Am Freitag war es soweit. Die Universität Oslo hat ihren 200. Geburtstag gefeiert.
Der erste Schritt zur großen Party war das Ausfallen aller Lehrveranstaltungen.
Somit hatte ich meinen Vormittag frei und nutzte ihn - zugegebenermaßen wenig feierlich - zum Wohnungsputz.
Denn diese Woche war ich mit dem Putzen dran und was soll ich sagen? Es war bitter notwendig. Ich kenn mich ja nicht so gut mit anderen Kulturen aus, aber Palme und ich haben neulich erörtert, dass die meisten Menschen einfach nicht vernünftig sauber machen können. Wenn ich da so Spuren von 'nem Waschlappen auf dem festgebrannten Dreck auf dem Herd sehe, kann ich nur lachen. Oder aber weinen. Das kommt natürlich auf die jeweilige Stimmung an.
Also hab ich mir den Metallschwamm gegriffen, denn theoretisch ist die richtige Ausrüstung da und der Herd ist mal wieder entkeimt. So wie auch alles andere. Am befriedigendsten waren die Fugen in der Dusche. Was da beim Abspülen für braunes Wasser runter kam... es gibt keine Worte.
Aber jetzt ist ja alles schön und der Tag wurde besser.
Nach fünf bin ich zur Uni gefahren, um mir das kostenlose Geburtstagskonzert mit Big Bang anzuschauen.
Der Rektor der Uni kündigte das Konzert an. Dabei erwähnte er, dass jemand mal zu ihm gesagt hätte, wenn man auch nur 1/3 der Angestellten und Studenten seiner Uni aus was für einem Grund auch immer auf einem Platz versammeln kann, hat man die beste Universität der Welt. Somit sind wir spitze. Eine recht schöne Erkenntnis, die auch vom gut gelaunten Publikum entsprechend bejubelt wurde.
Ich glaube, der Rektor schneidet gerne Bänder durch, denn das hat er vor dem Konzert auch gemacht. Warum weiß man nicht so richtig, außer, dass damit die offiziellen Feierlichkeiten eröffnet waren.
BigBang sind drei Herren, die auch teilweise an der UiO studiert haben und somit passend als Bespaßer gewählt wurden. Die haben sehr auf Rock'n'Roll gemacht, waren für meinen Geschmack aber ein bisschen zu lahm. Gut, die Leute waren alle super drauf, deswegen war die Stimmung schon recht gut, aber ich glaube nicht, dass ich Geld für ein Konzert von denen ausgeben würde. Allerdings haben mir auch zwei, drei Lieder gut gefallen. Darunter "Girl in Oslo" und "Welcome To The Mountain".
(Die Verlinkungen sind aus gutem Grund Livevideos. Die Albumversionen auf Youtube fand ich nicht besonders überzeugend.)
Das Konzert war mit lauter Gästen gespickt, die in irgendeiner Form mit der Universität zu tun hatten. Unter anderem gab es eine Studentin, die gerade eine Platte aufnimmt, ein früheres Mitglied von BigBang, das jetzt an der Uni arbeitet, den Sänger von King Midas (um Gottes Willen, was ein Proll...) und Lars Lillo-Stenberg von den deLillos! Der war ein wirkliches Highlight! Die deLillos haben hier ziemlichen Kultstatus. Gespielt haben sie "Stakkars Lille Oslo", ein humorvolles und sehr treffendes Lied. Der Titel heisst soviel wie armes, kleines Oslo.
Am besten gefallen hat mir aber der Stagedive-Versuch des Sängers. Er hat vor dem Sprung noch versucht, die Leute direkt vor der Bühne zu verdichten... aus gutem Grund. Denn als er sprang, war er schnell verschwunden. Ich glaube nicht, dass er auf den Boden fiel, aber es waren nicht genug Leute da, um ihn wirklich oben zu halten und die meiste Zeit über habe ich nur seine Füße gesehen. Ich schätze, ihm ist recht viel Blut in den Kopf gestiegen...
Nach dem Konzert teilte sich die Masse auf. Es gab Partys in den Unipubs, die Übertragung des EM-Qualifikationsspiels Norwegen - Island (1:0), ein klassisches Konzert und noch mehr.
