Alternativet er anarki
TRONDHEIM, 10:00, Zahl
Welcher Tag ist heute? Dumme Frage, denn seit Montag zähle ich rückwärts.
Der langersehnte Freitag. Ich bin viel zu früh wach und ziehe mein hübschestes Kleidchen an. In neuneinhalb Stunden werde ich in der Stadt sein, die ich so sehr vermisse, bei der Jule sein, die ich so sehr vermisse und die Musik hören, die ich live so sehr vermisse.
Trondheim ist ein Ort, an dem einen auffällt, was einem eigentlich alles fehlt. das ist insofern gut, weil man endlich weiß, was man braucht, um zu überleben. Und auf der anderen Seite kann man sich in Enthaltsamkeit üben. Ob man nun will oder nicht.
Das wird mir auch schlagartig wieder bewusst, als ein weiteres Mal die Vollmilchschokolade ausverkauft ist, die ohnehin nicht die beste, aber die einzige ist, die man hier kaufen kann. Was soll das? Eine Busfahrt von über acht Stunden ohne Schokolade?
Ich werde es überleben, denn in Oslo wartet die Welt auf mich.
OSLO, 20:00 , Vintersju
Endlich ist es soweit, der Abend auf den wir so lange gewartet haben.
Der Abend, für den Palme seinen Flug umgebucht hat und für den Zahl eine 8 stündige Busfahrt aus Trondheim auf sich nahm. Die im Übrigen mit Verspätung eintraf und mich leicht nervös werdendes Mädchen diverse Nerven gekostet hat... Aber Zahl kommt pünktlich, wir schaffen es zwar nicht mehr ihre Sachen noch nach Bjerke zu bringen, aber wir können sie ja einfach im Bahnhof einschließen und dann nach dem Konzert abholen.
Somewhere in NORWAY, 15:00, Zahl
Ich liebe lange Busfahrten. Lange Zugfahrten mag ich lieber, denn ich mag das Gefühl, über Weichen zu fahren. Aber auch bei langen Busfahrten kann man sich zurücklehnen und über all die Dinge nachdenken, die man sagen will. Die Musik ist da, Buzz Aldrin ist da und ein leckerer Himbeerreis ist da. Um mich herum verschwimmt die Landschaft und nimmt alle 50 Kilometer eine neue Gestalt an.
Norwegen kann man in verschiedene Farben aufteilen. Ich kenne bisher Grau, Grün, Blau und seit meinem Flug nach Stavanger auch Goldgelb. Ich befinde mich hier in goldgelber Taiga. Die Berge sind goldbraun, die Birken sind golden und weiß, alle Pflanzen und das Moss auf dem Boden schimmern wie in heißes Kupfer getaucht. Nirgendwo stört ein grün oder ein rot, der Himmel ist strahlendweiß, als ob die Atmosphäre keine Farben mehr spaltet. Ein Reh. Goldbraunes Fell. Frisst die gelben Beeren von den dörrigen Sträuchern. Und die Berge in der Ferne sehen aus wie die Berge aus Tolkiens Riddermark, man kann das Getrappel von Hufen erahnen und die älteren Nordmenn dort an der Straße brauchen nur ihre Rüstung, um sich perfekt in das BIld einzupassen. Kaum zu glauben, dass ich mit dem Bus auf dem Weg zu einem Rockkonzert in einer pulsierenden Hauptstadt bin. Aber ja, zurück zum eigentlichen. Nur noch vier Stunden. Und ein bisschen warten in der schwitzenden Menge. Ein ungeduldiges Umhersehen und am Ende zählt doch nur die Musik und der Riff auf der Firebird.
OSLO, 20:30, Vintersju
Beim Pstereo haben wir einen 45 minütigen Vorgeschmack auf das bekommen, was uns heute erwartet. Ich kann es kaum abwarten. Auch wenn ich den ganzen Tag über relativ ruhig war, langsam kommt die Aufregung in großen Schüben!
Der Weg zum Rockefeller ist nicht weit. Die Türen machen pünktlich um 21.00 Uhr auf, aber wir wollen auf keinen Fall die ersten sein, die hineingehen. Das wäre zu uncool. Und das passt gar nicht zu uns... Also spazieren wir erst noch ein wenig durch die Gegend, bevor auch wir uns auf zu den heiligen Hallen machen.
