Die ürbigen Tage habe ich mit diversen Streifzügen durch die Stadt verbracht. Oft war ich dabei mit meinem Buch bewaffnet und habe mir schöne Flecken zum Lesen gesucht.
Selbstverständlich hat es mich dabei auch nach Grünerlökka gezogen. Da kann man schön Menschen beobachten. Unter anderem habe ich das Gespräch eines kleinen Jungen mit seiner Mutter überhört. Der Kleine hatte ein Spielzeugauto, das leider nicht mehr richtig funktioniert hat, weswegen er seine Mutter fragte, ob er es ins Klo werfen könnte.
Leider hat seine Mutter das nicht gestattet. Schade eigentlich.
Diese Woche über fand außerdem das Øya-Festival statt. Angeregt von Marlenes Sehnsucht Pulp zu sehen, habe ich mich Anfang des Jahres dort als freiwilliger Helfer beworben. Die meisten norwegischen Festivals bestreiten so die Logistik. Unzählige Freiwillige, die als Wächter, Müllleute, Barmenschen, etc. arbeiten, werden herangeschafft und können zum Ausgleich an den Tagen, an denen sie nicht arbeiten müssen, gratis zum Festival gehen.
Ich hatte sehr auf einen Platz als Bändchenumleger gehofft, wurde aber als Barmädchen an der Hauptbar eingeteilt. Ich war mir von vorneherein ziemlich sicher, dass ich das Ganze eigentlich nicht unbedingt möchte, aber der Gedanke, das mit Marlene zusammen durchzuziehen, hatte schon seinen Reiz. Leider ist dieser Beweggrund ja entfallen und als ich dann gesehen habe, dass eine Schicht dort tatsächlich zwölf Stunden lang ist, beschloss ich im Glanze meiner Feigheit einen Rückzieher zu machen. Ich war lange genug im Dienstleistungsservice.
Nichtsdestotrotz (ein Wort, das ausgeschrieben sehr komisch aussieht, muss ich sagen) traten auf diesem Festival am Donnerstag die Herren Kaizer auf, um das zweite Album ihrer großen Violeta Violeta Trilogie uraufzuführen.
Das schöne am Øya-Festival ist, dass es wirklich mitten in der Stadt statt findet und nicht auf irgend einem weit abgelegenen Feld, von dem man sonst noch nie gehört hat. Durch diese geographische Begünstigung kann man auch ohne Inhaber eines Tickets zu sein das Festivalgelände recht gut einsehen.
Das einzige Problem bildet dabei die Hauptbühne, die recht ausladend von Bäumen verdeckt wird. Selbstverständlich spielten die Herren Kaizer als Headliner auf eben dieser Bühne. Doch das hat mich nicht abgeschreckt und mit einer beachtlichen Anzahl anderer ticketloser stand ich auf einer Straße im Ausbau um ab 21.30 Uhr gebannt auf eine Leinwand zu schauen.
Es lag durchaus eine recht merkwürdige Konzertsituation vor, da das Publikum normalerweise ja alle Lieder kennt und inbrünstig mitgröhlt. Doch hier war alles neu und spannend. Und überraschend gut. Nicht, dass ich schlechtes von der Band meines Vertrauens erwartet hätte, aber mit neuer Musik tue ich mich meist ein wenig schwer. Die braucht bei mir drei bis fünf Durchläufe, bis ich sie vollständig wertschätzen kann, aber was an diesem Abend präsentiert wurde, war auch "kalt" ein absoluter Spaß.
Jetzt sitze ich hier und bin hibbelig. Ich freue mich sehr darauf, dass es morgen endlich losgeht und dass ich dann bestimmt einige meiner Sorgen über Bord werfen kann. Ich gebe mir auch große Mühe, nett zu allen zu sein und vielleicht ein paar Bekanntschaften zu machen, für die es an der Zeit ist.
Ich sehne mich sehr danach, endlich wieder sowas wie einen Alltag zu haben, der eine gewissen Vorausschaubarkeit bietet... Nur noch einmal schlafen.


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