Ich habe mich jedoch dazu entschieden zum Granittrock zu fahren. Ein Festival, das einmal im Jahr gratis und ohne Altersbegrenzung stattfindet. Eine halbe Stunde in der T-Ban später war ich also in Grorud und der Deutsche in mir kam durch.
Denn ich wusste nicht, wo die Arena Lillomarka, in der das Ganze statt finden sollte, ist. Und da bin ich davon ausgegangen, dass sowas ausgeschildert wird, aber NEIN! Nix. Es kamen direkt zwei Mädels auf mich zu, die wissen wollten, wie sie zum Granittrock kommen. Tja. Ich war nicht hilfreich. Auch die nächste Gruppe junger Leute, die sie anquatschten waren es nicht, aber die waren immerhin eine Weile in die offensichtlich falsche Richtung unterwegs. Deswegen habe ich mich für die andere entschieden.
Ich war überzeugt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, als ich merkte, dass dieser ausschließlich relativ steil bergan führt. Ich muss immer dahin, wo es bergan geht. Nach einem viertelstündigen Marsch kam ich dann in der Arena Lillomarka an. Das klingt wie ein befestigtes Gebäude oder ähnliches, ist aber nur ein Stück Wiese hinter einem Hügel.
Als ich ankam spielten Kvelertak. Hach, Kvelertak. Über die wurde schon einmal an anderer Stelle berichtet.
Meine Meinung hat sich nicht geändert muss ich sagen. Und die Eindrücke ebenfalls nicht. Das erste was ich auf der Leinwand sah: Der Sänger ohne T-Shirt. Der Anblick ist seit 2009 nicht schöner geworden.
Auf den Bildern ist ganz gut zu erkennen, dass da nicht unbedingt sehr viele Leute waren und dank der zeitlich extrem unpraktischen Planung, nach der Kvelertak um 20 Uhr fertig waren und die nächste Band erst 21.30 Uhr anfangen sollte, sind sehr viele Leute da schon gegangen.
Ich habe mir die Zeit mit einer recht unsympathisch poppigen Band aus Bergen auf der anderen Bühne vertrieben. Simon Says No sagen mir nicht wirklich zu. Das beste an dem Konzert war ein kleiner Junge, der einen Lutscher an einer Kette im Kreis vor sich her geschleudert hat und damit eine große Gefahr für alle Passanten bot.
Nach langer, langer Wartezeit setzte auf der Hauptbühne das Zirpen von Grillen ein. Es war das Intro zu Kitchie Kitchie Ki Me O. Von der Band kannte ich eigentlich nur den Namen und wusste, dass sie hochgelobt sind und sich aus früheren Mitgliedern von Madrugada, My Midnight Creeps und Ricochets zusammensetzen.
Zu diesem Zeitpunkt war es vor der Bühne noch bedenklich dünn besiedelt.
Das wurde während des Konzerts auch nur bedingt besser. Die Musik allerdings hat mir sehr gut gefallen. Das kam recht unerwartet, weil ich wirklich keinerlei Vorstellungen hatte. Ich war nach dem Konzert so begeistert, dass ich mir sofort das Album gekauft hätte. Allerdings hat sich dieser Enthusiasmus ein bisschen dadurch gebremst, dass ich inzwischen die Albumversionen gehört habe. Die überzeugen mich nicht ganz so, wie der Liveauftritt.
Und bis auf den Percussionisten und den Saxophonisten hat die Band leider einen extrem unsympathischen Eindruck gemacht. Das ist mir recht egal, wenn die Musik gut, aber nicht ausreichend, um mein Geld zu investieren.
Trotzdem zwei musikalische Beispiele von Liedern, die ich live fantastisch fand: "It Must Be Real" und "Everything Burns".
Auf dem Rückweg musste ich nochmal an der kleineren Bühne vorbei und auf der spielten gerade Deathcrush. Die hatten eine interessante Bandzusammensetzung aufzuweisen. Neben einem männlichen Schlagzeuger gab es nämlich nur noch zwei Gitarristinnen. Was die aus ihren Instrumenten rausgeholt haben, war gar nicht schlecht. Nur der Gesang hatte zu viel kreischiges. Das sollte sicherlich so, ist aber nicht unbedingt das, was mir gefällt.
Ein musikalisch höchstinteressanter Freitag war es aber ohne Frage.







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