Donnerstagmorgen, 4.00 Uhr: Ich komme bei mir zu Hause an. Dreieinhalb Stunden nach der geplanten Ankunft.
Was war passiert?
19:30 Uhr, Flughafen Schiphol, Amsterdam: Palme bringt mich nach dem Check-In noch zur Sicherheitskontrolle und verabschiedet sich. Alle Flüge müssen selbstverständlich durch die gleiche Sicherheitsschleuse und das dauert einige Zeit. Gegen 20 Uhr sitze ich an meinem Gate. In 45 Minuten soll es ins Flugzeug gehen. 21:25 Uhr ist dann die geplante Abflugszeit.
Ich mache es mir gemütlich und bringe meine Übersetzung für meinen morgigen Stilistikkurs ins Reine. Die Boardingzeit naht, aber es ist noch kein Flugzeug zu sehen. Ich erinnere mich an den Herflug. Man kann hier schon mal eine Weile warten, bis man als Flugzeug tatsächlich ans Flughafengebäude vorgelassen wird. Schiphol ist ein großer Flughafen mit viel Verkehr. Kurz nach 21 Uhr kommt die Maschine dann. Die Boardingpässe wurden bereits kontrolliert, es müssen nur noch alle schnell einsteigen. Ich freue mich auf meinen Sitz am Gang und bin nach ein paar Minuten noch mehr begeistert, denn ich stelle fest, dass ich meine gesamte Dreiersitzreihe für mich selbst habe. Platz!
Doch das Flugzeug startet und startet einfach nicht. Nach einer Weile kommt dann die Durchsage des Kapitäns: Das Flugzeug neben uns, auch ein Norwegian-Flug, sollte eigentlich nach Kopenhagen weiterfliegen, aber die Landungsbrücke wurde gegen die Tür gerammt, hat diese kaputt und das Flugzeug damit flugunfähig gemacht. Wir möchten uns bitte kurz gedulden, es wird debattiert, ob wir die Passagiere nicht bei uns mit an Bord nehmen und über Kopenhagen fliegen sollen.
Nach einer ganzen Menge Geduld erfahren wir das Ergebnis: Die Leute sind auf dem Weg in unser Flugzeug. Wir sollen so gut Platz machen wie möglich und nicht all zu böse sein.
Nach ein paar weiteren Minuten ist das Flugzeug rappelvoll. Das Verstauen des Handgepäcks erweist sich als schwierig, Leute, die wenig haben (so wie ich), müssen es sich an die Füße stellen. Und mit massig Verspätung fliegen wir also nach Kopenhagen.
Dort werden die Leute und das Gepäck so schnell wie möglich entladen, damit wir fix weiter können. Endlich habe ich meine Reihe für ich zurück und da ich ja weiß, dass ich allein bleiben werde, rutsche ich zum Fenster rüber. Immerhin gibt es Wasser (das gute Isklar sogar!) und Kaffee umsonst.
Ich mache mir meine Musik wieder auf die Ohren und versuche ein bißchen überzuschlafen. Doch diese gute Absicht wird schnell von Turbulenzen unterbrochen, die vielleicht nicht so schlimm waren, definitiv aber die heftigsten, die ich auf meinen 6 (bzw. 7) Flügen miterlebt habe. Heftiger Wind. Doch der Pilot beruhigt uns, wir nähern uns Oslo und je tiefer wir kommen, desto weniger wird es mit dem Schütteln.
Ich wundere mich, was der Flügel da für eine komische Fahne hinter sich herzieht... ob das wohl Wolken sind? Bei der Landung wird mir bewusst: Es ist Wasser, denn selbstverständlich regnet es stark in Oslo.
Wir landen 1:30 Uhr (und nicht 23:10 Uhr). Der Flughafen ist so gut wie verlassen, was bedeutet, dass es immerhin mit dem Gepäck fix geht. Ich mache mich so schnell wie möglich auf den Weg zu den Zügen, um festzustellen, dass der nächste um 5.25 Uhr fährt.
An dieser Stelle muss ich abwägen, ob ich lieber in Gardermoen bleibe, dort schlafe und früh in die Stadt fahre oder jetzt noch versuche, nach Hause zu kommen.
Ich bin sehr müde und hätte wirklich gerne mein Bett und zum Glück gibt es noch einen Bus, der die Flugbegleiterinnen nach Oslo bringt und die willigen Passagiere des späten Flugs auch mitnimmt. Nach 40 Minuten Busfahrt bin ich am Busterminal in Oslo.
Ich marschiere geschwind zum Hauptbahnhof um zu sehen, wann der nächste Nachtbus kommt und stelle erschrocken fest, dass die Nachtbusse nur am Wochenende fahren. Es ist 2:30 Uhr.
Da ein Taxi nicht in Frage kommt, schlüpfe ich in meine Regenjacke und werfe meinem Rucksack seinen Wetterschutz über, sattle auf und mache mich zu Fuß auf den Heimweg. Mir fällt spontan keine bessere Strategie ein, als der Straßenbahnlinie 18 zu folgen, die bis zur Uni fährt. Von da aus, kenn ich ja eine Abkürzung zu mir durch die Wohngebiete.
Je weiter ich gehe, desto mehr lässt die Dichte an Taxen und Regen nach. Und wenn ich nicht so müde wäre und mein Gepäck nicht so schwer, könnte man die 6km lange Wanderung mit Steigung (ich wohne ja auf einem der Berge) durch das stille, dunkle Oslo sicherlich genießen... Die letzten Meter den finalen Anstieg hoch sind die schwierigsten. Aber nach 1 1/2 Stunden Marsch bin ich zu Hause, lasse schweißgebadet meinen Rucksack fallen und schmeiße mich ins Bett.
Bis um 11 kann ich schlafen. Theoretisch. Praktisch ist das schwer umzusetzen, da ab um 8 unter meinem Fenster Rasen gemäht wird.
Doch war die Reise solche Strapazen wert?
Die nächsten Blogeinträge sollen dem geneigten Leser einen Eindruck verschaffen.
Dagens Låt: Level - The Raconteurs
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