Gut ausgeschlafen überlegen wir uns wie wir den Tag gestalten...
Palmes Freunde hatten einen Ausflug nach Den Haag geplant, bei dem wir eigentlich mit wollten, doch irgendwie wurde dieser Plan noch während der Geburtstagsfeier umgeschmissen und zu dem herzlich unattraktiven: Ein Tag im Zoo in Rotterdam umgemodelt. Hauptgrund dafür ist, dass eines der Mädchen aus Venezuela noch nie in einem Zoo war. Eine rührende Geschichte, aber für uns eher ein Anlass zum Abseilen.
Gestern haben wir aber auf unserem Streifzug durch die delft'schen Straßen einige Ausflugsziele entdeckt. Als allererstes steht das Vermeer-Museum auf dem Plan. Ich gebe zu ziemlich unwissend zu sein. Mir war nicht bekannt, dass Vermeer aus Delft kommt, ja, sein ganzes Leben nirgendwo anders verbracht hat. Aber man kann ja nicht alles wissen... Ich kannte auch nur ein Gemälde von ihm, den Klassiker, "Das Mädchen mit dem Perlenohrring". Auf jeden Fall hatten wir uns überlegt, dass uns ein bißchen Kultur ja nicht schaden kann. (Nur Palme war widerwillig, der hat nämlich den schönen Künsten endgültig zu Gunsten der Wissenschaft den Rücken gekehrt, der Stümper!)
Das Museum befindet sich passenderweise in dem Haus, in dem Vermeer gearbeitet hat und die Dame, bei der wir unsere Tickets kaufen, erklärt uns ganz genau, in welcher Reihenfolge wir das dreistöckige Museum anschauen sollen. Dabei fällt es sehr schwer ihr zuzuhören, sie hat nämlich derartig deformierte Zähne, wie ich sie noch nicht gesehen habe... und dann noch Englisch mit holländischem Akzent... das war schon anstrengend sich da erwachsen zu verhalten. Aber wir waren erfolgreich.
Ihrem Rat folgend haben wir im obersten Stockwerk angefangen. Dort bekommt man eine Einführung in die Symbolik die Vermeer verwendet. Das ist auf den ersten drei Tafeln noch ganz interessant, wird aber schnell lächerlich, da sich die meisten der Symbole ständig wiederholen (und somit auch ihre Erklärungstafeln) und prinzipiell hat ja alles mit Liebe zu tun.
Puuuh... als Mensch mit literaturhistorischer Bildung ist mir die Romantik ja nicht ganz fremd und auch ihr Symbolismus geht eben schwer in diese Richtung, aber diese Tafeln... Herr im Himmel. Die müssen von Frauen geschrieben worden sein, die unsterblich in Vermeer verliebt sind (oder aber seine Bildschirmperson in Form von Colin Firth). Man kann Sachen auch überinterpretieren... Aber wir nehmen es lustig und nutzen die Chance, ein Gemälde nachzustellen:
In der Etage darunter wird vorgestellt wie meisterlich Vermeer seine eigenen Farben mischte, mit Linien und Gesamtkompositionen umging und wie er das Licht nutzte. Zitat dazu: "Vermeer ist Licht." Alles klar.
Im Keller gibt es dann eine Filmvorführung, Reproduktionen mit köstlichen Bildbeschreibungen und diverse Möglichkeiten nachgestellten Gesprächen über Vermeer und seine Familie zuzuhören... Und immer nur Liebe, Liebe, Liebe... Das tut schon ein bißchen weh. Als wir rauskommen aus dem Haus, möchte ich am liebsten irgendwas kaputt machen oder zum Ausgleich einen Zombiefilm gucken. Doch wir finden Ablenkung in einem sehr schönen Strickladen, in dem wir uns allerdings nichts leisten können und in kindischen Frotzeleien:
Wenn man schon so gefragt wird... Hihihi.
Wir fliehen mal wieder in die Coffee Company. Zum szenigen Kaffee-trinkenden Jungvolk. Doch langsam kommt der Hunger und da kann auch der Kaffee nicht helfen. Schließlich entdecken wir eine recht günstige Pizzeria, die ziemlich gut aussieht und auch noch ein Angebot hat, bei dem man drei Pizzen für 15 Euro bekommt. Da müssen wir natürlich zuschlagen! Und da kann Palme ruhig öfter mal hingehen.
Gegessen wird selbstverständlich mal wieder an einer Gracht. Dort schwimmen immer recht viele Enten und Blässhühner drin. Die Blesshühner finde ich ziemlich gut. Die haben nämlich nicht nur diese komische weiße Platte vor'm Kopf, sondern auch riesige Füße. Ich stelle mal dar:
Die von denen in Delft sind sogar noch ein bisschen bunter!
Aber der Regen hängt uns über den Köpfen und Palme und Marlene wollen heute Abend noch zum Unikino. Ich würde auch gerne, habe aber beschlossen, die Zeit zu nutzen, um meine Stilanalyse zu schreiben, die ich noch am selbigen Abend abschicken muss. Ein bißchen Uni hier und da lässt sich als eifriger Student auch im Urlaub nicht vermeiden.
Also setze ich mich an Palmes Schreibtisch und kaue verbissen einen doofen Fussballbericht durch, während die anderen beiden Tekken spielen. Unikino war dann doch nicht, weil der Film in letzter Minute geändert wurde. Von einem animierten Kriegsfilm zu Ende der 80er Jahre Splatter. Und das ist dann doch nicht ganz Marlenes Genre.
Leider ist das schon unser letzter Abend in Delft, denn am Mittwoch ist Abreisetag, der zuvor in Amsterdam verbracht werden soll.
Also abschließend nochmal ein paar Delft Impressionen:
Dagens Låt: Zum Mittanzen! Superman Dance - Black Lace

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