Montag, 5. September 2011

Ting og tang, bøtter og spann

Mir flusen gerade jede Menge Dinge im Kopf herum...
Die muss ich jetzt mal mehr oder weniger ordnen und in die Tasten hauen.

#1 : Ein neuer Mitbewohner.
Als ich am Freitag nach dem Granittrock nach Hause kam, saß jemand in der Küche, den ich noch nicht kannte. Das passiert hier für meinen Geschmack zu häufig, aber diesmal war ich sehr angenehm überrascht. Der junge Mann stellte sich als Lasse vor. Er ist ein Freund von Simon, der jetzt in Tromsø studiert und wohnt von nun an in seinem Zimmer. Er hat schon einen Bachelor als Ingenieur und studiert jetzt noch einmal Design. Dabei ist er in einem Programm, das ihn recht fix herum führt, denn (und hier lauert die schlechte Nachricht) in Oslo ist er nur für einen Monat. Danach geht's nach Polen, Deutschland, Frankreich und so weiter...
Das ist wirklich sehr schade muss ich sagen. Denn mit Lasse kann man sich sehr leicht unterhalten. Und er ist der Meinung, dass mein Norwegisch sehr gut wäre. Das zweifel ich nach wie vor leicht an. Aber das zu hören, ist schon auch nicht schlecht.
Auf jeden Fall hat er mir vor dem Hintergrund, dass mir der Prekestolen so gut gefallen hat, vorgeschlagen, mal zum Gaustatoppen in der Telemark zu fahren. Er hat mir auch direkt ein paar Fotos von seinem Familienausflug dahin gezeigt und das sieht echt super aus und steht von jetzt an auf der To-Do-Liste.

#2 : Nachtrag zum Putzen
Während meines Wohnungsputzes bin ich in der Wohnung wild auf und ab gelaufen. Wie man das so macht. Oder wie ich das so mache. Ich wusste, dass der Mensch aus Nepal und Joke nicht da waren. Und weil ich nicht jedesmal der Mensch aus Nepal schreiben möchte, nenne ich ihn von jetzt an als Freund des Anagramms Alpen.
Doch nach diversen Stunden absoluter Stille kam dann der Junge aus Maggies Zimmer heraus. Blöderweise zum gleichen Zeitpunkt, zu dem ich aus meinem Zimmer trat. Er versteckte sich also sofort wieder und ward nicht mehr gesehen.
Damit kann ich eindeutig den Preis für den merkwürdigsten Mitbewohner an das Phantom (so wird er von jetzt an heißen) abgeben.

#3 : Wahltag
Irgendwie bin ich immer hier, wenn gerade Wahl ist. Interessanterweise hat nach den bisherigen Umfragen die Arbeiterpartei, die durch den Umgang mit den Anschlägen vom 22. Juli großes Lob bekommen hat, keine Mehrheit.
Dennoch sind die allgemeinen Ergebnisse der Vorumfragen beruhigender, als die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern, an denen ich brieflich teilgenommen habe. 6% für die NPD? Das ist erschreckend.
Was mich aber am meisten fasziniert, war dieser Wahlstand:


So eine schöne Oslo-Holzkonstruktion und wenn man ein Türchen aufmacht, kommen Wahlprogramme raus.

#4 : Noch mehr Politik und Bildung.
Am Samstag habe ich meine erforderlichen Stempel bekommen. Demnächst liegt dann meine norwegische Personennummer im Briefkasten und ich kann dann machen, was andere Norweger auch können. Ein Konto eröffnen zum Beispiel.
Sehr positiv war außerdem, dass ich herausgefunden habe, dass es ganz hervorragend ist, am Samstag in die Bibliothek zu gehen. Es war nämlich herrlich leer. Und ich bin ja großer Fan dieser grünen Lampen. Die sind aber auch schön.


Lediglich an die allgemeinen Öffnungszeiten muss ich mich noch gewöhnen. Denn in Leipzig hatten wir eine Bibliothek, die immer offen war. Rund um die Uhr. Gut, die hab ich nicht genutzt. Aber ich kenne Leute, die das tun.
Und die, in der ich mich aufgehalten habe, hatte auch bis 22 Uhr geöffnet. Hier wird die Hauptbibliothek um 19:45 Uhr dicht gemacht. Und am Samstag schon um 15 Uhr. Andererseits ist es sicherlich auch nicht verkehrt, seine Studenten zu sehr in den Lernwahnsinn zu treiben. Und es ist schöner ins Grüne zu schauen.



#5 : NOAM CHOMSKY.
Ich stand vorhin eine Stunde lang in einer Schlange, um ein Ticket für die morgige Vorlesung von Noam Chomsky abzugreifen. Die Veranstaltung an sich ist kostenlos, aber da unglaublich großer Andrang besteht, wird man nur hereingelassen, wenn man ein Ticket vorzuweisen hat. Und jeder in der Schlange durfte nur ein einziges haben. Der Saal, in dem der Herr spricht, fasst 1000 Menschen. Außerdem wird sein Vortrag über Videoleinwand in die anderen Räume der Studentenvereinigung übertragen.
Warum der Aufriss? Wer ist dieser Noam Chomsky?
Ach, es handelt sich nur um den bedeutendsten Sprachwissenschaftler der Welt. Chomsky ist der Begründer der generativen Grammatik und hat mit seinen Arbeiten nicht nur die Linguistik, sondern auch Kognitionswissenschaften und Psychologie bedeutend vorangetrieben. Es gibt auch heftige Kritik an seinen Erkenntnissen, aber das tut seiner Bedeutsamkeit keinen Abbruch. Inzwischen ist er außerdem als politischer Aktivist bekannt, der starke Kritik an der Außen- und Wirtschaftspolitik seines Heimatlandes, den USA, übt.
Ich bin sehr gespannt und freue mich auf morgen Abend.


Deswegen stand ich also eine halbe Stunde vor Beginn der Ticketvergabe in einer noch recht überschaubaren Schlange. So dachte ich zumindest. Doch als ich nach 10 Metern dann im Gebäude war, musste ich erschrocken feststellen, dass auf dem gesamten untersten Stockwerk noch ein ausgeklügeltes Schlängelsystem zu bewältigen war. Aber ich bin ja geduldig.
Als ich aus dem Samfundet kam, war die Schlange übrigens immer noch so lang:


So. Ich glaub, das war erstmal alles, was mir im Kopf rumschwirrt.

Bleibt nur noch eins zu sagen: Von Marlenes Blog möchte ich im Folgenden die Kategorie "Lied des Tages", also dagens låt, klauen.

dagens låt: Get Ready For Love von Nick Cave & The Bad Seeds.

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