber damit hätte ich nicht gerechnet und war deswegen nicht gut ausgerüstet...)
Vintersju.
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