Donnerstag, 8. Oktober 2009

Og eg merka at eg ikkje var meg mer...

Himmel Herrgott nochmal!
Diesen Blogg muss ich mit ein bißchen Blasphemie beginnen, weil ich mir während die Tage hier so verstreichen, dachte, dass es eigentlich nicht viel gibt, worüber ich bloggen könnte... Aber das habe ich mir jetzt anders überlegt.
Gut, nach dem Fjaerland-Ausflug habe ich hauptsächlich eines gemacht: Mich auf die Uni konzentrieren. Und möglichst wenig meine Beine benutzen.
Aber irgendwann ging es denen dann auch wieder gut.
Und die Uni macht im Moment echt ziemlichen Stress... Eine Hausarbeit nach der anderen will bis Ende Oktober fertig sein.
Da haben wir zum Beispiel die auf Englisch über Knut Hamsuns "Pan".
Die auf Deutsch über Hans-Ulrich Treichels "Der Verlorene".
Die auf Deutsch über den Konjunktivanalysen.
Und mein Favourit: Die auf Norwegisch. Zehn Seiten. Über ein Thema meiner Wahl. Ich habe gewählt (auch bei der Bundestagswahl im Übrigen! Dank schneller Briefwahl.) und mich für den Europäischen Sprachbund entschieden. Wie ich das auf Norwegisch hinkriegen soll, ist mir allerdings noch ein Rätsel.
Ja, bei soviel Stress muss man sich ab und an auch mal ablenken. Deswegen war ich am Samstag auf einem Konzert.
Begleitung hatte ich keine, aber das war eigentlich auch nicht schlimm, bei diesem Konzert sogar ganz schön, wenn ich ehrlich sein soll.
Ich war nämlich bei Christer Knutsen im Parkteatret.
Auf den Plakaten stand, dass das Ganze um 21.00 Uhr losgehen soll, weswegen ich, noch hoffnungslos mit der deutschen Mentalität verhaftet, auch pünktlich um neun vor dem Parkteatret stehe. Hm... Der Kartenverkäufer strahlt mich an und ist überfreundlich fast... Nicht, dass jemand im Parkteatret schon mal unfreundlich gewesen wäre, aber über so viel Enthusiasmus muss ich mich schon ein wenig wundern.
Allerdings folgt die Erklärung auf dem Fuße! Ich betrete nämlich ein noch komplett leeres Etablissement. Abgesehen von den Angestellten natürlich.
Oh. Das ist ja schon ein bißchen unangenehm. Also verbarrikadiere ich mich erstmal auf dem Klo und erdenke einen Schlachtplan. Hmmm... Hmmm...
Naja, das Nachdenken erübrigt sich recht schnell, denn ich kann ja nichts anderes machen, als abwarten. Das tue ich dann auch. Bis 22.30 Uhr.
Da haben sich dann so 60 bis 70 Leute eingefunden um ebenfalls den Herrn Knutsen anzusehen. (Herr Knutsen ist jener Herr in der schicken blauen Jacke. Der mit dem Riesenkopf.)
Das Problem mit Christer Knutsen, liebevoll auch der Knutsen Christer genannt, ist, dass er eine Art von Musik macht, die mir eigentlich nicht so gefällt. Er macht typisch amerikanische Songwritermusik, die stark an Bruce Springsteen erinnert. Aber ein Lied hat es mir wirklich angetan und weil der auch einfach so sympathisch ist, habe ich mir überlegt, dass ich ihm unbedingt die Chance geben muss, bei einem Liveauftritt richtig gut zu sein.
Das schafft er auch. Überraschenderweise. Charmant und witzig begrüßt er das Publikum als "kjaere, kjaere venner (liebe, liebe Freunde)" und wundert sich darüber, dass nur so viele Leute gekommen sind, als sei das Konzert an einem Montag. Dabei spielen er und seine Band, als würden sie vor einem ausverkauften Oslo Spektrum stehen... Das Merchandise haben sie komplett vergessen, dafür wird zum Paartanz aufgefordert. Immerhin ist ja genug Platz dafür. Und die ganze Zeit strahlt der dürre Frontmann eine solche Freude über das, was er da macht aus, dass man mit einem breiten Grinsen angesteckt wird. Und glücklich nach Hause fährt.