Langsam nähern wir uns dem Rockefeller, es ist hell erleuchtet und es gibt Gott sei Dank keine Schlange.
Vor dem Eingang stehen zwei Frauen. Eine guckt uns, besonders Zahl, erwartungsvoll an und murmelt etwas... "Legitimasjon." Zahl versteht nicht ganz, was die gute Frau von ihr möchte. "Unnskyld?" Sie wiederholt. "Legitimasjon?" Ach so. Sie wollen wissen wie alt Zahl ist. Denn wie so oft in Norwegen hat das Konzert eine Altersgrenze. Diese liegt allerdings bei 18... weswegen Zahl ganz entgeistert zu uns herüber guckt... "Seh ich etwa nicht aus wie 18???" "Öhm..." Palme und ich lachen uns kaputt, wir können das, wir sehen ja immerhin schon aus wie 18. Die Frau merkt schnell, dass wir unseren Spaß haben und kann deswegen davon ausgehen, dass Zahl tatsächlich schon volljährig ist! Irgendwann findet sie dann auch die gewünschte Legitimasjon und darf passieren.
Der running Gag des Abends ist geboren.
OSLO, 20:30, Zahl
Das erste as mich begrüßt ist die Sommerluft der Stadt. Kurz verharre ich auf dem Asphalt und lasse die Luft in mich hinein und ohne, dass ich es wirklich verhindern kann, hat mich mein Lächeln wieder. Dann erblicke ich eine ziemlich gestresste Jule hinter einer Plexiglasscheibe, der soeben eine Tonne nervenaufwühlender Kram von den Schultern fällt, als sie mich mit ihrem wahnsinnigen Blick empfängt. Das Lächeln wird zu einem breiten Grinsen und ich....bin zu Hause. Palme taucht auf dem Nichts auf und wird sogleich mit meinem Gepäck beladen, denn wir haben keine Zeit mehr, nach Bjerke zu fahren und ich muss mich im Bahnhofsklo hübschmachen. Wegen Überflutung wird Nutzlosigkeit proklamiert und zerzaust und zerknittert von der Busfahrt gönnen wir uns eine Käsewurst, bevor wir uns aufmachen, auf in den dunklen Teil der glitzernden Stadt.
OSLO, kurz vor 21:00, Vintersju
Wenn man das Rockefeller betritt, muss man zunächst einen Berg im Haus erklimmen. Wie das geht, weiß ich zwar auch nicht, aber es ist so und es gibt dem mutigen, musikfreudigen Bergsteiger das Gefühl, sich sein Konzert auch wirklich verdient zu haben. Kaum sind die Karten abgerissen und die Jacken hinter der Garderobe verstaut, kommt uns auch schon Börge entgegen, der sympathische, immer schwitzende Drummer mit dem Aufmerksamkeitsproblem, das sich ganz gut dadurch lösen lässt, vor dem Konzert durch jede Menge Fans zu spazieren.
Aber wie bereits gesagt, gehören wir zu der coolen Fraktion und lassen Börge in Ruhe. Er schwitzt einfach zu viel.
Wir begucken uns lieber den Ort des Geschehens. Das Rockefeller hat eine schöne Bühne, es ist relativ groß, bei ausverkauften Konzerten haben hier 1300 Leute Platz. Es gibt eine Galerie, die wir näher in Augenschein nehmen, sehr schöne Toiletten und sogar eine Minibank, falls man sich noch spontan dazu entscheiden sollte, den kompletten Merchandise-Stand leer kaufen zu wollen... Man weiß ja nie...
Die Mitte des Raumes ist eingezäunt. Hier ist ein riesiger Bereich für Ton und Licht. Bisher der größte, den ich gesehen habe. Vielleicht weil ich da sonst nicht so drauf achte. Aber wir suchen uns ein Plätzchen zum Sitzen abseits des Geschehens und teilen uns eine Cola zum Kampf gegen die Unterzuckerung.
Wir erzählen uns außerdem, welche Lieder wir uns wünschen. Palme hält sich bedeckt, er will nur Kapitalens Spel. Was garantiert nicht gespielt wird.
Zahl wünscht sich: Slukk Meg, Dynasti, Våre Fiender, Skambankt! und Stormkast #1. Na, da stehen die Chancen schon anders.
