Mittwoch, 28. Oktober 2009

Another day in the park - A man playing his guitar - And singing for us all

Trondheim, 10.-12. Oktober, ZAHL

Ein weiterer Besucher wohnt in meiner Kammer dieser Tage: Sien aus Molde ist zu Besuch, um der Dunkelheit ihrer Stadt zu entfliehen.
Wir beginnen den Tag nach dem fulminanten Musikspektakel mit Bratäpfeln zum Frühstück, nachdem wir das Herbstpaket meiner Eltern von der Post geholt haben.
Ach Frederik hat Lust auf Frühstück und so schmieden wir Pläne für diesen unglaublich gold-blauen Herbsttag.









Ich will irgendwohin, wo ich noch nie war, aber Lade, der Strand Trondheims, ist zu weit weg, um dort hin zu laufen und unser Frühstück hat sich schon bis in den Nachmittag gezogen. Also will Frederik uns den alternativen Teil der Stadt zeigen – hinter dem Blaest warten Second Hand Shops, Flohmärkte, besetzte Häuser, wilde Gärten und orientalische Läden auf uns. Hier stehen alte verrottete VW-Busse in den Hinterhöfen, die Wäsche hängt zwischen den Häusern und es riecht nach Gewürzen, Motoröl und feuchtem Stoff.
In der Ferne ragt die Brauerei in den strahlenden Herbsthimmel und auf der anderen Straßenseite stecken Fabrikschornsteine ihre Nase in die Luft.

Es wird schon dunkel, deswegen wagen wir uns nicht zu weit vor, sondern schlendern noch ein bisschen über das Hafengelände, bis Frederik sich verabschiedet und die fußlahme Sien mit dem Bus nach Hause fahren will.
Wir lassen dieses Wochenende einfach so an uns vorbeiziehen und schweben eher schlafend nebenher. Der sonntäglichste Sonntag aller Zeiten wird erst nachmittags begonnen mit einem Akustikkonzert in dem alten Antiquariat unten im Hinterland der Altstadt. Der Musiker ist ein alter heruntergekommener Halunke, der vor einiger Zeit hier schon mal aufgetreten ist. Alle haben uns empfohlen, ihn anzusehen, weil er wohl der bisher beste Nachmittagskünstler im Bybroen Antikvariat war. Sien und ich machen uns dicke leckere Waffeln und lassen uns zwischen all den alten Schinken in bequemen Sesseln nieder. Die Federn knarzen unter unseren Hintern und der Herr stimmt nochmal seine Gitarre, bevor er anfängt zu spielen.



Mir ist er ein bisschen zu traurig. An sich wäre es perfekt, aber draußen ist so ein sonderbarer Tag und Sien ist ohnehin zu traurig dieser Tage, da hätten wir ein bisschen Aufmunterung gebraucht. Die machen wir uns selber, in dem wir uns heiße Schokolade aus dem Café Dromedar holen und entlang des Flusses über die Marinen bis hin zur Øya laufen. Es ist still in der Stadt. Nur um das Samfundet herum herrscht reges Treiben, denn die UKA ist in vollem Gang, der Rest der Stadt ist wie ausgestorben an diesem Sonntagabend.







Ich muss früh los zur Uni, während Sien sich auf dem Weg macht zum Vorspiel. Morgens um 10. Dank der UKA haben wir hier nämlich auch ein Oktoberfest, was jedoch nur einen Tag andauert und intelligenterweise auf einen Montag gelegt wurde. Gut, dass ich zur Uni muss und dass es auch schon ausverkauft war, als ich davon erfuhr. So muss ich mich nicht rechtfertigen, nicht hinzugehen. Ich lerne derweil lieber ganz viel neuen Kram, und werde mir am Abend den Spaß mal genauer ansehen. Nach 10 Stunden unentwegtem Trinken treffen sich nämlich alle zum Nachspiel in dem norwegischen Haus unterm Dachboden.

Erschreckenderweise haben sich alle sehr deutsch angezogen, mit Hosenträgern und Hut. Auf einem Foto entdecke ich Eva im Dirndl und bin um ein weiteres Mal froh, nicht dabeigewesen zu sein. Andererseits macht es Spaß, den Leuten, die nicht mehr ganz bei sich sind, zuzusehen.
Ich laufe mit Björn, Francesco und Jean-Bap nach Hause. Francesco freut sich über die Sachen, die er immer so finden, ob nun die 600 Kronen auf dem Fußboden des Samfundet oder allerlei Spielzeug am Straßenrand.

Sorge bereitet mir nur Sien, die spurlos verschwunden ist und meinen Schlüssel dabei hat. Irgendwie bekomm ich sie aber doch noch nach Hause, sehr aufgelöst von Alkohol und Männergeschichten. Wir philosophieren noch über das ein oder andere, bis mir wieder einfällt, dass ich in nur 5 Stunden die norwegische Geschichte studieren soll und bekomme Sien mit Mühe dazu, endlich zu schlafen und mal alles zu vergessen.

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