Der Sonntag steht wieder im Zeichen der Uni, bevor ich mich am Montagabend mit Martin und Andi im Unikino wiederfinde. Der Film heisst "Brennt av frost". Der erste Film, der hier gezeigt wird, den ich richtig, richtig schlecht finde.
Der Regisseur hielt es wohl für ästhetisch wertvoll eine halbe Stunde lang 30 sekündige Clips ohne jeglichen Zusammenhang über den Bildschirm flimmern zu lassen.
Erste Spuren von Handlung tauchen nur rudimentär auf. Irgendwann versteht man dann worum es geht. Aber den Film macht das auch nicht besser. Aber wenn man Interesse an norwegischen Spionen für die Sowjetunion hat und auch mal dauerhaft auf Dialoge verzichten kann und sich nicht vor abartigen Sexszenen scheut, der soll sich nicht bremsen lassen.

Am Dienstag haben mich Ann-Kristin und Gerda zu einem Abendessen nach Sogn eingeladen. Sie wollen für ein paar Freunde kochen. Dadurch lerne ich ein Haufen neuer Menschen kennen. Unter anderem Ismael aus Aserbaidschan, Damian aus Hongkong und drei Leute aus Korea, dem guten Korea (!), deren Namen ich mir nicht merken konnte. Obwohl - das Mädchen hieß Apple. Jeder habe an dieser Stelle seine eigenen Assoziationen...
Das Essen ist mehr als reichhaltig! Es gibt Brokkolisuppe, Gurkensalat, Currylachs, Reis, Früchte, Brot, Eis, Kuchen, Schokolade und Chips. Es zahlt sich somit aus, dass ich den ganzen Tag über wirklich nichts gegessen habe und mich nun hier ordentlich durchfuttern kann!
Aus purer Dankbarkeit übernehme ich dafür auch den Abwasch.
Angenehm überrascht bin ich von den Asiaten, die alle unglaublich offen sind und nicht so zurückhaltend wie man meist befürchtet. Vor allem ist ihr Humor trockener, als man sich vorstellt. Das finde ich sehr gut.
In meinem schönen Cape flitze ich mit diversen Filmempfehlungen durch den Regen nach Hause...

Am Mittwoch, gestern, steht dann ein Konzert im Cafe Mir an.
Es spielen "The Burning Hell". Ich habe mir diese illustre Band aus Kanada mal im Internet angehört und fand sie wirklich gut. Deswegen bin ich sehr gespannt, wie der Abend sich so gestalten wird. Im Mir treffe ich mich mit Esther, Daniel, Nora und noch einem Mädchen, das ich nicht kenne und das mir auch ihren Namen nicht verrät. Später stößt auch noch Andi in Begleitung zu uns. Wir sitzen eine Weile am Nebentisch der Band, was uns nicht klar ist, da keiner von uns weiß, wie die eigentlich aussehen.
Nach einer kurzen und stimmungsvollen Vorband namens Black Molly, die charmanterweise aus zwei Mitgliedern der Hauptband besteht, erwartet uns ein wahres Fest! Ich bin von Anfang an begeistert. Mit Geige, Trompete, Schlagzeug, Bass, Ukulele, Gitarre und Mundharmonika bauen die fünf Leute für die 30 Menschen im Publikum eine musikalische Achterbahn. Wahnwitzige Texte (ich habe auf keinem Konzert bisher so oft das Wort Placenta gehört) und schräge Melodien schrammeln sich direkt in mein Herz.
Eigentlich kann ich nicht viel mehr über die sagen oder schreiben, außer dass ich sie so gut fand, dass ich mir nach dem Konzert eine CD von ihnen kaufen musste und die nun ununterbrochen mein Zimmerchen beschallt.
Sehr gut.
Man merkt, ich kann mich auch bei enorm viel Uni eigentlich ganz gut ablenken.
Am liebsten, wenn ich dafür nach Grünerlökka fahren kann...

Vintersju.

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