Es ist 7:30 Uhr als der Wecker klingelt.
Letzte Nacht haben wir vor dem Einschlafen noch ein bißchen Psychoville geguckt und es wurde damit doch später, als eigentlich geplant. Marlene ist gleich eingeschlafen danach und Palme tönte noch, dass er gar nicht müde sei und deswegen noch ein bißchen Musik hören werde. Sowie er aber die Kopfhörer seines mp3-Players platziert hat, höre ich allerdings auch schon massives Schnarchen neben mir. Das kommt recht überraschend, denn den Rest der Tage über war Palme zu unserer großen Überraschung ein stiller Schläfer.
Nicht aber heute. Als Pazifist versuche ich zunächst so einzuschlafen (ich muss bemerken, ich hatte Ohropax drin!), aber das stellte sich als erfolglos dar. Es war einfach zu laut. Also hab ich mit einem leichten Tritt angefangen. Aus dem wurde kräftige Tritte, schweres Rütteln und zum Abschluss sogar ein Foto von ihm mit Blitz um irgendeine Reaktion, bevorzugt Umdrehen oder Aufwachen, aus ihm herauszukriegen. Aber Pustekuchen. Nix. Wie ein Stein hat er einfach weitergeschlafen...
Deswegen bin ich erst so gegen halb drei eingeschlafen und fühle mich dementsprechend ein bißchen gerädert. Aber heute gilt es keine Schwäche vorzutäuschen, denn bevor um 17 Uhr Marlenes Zug geht und ich mich Richtung Flughafen aufmachen muss, wollen wir noch den Tag in Amsterdam verbringen.
Das Schöne an den Niederlanden sind die hervorragenden Zugverbindungen. Mit denen kommt man wirklich schnell rum.
Unser Gepäck haben wir sicher weggeschlossen und sind dann zu Fuß weiter gezogen. Einer der ersten Anblicke, der sich einem bietet, wenn man aus dem Bahnhof kommt, ist dieser:
Wir sind hauptsächlich unseren Fußspuren von vor ein paar Jahren gefolgt. Die Erinnerungen sind einfach zu gut, um sie nicht zu pflegen. Dementsprechend ließ sich ein Ausflug in den Desigual nicht vermeiden. Das ist der erste Laden, in dem Änne und ich jemals das rauschhafte Gefühl des Shoppens erlebt haben. Was Klamotten angeht, ist er bei mir auch heute noch der einzige.
Marlene und ich sind jedoch schnell fertig mit dem Durchgucken und konzentrieren uns lieber darauf Palme einzukleiden. Wir finden ihm die beste Hose der Welt, die ihm hervorragend steht und die er selbstverständlich kaufen muss. Ja, sie ist so gut, dass wir später noch einmal zurückgehen, damit Marlene sie sich auch holen kann.
Mein persönliches Hauptziel war der Waterstone's, ein britischer Buchladen. Doch der befindet sich momentan im Umbau und hat auch nicht die Bücher, die ich mir gewünscht hätte... Nach langem Suchen finde ich dann aber doch noch die Nummer 1 auf meiner Liste und verlasse den Laden sehr zufrieden mit meiner Neuerwerbung.
Selbstverständlich ist man nicht so richtig in Amsterdam gewesen, wenn man sich nicht auch das Rotlichtviertel anguckt. Hierbei bin ich recht skeptisch, denn es ist ja mitten am Tag und ich kann mir nicht vorstellen, dass da viel zu sehen ist. Doch Palme überzeugt mich vom Gegenteil und tatsächlich stehen auch tagsüber diverse Damen in ihren Fenstern. Allerdings nicht die erste Wahl, würde ich vermuten...
Ich würde ja ganz gerne die Oude Kerk sehen, aber wie auch schon in Delft kann man nicht in die Kirchen gehen, ohne Eintritt zu bezahlen. Ich finde ja, dass das eine Frechheit ist. Geld für eine Kirche? Sollte die nicht vielmehr Zufluchtsort für Jedermann sein? Böse Kapitalisten... überall sitzen sie.
Aber man kann sagen, was man will. Amsterdam ist mit den ganzen Grachten schon eine sehr schöne Stadt, die definitiv einen Besuch wert ist. Und die Holländer sind alle sehr nett. Vielleicht wollen die einem alle bloß was verkaufen, aber als wir zum Beispiel in einen Süßwarenladen stolpern, gibt uns die Frau hinter der Theke diverse Proben von ihren Eissorten... Die sind so gut, dass wir uns schnell davonstehlen müssen.
Unserem Budget entspricht da eher eine Mahlzeit bei Burgerking. Das entspricht auch eher der Tradition des vergangenen Amsterdamaufenthalts. So im Nachhinein stelle ich fest, dass wir nicht gerade gesund gelebt haben. Aber es war ja Urlaub und mein Blut bekommt hier schon noch genügend Zeit zum entfetten. Ich esse immerhin oft das Vegetarier-Essen in der Mensa...
Doch unsere Zeit ist irgendwann vorbei und wir spazieren langsam zum Bahnhof zurück... denn auch die schönsten paar Tage müssen ja mal zu Ende sein. Wir verabschieden also Marlene auf ihre lange Zugreise. Gott sei Dank hab ich das Wissen im Hinterkopf, dass sie ja schon in zwei Monaten herkommt...
Und so langsam machen auch wir uns auf den Weg zum verfluchten Flughafen Schiphol. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich schon aufgeschrieben habe. Spannungsbogen und so.
Dagens Låt: Freed From Desire - Gala
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