Freitag, 19. August 2011

Bli kjent med UiO.

Ein neuer 15. August, eine neue Buddygroup.
Am Montag habe ich mich in strömendem Regen morgens auf den Weg zur Uni gemacht. Es war der erste offizielle Tag. Das bedeutet, dass man sich sein Willkommenspaket abholt und dann auf einer Wiese die Leute sucht, mit denen man zusammen in eine Buddy Group eingeteilt wurde. Der eigentliche Buddy ist ein Student der Universität Oslo und soll den Neuen zeigen, wo alles so ist und ihnen helfen, sich schnell einzuleben. Auf den T-Shirts der Buddies wird das schön zusammengefasst mit "Jeg er alt du trenger" (Ich bin alles, was du brauchst).
Das letzte Mal hatte ich nicht besonders viel Glück mit meinen Buddies und deswegen habe ich mir dieses Jahr gedacht, dass ich einfach vom Schlimmsten ausgehe, denn dann hält sich ja bekanntlich die Enttäuschung in Grenzen. Trotz des Regens habe ich schnell die Leute gefunden, zu denen ich gehöre und bin auch fix mit ein paar von ihnen ins Gespräch gekommen. Meine Buddygroup besteht noch aus internationalen Studenten, auf die Leute, mit denen ich dann tatsächlich studiere, werde ich erst nächste Woche treffen.
Meine Grundeinstellung sollte sich auch als sehr passend herausstellen, da einer unserer Buddies schon mal überhaupt nicht auftauchte. Der andere, Sisay, zeigt sich bis heute nur mittelmäßig motiviert, hat Probleme mit Pünktlichkeit und nicht gerade das beste Englisch. Unsere Buddy-Aushilfe Jonas jedoch war ziemlich nett. Aber niemand wusste so richtig, was man mit uns anstellen sollte, deswegen haben wir nach einer kurzen Führung über den Campus die nächsten Stunden in der Cafeteria verbracht, um uns gegenseitig kennenzulernen.
Danach stand die Einführungsveranstaltung an. Es wäre sicherlich klug gewesen, dort ein bißchen früher hinzufahren, aber wir haben es so gemacht, wie ALLE anderen auch und haben uns kurz vorher auf den Weg gemacht. So kam es, dass die T-Ban vor Studenten beinahe auseinander platzte.
Die Einführungsveranstaltung vor der Jurafakultät in der Karl-Johans Gate war sehr schön. Motivierende Reden gab's und auch Musik. Das Stück, das das Orchester gespielt hat, kam mir sehr bekannt vor, aber ich kann es leider nicht einordnen. Ich meine, es ist aus irgendeinem Film... Oder aber klassische Musik, die zu Filmmusik verwurstet wurde.
Am lockersten war der Bürgermeister von Oslo, ein sehr sympathischer und humorvoller Mann.
Das beste an dieser Zeremonie war aber, dass es danach umsonst Essen gab. Einen selbstgemachten frischen Hamburger, Obstsalat und Wasser.
Auf dem Platz hat dann eine Funkband angefangen zu spielen, aber die haben mich nicht wirklich mitreißen können und irgendwann hat sich unsere Gruppe dann aufgelöst und jeder ist so seinen Weg gegangen. Meiner führte mich auf ein paar Schlendereien durch die Stadt.

Am Dienstag sollten dann Spiele auf der Wiese stattfinden. Schöner Plan und auch das Wetter war mit strahlendem Sonnenschein ein Unterstützer dieses Vorhabens.
Es kamen dann von ursprünglich 20 Leuten nur noch 7 und unser Buddy war nicht da. Eine halbe Stunde später tauchte er dann auf, um mit uns ein bißchen Cricket zu spielen (gut, dass jemand anderes von uns wusste, wie man das macht, denn er kannte die Regeln nicht). Bei all den anderen Gruppen sah das mehr so aus, als würden sie mit noch weiteren Gruppen zusammenspielen, aber wir blieben aus unerfindlichen Gründen unter uns.
Nach einer Weile wurde dann aber ein Kubb-Spiel für uns frei. Das macht ja großen Spaß. (Für Leute, denen die Regeln von Kubb nicht bekannt sind: wikipedia hilft)
Man schmeißt also im Prinzip mit Holzstöckern um sich. Das macht nicht nur kleinen Jungs, sondern auch Studenten Freude. Aber damit hatte sich dann auch die Buddy Group Aktivität für den Dienstag erledigt.

Am Mittwoch war ein Orientierungstreffen für Self Financing Master Students. Das war ganz interessant. Die meisten Informationen stehen so zwar auch schon in unseren Broschüren und haben deswegen nicht unbedingt viel Aufschluss gegeben, aber die Leiterin der Studentenannahme hat mit einigen interessanten Zahlen um sich geschmissen.
Sie hat uns nämlich gratuliert, dass wir angenommen wurden. Insgesamt haben sich 5746 Studenten auf einen Masterplatz an der UiO beworben. Genommen wurden davon aber nur 5.9%, was so ungefähr 340 Studenten aus 94 verschiedenen Ländern macht. Ziemlich multikulturelles auf-die-Schulter-Klopfen also!
Ein paar von meinen Bekannten haben sich dann mal wieder einer anderen Buddy-Group angeschlossen, um am Abend von Pub zu Pub zu ziehen.
Ich habe mich da ganz gekonnt abgeseilt und mich zur Korrekturlesung von Palmes Bachelorarbeit in die Bibliothek verzogen.


Nach einem hervorragenden Mittag in der Mensa habe ich mich dann zum Physikerhügel aufgemacht, weil dort gratis zwei Konzerte stattfinden sollten. Die waren allerdings nicht so gut besucht, wie man unschwer erkennen kann.


Deswegen bin ich dann doch lieber in die Stadt gefahren, um dort dem Gratisauftaktskonzert der Filharmoni (das schreibt man im Norwegischen so) beizuwohnen. Sogar Königin Sonja gab sich die Ehre. Als sie sich ihren Platz suchte, mussten wir uns alle erheben. Danach saß sie dann einfach so zwischen all den Normalsterblichen.
Es wurde übrigens Beethovens 9. Symphonie gespielt. Das war so mit vollem Orchester und Gesang schon ziemlich beeindruckend.


Ansonsten habe ich nun meine Kurse gewählt und warte darauf, dass es nächste Woche losgeht. So langsam stellt sich ein Alltag ein. Das ist sehr angenehm.
Und außerdem hab ich meine erste Post bekommen, nämlich eine Postkarte von Svea! Zusammen mit einem Bescheid über meine erste Monatsmiete, aber da die Postkarte weiter unten lag, zählt sie definitiv als zuerst da gewesen!

Ich habe bisher viel mit Leuten zu tun, die entweder Wirtschaft oder Politik studieren. Da kommt man sich schon ein bißchen belächelt vor, wenn man dann sagt, dass man selber Sprachwissenschaftler ist. Ich glaube, dass alles, was keinen enorm rentablen Job abwirft, als Luxusstudiengang abgekantet wird. Aber so schnell lasse ich mich nicht mit Kunst, etc. über einen Kamm scheren!
Fest eingeplant habe ich in Zukunft den Dienstag als Bibliothekstag. Da werde ich mich belesen, damit ich a) besonders schlau werde und b) schnell ein Thema für meine Masterarbeit finde. Mal sehen, wie lange die guten Vorsätze halten...


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen