Mitten auf der Straße steht der schwarze Hund. Er sieht in die Ferne, als wittere er irgendetwas Verheißungsvolles.
Er ist glänzend schwarz und groß.
Und steht mitten auf der Straße.
An einem kalten Tag, Ende Oktober. Niemand ist unterwegs, nur ein paar Kinder spielen im Garten, ansonsten ist es still, windstill.
Das trockene verblichene Laub liegt reglos am Wegrand.
Der schwarze Hund blickt mich an, als wäre es ganz normal, dass ich jetzt gerade hier in diesem Moment seinen Weg kreuze. Er steht still und bedächtig. Keine Spannung in seinen starken langen Beinen, keine gespitzten Ohren.
Als hätte er auf mich gewartet.
Als ich mit der Zunge schnalze, um ihn zu mir zu rufen, trottet er langsam los, mit gesenktem Kopf.
Die Kinder krakeelen im Garten, er wendet noch einmal kurz den Kopf, um nach ihnen zu sehen.
Dann setzt er sich vor meinen Füßen auf den kalten Asphalt.
Der Himmel ist blau über Trondheim. Eisblau. Die Flächen der kleinen Pfützen in den Schlaglöchern sind mit einer seichten Eisschicht überzogen. Wenn man sie nur ganz leicht berührt, knacken sie und bilden kleine, herumtollende Kristalle auf dem schmutzigen Wasser.
Der Hund sieht mich an, als wisse er alles, was sich in meinem Kopf stapelt.
Sein wissender Blick ruht in meinem Gesicht und ihn umgibt ein Seufzen, dass er aber nicht ausstößt, denn Hunde seufzen nicht. Ich berühre seine kalte Nase und lasse ihn erstmal Vertrauen zu meinem Geruch annehmen, bevor ich meine Finger in seinen schwarzen Locken festkralle. Er stupst seine Nase an mein Knie und nun höre ich doch ein Seufzen, ein Seufzen des Wohlwollens, denn er mag es, dass jemand so in sein Fell greift.
Er blickt kurz an mir vorbei die Straße hinab, dann heftet sich sein Blick wieder an meinen.
Die Kinder in dem Garten juchzen auf und er erinnert sich seines Auftrags, über sie zu wachen und erhebt sich bedächtig, trottet auf die Einfahrt zu. Ich blicke mich nochmal zu ihm um, er blickt sich nochmal zu mir um und beide verschwinden wir auf unseren eigentlichen Wegen, als wären wir uns nie begegnet.
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