Dienstag, 23. August 2011

Så du snakker norsk?

Aiaiai, gestern war es endlich so weit.
Mein erster richtiger Tag in der Uni als Masterstudent. Wie aufregend.
Dieses Semester belege ich dank verwirrendem Kursangebot:

- Schriftlinguistik
- Praktisches Deutsch und Stilistik
- Systemic Functional Grammar

Los ging's gestern mit Schriftlinguistik.
Was ist das?
Tja... wenn man normalerweise Sprache untersucht, dann liegt der Fokus auf dem Gesprochenen. In der Schriftlinguistik geht es aber um das Geschriebene. So viel mehr weiß ich dann aber auch noch nicht darüber. Ich lass mich überraschen.

Der Kurs war auf jeden Fall bescheiden besucht. Es gibt vier Teilnehmer. Drei davon (inklusive meiner Person) sind aus Deutschland. Dabei handelt es sich um Theresa und Clara, die beide hier Erasmusstudenten sind. Dann gibt es aber noch Torill. Die ist, genau wie ich, Masterstudentin. Außerdem ist sie Rentnerin.
Das ist also unsere illustre Kurszusammensetzung. Der Professor, der die Veranstaltung gibt, ist übrigens ebenfalls Deutscher, aber schon seit 14 Jahren in Norwegen.
Da war ich natürlich erstmal leicht enttäuscht ob des Norwegermangels, andererseits sind die anderen drei wirklich nett und kann man sich 'ne bessere Lernsituation als mit vier Studenten vorstellen?
Als der Dozent uns dann allerdings auch noch mit "Sie" ansprach, war ich schon ein wenig ernüchtert.
Doch nach dem Kurs bin ich mit Torill und den anderen ins Gespräch gekommen und wir waren dann zusammen in der Mensa Mittag essen. Jeder hat ein bisschen von sich erzählt und als Torill dann gehört hat, dass ich auch ganz reguläre Studentin hier bin und auch schon mal an der Uni war, wollte sie natürlich wissen, ob ich nicht auch Norwegisch spreche. Von diesem Moment an haben wir uns dann in zwei Gruppen gespalten, denn Torill wollte sehr gerne mit mir Norwegisch reden. Das haben wir dann auch für eine Stunde etwa gemacht und sie war ganz begeistert davon, wie fließend ich das doch kann.
Ich glaube, dass sie das hauptsächlich gesagt hat, um nett zu sein, aber nach meinen Selbstzweifeln bei der Lesung, tat das schon gut.
Ich habe zu ihr gesagt, dass ich mich gerne bei dem Tandem-Projekt anmelden möchte, um jemanden zu finden, mit dem ich mein Norwegisch verbessern kann. Da wartet man aber teilweise sehr lange, bis man jemanden zugeordnet kriegt. Deswegen hat sie mir direkt ihre Adresse und Telefonnummer gegeben, weil sie sich freuen würde, so was in der Art mit mir zu machen. Da hab ich vielleicht sogar zwei Tandempartner bald!
Unter anderem haben wir uns über Literatur unterhalten und als ich erwähnte, dass ich gerne Tarjei Vesaas lese, da aber nicht so fix vorankomme, weil es auf Nynorsk geschrieben ist, hat sie direkt offenbart, dass sie mit dem Sohn von Herrn Vesaas befreundet ist. Unglaublich!
Ein weiterer Beweis dafür, dass Norwegen doch ein sehr kleines Land ist...

Das war auf jeden Fall ein großer Spaß!
Die Uhr näherte sich aber langsam der sechs und es sollte an diesem Abend noch ein Special Events Meeting geben, zu dem ich gerne wollte. Unvorteilhafterweise fand zum gleichen Zeitpunkt ein Treffen der internationalen Studentenzeitung, das ich auch gerne besucht hätte, statt.
Aus diesem Grund haben Clara und ich uns aufgeteilt und beschlossen, uns die Ergebnisse jeweils so detailgetreu wie möglich vorzulegen.
Ich hab die Special Events bekommen. Das Angebot ist im Prinzip identisch mit dem von 2009 und die Bilder der Fjaerland- und Gletscherwanderungen haben sowohl großartige Erinnerungen, als auch heftige Schmerzen in meinen Beinen hervorgerufen. Das waren Zeiten damals...
Dieses Jahr werde ich allerdings auf den kostenintensiven Trip verzichten und mich eher den bezahlungsfreien Museumstouren anschließen. Ich hab ja einige hier in Oslo noch nicht gesehen.
Während dieses Treffens stieß zufälligerweise Mirjam zu mir und fragte mich, ob ich nicht Lust habe, danach noch mit zu einem Treffen ihrer Mitstudenten zu kommen. Bei denen handelt es sich um Master in Wirtschaft. Bah. Ein bisschen kräulten sich meine Fussnägel beim Gedanken an zwanzig Wirtschaftsstudenten schon nach oben, aber ich habe mir ja vorgenommen sozial zu sein und außerdem sind dort immerhin Norweger dabei.
Tatsächlich habe ich dort mit denen einen ganz gemütlichen Abend verbracht. Die Norweger, Franzosen, Iren und Deutschen bildeten eine bunte Zusammensetzung, die einiges an Humor zu bieten hatte.
Allerdings muss ich sagen, dass ich mir wiederum als einziger Geisteswissenschaftler und so vielen Leuten, die später in Banken arbeiten werden, komisch vorkam. Aber das ist ja ein Gefühl, an das ich mich inzwischen gewöhnt habe und das deswegen nur noch wenig Kummer bereitet. Einer der Herren hat zum Beispiel tatsächlich für die Lehman Brothers gearbeitet bis es zu der großen Pleite kam. Damit konnte ich sogar ausnahmsweise etwas anfangen...

Ein sehr schöner, kommunikativer Auftaktstag also, der mich noch mehr dazu motiviert, mein bestmögliches zu geben.

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