Ich hätte gerne: Skambankt!, Vår Bør, Stormkast #1, Feil und Trygge Rammer. Das letzte am liebsten, weil ich es so liebe, aber da sie es noch nie live gespielt haben, mache ich mir wenig Hoffnungen.
Zunächst einmal entern aber Kverlertak die Bühne. Sie sollen aufwärmen und nachdem ich schon einmal bei Myspace in die Musik der Herren reingehört habe, graust es mir sehr.
Vor uns bauen sich drei (!) Gitarristen, ein Bassist, ein Drummer und ein Sänger auf. Und legen los. Die haben Spaß ohne Ende und um ehrlich zu sein, bin ich überrascht, wie gut mir die Musik dann doch gefällt. Einziges Problem: Der Sänger. Oder wohl besser: Der Schreier. Es ist ein einziges Brüllen... Zahl guckt verwirrt zu mir rüber und fragt "Singen die eigentlich Englisch oder Norwegisch?" Von der Homepage weiß ich, dass es Norwegisch ist, verstehen tue ich hier allerdings kein Wort. Es könnte genauso gut Indonesisch sein. Und während der Bassist und die Gitarristen ordentlich Stimmung machen, zieht der leicht übergewichtige Sänger dann auch noch bedrohlicherweise sein T-Shirt aus. Herregud. Das ist nicht schön mit anzusehen.
Zum Ende hin verlässt er als erster die Bühne und lässt die anderen noch eine Weile vor sich hingniedeln. Endlich findet man auch mal Zeit, die Musik in Ruhe zu genießen. Obwohl Ruhe bei so einem recht harten Rock vielleicht auch das falsche Wort ist. Das Publikum geht auf jeden Fall schon mit der Vorband ordentlich mit. Von wegen steifes Oslo...
22:15, Zahl
Die Lichter gehen an und ein Ohrkrebs verursachendes Gestöhne ist vorbei. as haben sich die Skambankter nur bei dieser Vorband gedacht? Musikalisch: nungut. Macht Spaß. Aber das Geschreie eines unansehnlichen Klotzes dazu lässt mich kkurz überlegen, ob ich mich wieder in unsere Colaecke setze und das Publikum nach bekannten Gesichtern absuche. Neben mir wippt Palme im Takt mit und auf der anderen Seite steht eine festgefrorenen Jule mit offenem Mund. Hmmm. Dann haben wir unsern Spaß, indem wir die Jungs auf der Bühne einfach verarschen. Das klappt immer. Da kommt die Euphorie zurück. Nach einigen nachgestellten Dancemoves und Rockposen des unausgelasteten Bassisten genießen wir die letzten instrumentalen Harmonien und suchen nach dem geeigneten Platz inder Menge. Sicherheitsabstand vor der Moshpit, trotzdem mittendrin im Geschehen und vielleicht auch noch gute Sicht. Ja: bitte gute Sicht. Jeder wuselt nochmal dorthin, wo er muss, das heißt, Jule aufs Klo, Palme wartet wie ein Fels in der Brandung auf unserem Platz und ich husche durch die Menge, scanne das Publikum, beobachte verdächtige Personen, lache mir ins Fäustchen ob dieses wunderbaren Ortes hier und schlängel mich zurück, als auch schon das Lict ausgeht und das Spektakel beginnt.
22:30, Vintersju
Dann kommt die elendige finale Umbaupause, die immer so furchtbar lange dauert... Aber heute verfliegt sie dann doch recht schnell.
Die Lichter gehen aus und Börge besteigt seinen fünf Meter hohen Schlagzeugthron. Er hat sogar noch Klamotten an und beginnt das Intro von Slukk Meg... auf sein Schlagzeug einzudreschen, auch Hans Panzer, Tollak und Terje kommen auf die Bühne und beginnen ein Konzert, bei dem man von der ersten Sekunde an spürt, dass es nur großartig werden kann!
Am Ende von Slukk Meg dann ist Terje aber auf einmal weg, schwupps, ist er gestürzt. Ohne eigentliches Hindernis verliert er einfach kurz das Gleichgewicht und liegt am Boden. Sein Mützchen taucht zuerst wieder auf. Er guckt, ob mit der Gitarre alles in Ordnung ist, murmelt etwas unverständliches in das Mikrofon, grinst verlegen und meint "Hva faen... (oder eher Ka faen, berücksichtigt man den Dialekt)", das verstehen wir dann schon wieder... Tollak und Hans haben auch sichtlichen Spaß an diesem kleinen Sturz, der motivierend auf die ganze Band wirkt.
