Dienstag, 17. November 2009

Her er det russisk rullett kvar fredag

Trondheim, ZAHL

Freitag Abend zu Hause bei Norwegern.
Wir haben es uns zum Ritual gemacht, einmal die Woche einen Disneyfilm zu sehen. Bevor der Film eingeschoben wird, zappen wir ein bisschen im Programm. Mir wurde gesagt, dass man nur freitags fernsehen sollte, denn das norwegische Fernsehen sei sehr schlecht, bis auf freitags, da gibt es gute Comedy und Gameshows.
Die WG von Frederik, Stian und Stine versammelt sich also zu Lasagne und buntem Salat um den Fernseher. Wir sehen den Ersten Norwegischen Sender - NRK1.
Die erste Show heißt "Beat for Beat" in der jeweils zwei Gruppen á drei Kandidaten gegeneinander antreten. Es ist eine Art Songraten, man gewinnt, wenn man aus den Zitatbruchstücken einen ganzen Song singen kann. Die Leute, die da mitspielen sind norwegische C- und D-Prominente und versuchen möglichst witzig zu sein.
So richtig angetan bin ich nicht.
Danach kommt Nytt på Nytt, auch ein Quiz, welches sich auf das Newsgeschehen der vergangenen Woche bezieht und von Moderatoren und Team durch den Kakao gezogen wird.
Zum Einen wäre da die Veröffentlichung der Skatteliste.
Die Skatteliste ist ein weiterer Aspekt, weswegen ich Norwegen für einen sehr sozialistischen Staat halte. Übersetzt heißt das Steuerliste und man kann auf dieser Steuerliste erkennen, wo eine Person wohnt, wieviel sie verdient hat und wieviel sie davon an Steuern bezahlt hat. Diese Liste wird einmal im Jahr veröffentlicht und wenn man einen Norweger googelt, stöst man als erstes mit großer Wahrscheinlichkeit auf seine Skatteliste. Da hat also jeder einen Überblick über das Einkommen des Anderen und wenn man in der Skatteliste sieht, dass der Herr Nachbar gar nicht soviel Geld verdient hat und deswegen nicht soviel Steuern bezahlen konnte, sich letzte Woche aber trotzdem ein neues Auto gekauft hat, weiß man also gleich Bescheid. Stine findet den Wirbel um die Skatteliste lustig, die Promis in der Quizshow auch, Frederik schimpft über diese Liste, wie soviele andere Norweger auch.
"So ist das in Norwegen. Die gehen nicht auf die Straße und beschweren sich. Keine Demos, kein Protest, die beschweren sich einfach nicht. Wenn denen was nicht gefällt, gründen sie eine Facebookgruppe. In Frankreich hätten schon längst die Autos der Vorstädte gebrannt!"
Stian und Asbjørn sehen das nicht so eng und mixen nochmal für alle einen White Russian.
Resultat der Skatteliste: ein Achtel der Norweger sind Millionäre.

Nächstes Thema ist die Frau des Bruders des Kronprinzen Håkon, über die sich im Fernsehen herrlich bespaßt wird. Bevor ich richtig mitkriege, dass das Quiz schon längst angefangen hat, ist die Show auch schon wieder vorbei und es gibt ein bisschen Reality - ein paar Prinzen aus dem Orient, die in England Frauen finden wollen. Bauer sucht Frau auf Britisch.
Als dann endlich der Disneyfilm anfängt ("Arabiske Naaaaaaaaaaaaaaatt!" Aladdin, juhu!) bin ich ganz froh, denn das norwegische Fernsehen steht in Schlechtigkeit dem Deutschen in nichts nach.

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