Zeit für mich, das bin ich schon gar nicht mehr gewöhnt. Was macht man da denn überhaupt?
Ich beschließe mich nach einem Spaziergang durch die Stadt in meinem Zimmerchen einzuschließen und Horrorfilme aus den 80ern zu gucken. Tanz der Teufel I und II. Das rückt die Dinge wieder ins rechte Licht.

Und am Mittwoch fallen mir dann auch die guten Menschen hier ein, die ich zugegebenermaßen in den letzten Wochen ein wenig vernachlässigt habe. Deswegen schreibe ich dem Andi mal eine Mail und erhalte unmittelbar eine Antwort, dass ich doch heute Abend mal mit ins Chateau Neuff kommen soll, weil da heute eine dänische Band spielt. Efterklang, heißen sie und machen gute Musik.
Warum also nicht...? Ich hab ja Donnerstag frei, weil Oyvind leider immer noch krank ist und Lust hab ich auch. Gott sei Dank, denn Efterklang sind eine hervorragende Überraschung. Nachdem mich schon die Vorband relativ begeistert hat, hauen mich Efterklang quasi um. Und nicht mit Wucht, denn sie sind eher ruhig und athmosphärisch.
Das schönste von allem ist, dass das Konzert im Theaterraum stattfindet, der aufgebaut ist, wie ein Amphitheater mit bequemen Sesseln. Die norwegischen Studenten lassen sich also sitzend von schüchternen Dänen beschallen und loben die Musik mit enthusiastischem, tosenden Applaus. Wir sollen nett zu dem Mädchen am Keyboard sein, denn sie ist das erste Mal in Norwegen und kennt es bisher nur aus Twin Peaks, was nicht der beste Eindruck ist. Aha. Humor besitzen sie also auch.
Efterklang haben Beats, aber die stören nicht, weil sie sich im Hintergrund halten und immerhin gibt es ja auch eine Geige, Klavier, Schlagzeug, Bass, Trompete, Gitarre und immer wieder eine Extraportion Percussion... Nicht mal zum Mitklatschen müssen die als ach so kühl verschrienen Norweger animiert werden. Alles funktioniert von selbst.




Nach einem Abschied mit Standing Ovations kommen die ganz verblüfften und sichtbar glücklichen Musiker noch zu einer Zugabe auf die Bühne zurück, für die der Geiger im Einkaufswagen hereingefahren wird. Und plötzlich, ich kann mir immernoch nicht erklären wie, springen alle Menschen von ihren Sesseln hoch und rennen vor zur Bühne. Es gab keinen Aufruf von der Band. Die Norweger sind einfach aufgetaut. Und das richtig. Alle stürmen nach vorne. Wir blicken uns kurz verwirrt um und stürmen mit!
An der Bühne wird uns ein Chor beigebracht, der ziemlich kompliziert ist, aber von dem Publikum fehlerlos umgesetzt wird. Die Stimmung ist unglaublich, obwohl die Musik nicht tanzbar oder sonderlich fröhlich ist. Irgendwie macht sie aber alle Leute in diesem Theater glücklich. Und das reicht. Absolut.
Und am Ende kann man sich umsonst ein Poster mitnehmen. Wer also bisher nicht überzeugt war, den kriegt das kostenlos Angebot hier in Oslo auf jeden Fall rum! Und wer Gratisposter anbietet, der stellt auch Gratis-Downloads zur Verfügung.
Deswegen also:
http://www.efterklang.net/
http://www.myspace.com/efterklang
Vintersju.
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