Mittwoch, 28. Oktober 2009

And every forest sings a song // The wind's been humming on it all day

Trondheim, 15. Oktober, ZAHL


First Aid Kit, zwei Mädchen aus Schweden mit verträumtem Blick, hübschen Kindsgesichtern und umrahmenden Frisuren. Sie stehen in einem Nebeldunst auf der kleinen Bühne im Klubben des Samfundet zusammen mit einem Keybord-Xylophon-Etwas und einer Gitarre, die sich ab und zu, wie auf magische Art und Weise, in eine Mandoline verwandelt.
Zu hören bekommen wir seichte Vorabendmusik, die weibliche Form von Simon & Garfunkel nur noch jünger, unschuldiger, unberührter.




Der Klubben ist so voll, dass wir hinter dem Tresen stehen müssen, weil man sonst nicht mehr treten kann. Alles ist ganz schön mit warmem Licht, Seifenblasen und dem zweistimmigen Engelsgesang der beiden Mädchen. Sie wirken eher wie mitten in der Menge, als erhaben auf der Bühne, denn wenn sie sich versingen oder verspielen, besonders häufig bei ihrem Versuch, die Fleet Foxes zu covern, lachen sie ein glockenhelles verhaltenes Mädchenlachen und machen unbeirrt weiter. Zur Zugabe folgen sie dann ihrem Instinkt, lösen ihre Kabel und steigen in die Menge. Wir bilden einen Kreis um sie herum und sie stehen zwischen uns allen ihr letztes Lied.
Es ist noch früh am Abend, Zeit ins Bett zu gehen für junge Mädchen, doch wir wollen nochmal sehen, was es mit der 50er Jahre Party auf sich hat. Es ist keine Party, sondern ein Casinoabend. Zwei, drei Paare tanzen tatsächlich einen Twist zu der dudeligen Radiomusik, aber generell steht man hier stocksteif im Anzug hinter den Tischen und verzockt das Wocheneinkommen.





Francesco lässt es sich nicht nehmen und steigt bei Black Jack ein.
Wäre noch Platz am Tisch gewesen, hätte ich mich glatt dazugesellt, denn der Dealer ist so schlecht, dass man ihn immer wieder übertrumpft. Bzw er sich selbst immer weit übers Ziel hinaus jagt. Hier ist es also einfach, Gewinn zu machen.
Kartenzählen ist hier jedoch nicht möglich (nicht, dass ich dazu in der Lage wäre), da der Dealer mit 6 Decks spielt und sie alle immer wieder neu vermischt.
Irgendwann hab ich genug gesehen und nehme den letzten Bus nach Hause. Ja, tatsächlich, ich gönne mir einen Bus, denn draußen ist es plötzlich unvorstellbar kalt geworden und der Regen lässt einen keine 50 Meter weit gucken.

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