Jack White!
Musikalisch bewanderten Menschen müssten diese zwei Worte zur Einschätzung meines jüngsten Konzerterlebnisses genügen... für alle anderen folgen noch ein paar weitere zur Erklärung.
Wenn es einen musikalischen Helden in meiner Welt gibt, dann ist es JACK WHITE. Er ist nicht nur die treibende Kraft der White Stripes, die ich mit großem Glück bei Rock Am Ring 2007 sehen durfte, sondern auch einer der Köpfe der Raconteurs, die ich wiederum dankbarerweise sowohl auf dem Hurricane 2006 als auch vergangenes Jahr auf einem atemberaubenden Konzert in Berlin erleben durfte. Außer Frage steht, dass ich sämtliche Alben beider Bands im Original besitze. Jack White ist ein musikalischer Gott.
Nun begab es sich also, dass eben dieser Jack White jüngst eine dritte Band gründete. Name: The Dead Weather. Musik: Großartig.
Diese Band erreichte nun auf ihrer ausgiebigen Herbsttour auch die norwegische Hauptstadt und selbstverständlich konnte ich sie mir nicht entgehen lassen. Auch nicht trotz eines recht heftigen Preises. Jack White ist eben Jack White. Da spart man nicht, da nutzt man JEDE Chance.
So mache ich mich also am Freitagabend nach hektischen Vorbereitungen in die düstere Stadt auf, um mich mit Andi, Damon, Johannes und Thomas zu treffen, die ebenfalls die epochale Bedeutung der Anwesenheit der Person Jack White erkennen.
Damon und Andi treffen auch relativ pünktlich am verabredeten Punkt ein, an dem ich schon zehn Minuten vor Vereinbarung von einem Bein auf´s andere tanze. Nur Johannes und Thomas nicht, weil sie nochmal zurück mussten. Johannes hat nämlich seine Karte vergessen... Horst.
Am Bahnhof wollen wir nicht länger warten, nachdem uns wiederholt Drogen angeboten werden. "Do you want to buy some hasch?" -"No, thank you. We´ve got enough for the evening." Nichts wie weg hier und auf zur Sentrum Scene.

Die Sentrum Scene gehört mit zum Rockefeller und ist der größte, der drei Konzertsaale dieses Etablissements. Theoretisch passen hier 1750 Leute rein, aber heute Abend ist es nicht ausverkauft.
Auch Johannes und Thomas finden schließlich hierher. Und heute trifft Thomas die obligatorische Frage nach der "Legitimasjon". Altersgrenze liegt bei 18. Das geht auf´s Ego...
Der Saal ist sehr fair und besucherfreundlich aufgebaut, er ist nämlich gestuft, so dass auch Menschen, die ganz hinten stehen eine gute Sicht haben. Aber selbstverständlich stehen wir nicht ganz hinten. Sondern in der zweiten Reihe!
Hier begrüßen uns nach kurzer Wartezeit "Creature With The Atom Brain", die heutige Vorband aus Belgien.
Und wie das bei Vorbands so ist, stellt man sich emotional auf eine eher lästige Wartezeit ein. Aber nach den ersten Tönen bin ich ganz von den Socken gehauen! Das ist die mit Abstand beste Vorband, die ich jemals erlebt habe! Die rocken. Aber sowas von. Lässig kitzeln die großartige Melodien und Bassläufe aus ihren Instrumenten heraus und lassen mich mit offenem Mund dastehen. Andi dreht sich zu mir um. "Ob das von The Dead Weather eine gute Idee war, sich eine so gute Vorband zu nehmen?" Hm. Tatsächlich regt sich da die Angst in mir, dass die Vorband wirklich besser sein könnte, als der Hauptact. Das wäre fatal. Ist aber in diesem Moment durchaus vorstellbar. Andi ist sogar so begeistert, dass er nachdem sie fertig sind, schnell hoch zum Merchandise-Stand läuft und sich beide Alben kauft.
Wieder zurück in der zweiten Reihe schauen wir den Roadies, die stilecht schwarze Anzüge mit blauen Krawatten und Hüte tragen, beim Aufbauen zu. Die Instrumente sind alle weiß-gold und alle von Gretsch, komplett aufeinander abgestimmt, wo wir gerade beim Thema Stil sind. Das kann wohl nicht ganz billig gewesen sein. Sieht aber auch verdammt gut aus.
Wir warten gespannt während aus den Boxen Nightclubbing von Iggy Pop schallt und plötzlich wird es dunkel. Der Hintergrund und die Basedrum strahlen einsam in die Dunkelheit, die über tausend gespannte Menschen birgt...
Und dann betritt die Band unter tosendem Applaus die Bühne. Ohne Begrüßung wird direkt losgelegt! Jack White, der geboren wurde um Gitarre zu spielen, sitzt in dieser Band am Schlagzeug. Und auch das beherrscht er mit einer unsagbaren Lockerheit. Die Haare hat er schön, meine Herren. Andi dreht sich zu mir und meint, dass das Problem, dass die Vorband besser sein könnte, sich hiermit erledigt hätte. Und das ist in keinem Maße untertrieben. The Dead Weather liefern eine unglaubliche Show ab.
Ich bin ja prinzipiell nicht so ein Freund von weiblichen Sängern, aber die gute Alison Mosshart überzeugt auf ganzer Linie und versprüht dabei eine wahnsinnige Erotik.
Ein Lied nach dem anderen wird dem verblüfften Publikum ohne große Verschnaufspausen um die Ohren gehauen. Meist singt Miss Mosshart, aber ab und an schreitet auch Jack White zum Mikrofon. Es gibt keinerlei Interaktion mit dem Publikum, außer einer kurzen Bandvorstellung.
Am Bass : Jack Lawrence.
An Gitarre und Keyboard : Dean Fertita.
An den Vocals : Alison Mosshart aka Baby Ruthless.
Und am Schlagzeug : Jack "Jackie" White.
Irgendwann geschieht es dann. Jack White greift doch noch zur Gitarre und auch wenn man schon vorher mehr als nur glücklich war, handelt es sich hierbei um die Kirsche auf der fünfstöckigen Sahnetorte. So soll es sein. Und das Publikum hält mit seiner Begeisterung nicht an sich.
Nach einer schmetternden Zugabe, in der glücklicherweise sogar noch mein Lieblingslied enthalten war, verabschieden sie sich dann aber endgültig von der Bühne. Auch wenn die Band sich bemüht hat Ernsthaftigkeit auszustrahlen, kam man im Publikum jedoch nicht umhin immer wieder zu bemerken, wie sich die vier untereinander schelmisch grinsende Blicke zuwerfen. Die Abrundung eines perfekten Konzertes also, auch die Band hatte Spaß.
Da ist es einem aber auch beim besten Willen nicht möglich ohne ein kleines t-shirtförmiges Souvenir am Merchandisestand vorbeizugehen. Und so gerne ich auch das Shirt in grau genommen hätte, das in schwarz sah einfach besser aus.
Ein glorreicher Freitagabend in Oslo. Ich gehe ins Bett mit der Bestätigung Jack White immer und immer wieder live sehen zu wollen und einer großartigen neuen Band im Gepäck. Hervorragend.
Vintersju.
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