Skambankt lassen dem Publikum keine Pause, Zahls Wunschlieder werden eins nach dem anderen herausgeschleudert... Stormkast #1, Skambankt, bei dem sogar Palme trotz seines politischen Hintergrundes aus vollem Halse "Alternativet er anarki" mitschreit, Dynasti, Vår Bør... Dann hält Terje inne und beginnt zu fragen, ob wir uns gut das neue Album, Hardt Regn, angehört haben. Selbstverständlich haben wir. Denn da ist ein Lied drauf, dass sie noch nie live gespielt haben. Und das würden sie jetzt gerne nachholen. Es heisst Trygge Rammer. Dann nestelt er an seiner Gitarre rum und haut den unvergleichlichen Anfang in die Seiten. Sie spielen tatsächlich Trygge Rammer! Besser geht´s nicht. Mein Wunsch ist erfüllt. Das Lied wird für mich das absolute Highlight des Abends.
Unsicherheiten und verpasste Einsätze werden bei dieser Band sympathischerweise durch kleine Gespräche mit dem Publikum retuschiert...
Auch bei Malin und Me sa nei! geht die Extase ungebrochen weiter. Während Me sa nei! ist es typisch, dass das Publikum bis zu einer bestimmten Zahl hochzählen muss. Heute entscheidet sich Terje für 51! Also geht das Zählen los: en, to, tre, fire, fem, seks... Ab den 20ern muss das Publikum überlegen. Palme versteht nicht ganz, was vor sich geht und Zahl und ich versuchen unser bestes hinterher zu kommen. Bei 51 geht das Lied explosionsartig weiter. Später erklärt uns Terje, dass wir die 51 als Kompliment auffassen dürfen, denn es wurde schon bis 36 gezählt, ja auch schon mal bis 42, aber noch nie bis 51!
Das Publikum versucht durch tosenden Applaus dieses Lob zurückzugeben.
Es folgen das seit fünf Jahren nicht mehr gespielte Panzersjokk, O Dessverre und Tyster. Dann setzt Skambankts einziges ruhiges Lied ein: Tanker Som Mareritt, einer von Palmes Favouriten, nachdem die Band eigentlich von der Bühne gehen wollte. Weil aber die Stimmung so gut ist, schieben sie noch Alarm! hinterher. Hierfür holen sie einen Herren mittleren Alters auf die Bühne, der das Lied einzählen soll. Terje erklärt, dass sie in letzter Zeit Kritik dafür geerntet hätten, immer nur junge Mädchen auf die Bühne zu holen und er sich deswegen heute für diesen 55 jährigen Mann entschieden hätte. Dieser protestiert von hinten, dass er erst 45 sei, woraufhin sich Terje selbstverständlich bei ihm entschuldigt und ermahnt, dass die jungen Leute ruhig an die Schule denken sollen, denn bei Skambankt hat man auch noch im hohen Alter die Chance auf die Bühne geholt zu werden!
Wie schön, hier lernt man ganz nebenbei auch noch Lektionen für´s Leben.
Nach Alarm! verschwinden sie dann kurz hinter der Bühne. Sie haben sie noch gar nicht ganz verlassen, da setzt ein Publikumschor mit Skambankt-Rufen ein und schnell sind sie wieder zurück für Nok Et Offer.
Nach dem Lied fällt Terje etwas ein, er bittet das Publikum einen Moment zu warten und huscht zu Tollak um mit ihm zu flüstern, danach zu Hans Panzer und schließlich zu Börge... Dann kommt er ans Mikrofon zurück und erklärt, dass sie ein kleines Bandtreffen auf der Bühne hatten und beschlossen haben, jetzt als letztes Lied für uns KKK! zu spielen, wofür sogar Prepple, der Sänger der legendären norwegischen DumDum Boys als Gastvokalist auf die Bühne kommt.
Ein würdiger Abschluss für ein großartiges Konzert, das, wie das bei allen großartigen Konzerten immer so ist, noch viel länger hätte dauern können!
01:00, Zahl
Und vorbei die gute Zeit. Ein Phenomenales KOnzert geht zuende. Wer hätte das gedacht. Kaizerverwöhnt rechne ich mit noch einer Zugabe, aber die Lichter gehen an und Audioslave darf Rausschmeißer sein. Wir bleiben noch ein bisschen stehen, sehen die Leute an uns vorbeigehen und die Roadies die Kabel von der Bühne rollen. Der Raum wird leerer und auf ein Neues kommt es mir sovor, als ob alle Konzerträume nach dem Ende eines Konzertes einen roten Schimmer haben. Wie ein Raum, in dem gerade eine Menge Schießpulver losgefeuert wurde und der Dunst noch in den Hallen liegt. Das Rockefeller stößt die Türen auf und die Nachtluft nimmt Schweiß-, Bier-, Rauch- und Technikdünste mit nach draußen.
geschätztes 01:30, Vintersju
Im Nachhinein sagt die Band, dass es ihr bestes Konzert bisher in Oslo war. Gut, dass wir Zeugen waren und unseren Teil, als enthusiastisches Publikum beitragen konnten... Palme ist so begeistert, dass er sich umgehend ein T-Shirt kaufen muss, was er erst tun darf, nachdem wir ihn in die Arme genommen haben und ihm mal ordentlich zum Geburtstag gratulieren.
Mit neuem T-Shirt unter dem Arm und Freude in unseren Herzen spazieren wir für unsere eigene kleine Aftershowparty zum Mono.
Aber da heute auch Kulturnacht in Oslo ist, sehen wir uns einer langen Schlange und Ausweiskontrollen gegenüber. Nachdem es vor dem Internasjonalen nicht anders aussieht, beschließen wir in einem gemütlichen Pub in der Torggata einzukehren.
Dort spielen sie die Human League, musikalisches Kontrastprogramm.
Aber... einen großartigen Abend muss man sich ja auch nicht versauen. Deswegen wollen wir erstmal Zahls Sachen aus dem Schließfach im Bahnhof holen, bevor wir uns auf den Weg nach Hause machen. Es gibt nur ein winziges Problem: Es ist inzwischen halb drei und der Bahnhof wird gerade abgeschlossen. Alles ist verrammelt, verriegelt und vergittert.
Zahls Sachen verstecken sich irgendwo tief im Schlund dieses Hochsicherheitsgefängnisses. Okay. Dann holen wir sie eben morgen. Und gehen jetzt nach Hause. Ja, gehen. Zahl ist ja da, wie soll es also anders kommen, als mal eben 1 1/2 Stunden zu Fuß bergan nach Hause zu gehen? Okay, das bergan ist in Oslo nicht so steil wie in Trondheim... Aber den Weg nach einem heftig durchtanzten Konzert zu gehen, ist schon kein sonderlich großes Vergnügen. Irgendwann gegen 4 Uhr morgens haben wir aber auch das geschafft und lassen uns nach einem warmen Schälchen Griess in die wohlverdienten Betten (oder das Bett und die Isomatten) fallen.
03:15, Zahl
Wir laufen nach Hause. Natürlich. Denn, was Jule nicht gedacht hätte: es gibt auch einen Fußweg nach Bjerke. Jules eigenes kleines Rom. Haha!
Unterwegs wirken sich die Ereignisse des Abends auf unsere Gemüter aus. Tollak, der Bassist, hat mit Abstand den Preis für den größten Sexappeal des Abends gewonnen. Selbst Jule, die vor Terje nur so dahinschmilzt, weiß sich nicht zu helfen:
"Wenn Tollak auf mich zugekommen wäre und Sex gewollt hätte - ich hätte nicht nein gesagt!"
Bei dieser Aussage bleibe ich wie angewurzelt auf der Straße stehen. Hat sie das wirklich gesagt, oder war das die Wolke des Wahnsinns, die mich glauben macht, ich hätte es gehört? Meine sonst so prüde Jule hat gerade wilde Abenteuer in ihrem Kopf! Unglaublich. Palme findet das alles ganz amüsant und trottet zufrieden hinterdrein.
Jule zählt die Busstationen ab, um sich so den Weg zu erleichtern. Ich zu meinem Teil finde diesen nächtlichen Spaziergang hervorragend. Ich überhöre Jules Gezähle und summe vor mich hin...
Slukk meg for eg brenner!
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