Samstag, 7. November 2009

Me sat oss ner på kvar si side av et rundt bord...

Besuch steht ins Haus.
Die Familie hat sich angekündigt und bringt auf ihrer langen Reise durch Schweden eine Wagenladung mit Essen mit!
Also an dieser Stelle auch nochmal vielen Dank an alle, die dazu etwas beigesteuert haben. So komme ich definitiv über den Winter! Zumindest aber bis Weihnachten!
Das tolle Navigationsgerät schafft es dann auch lediglich mit ein paar Problemen kurz vor Erreichung des Ziels die Familie bis direkt vor meine Haustür zu kutschieren. Das Auto wird erstmal ausgeladen und ich begucke mir all meine Mitbringsel. Manches davon werde ich wohl wieder mit nach Hause schicken müssen, aber das meiste davon, vor allem die warmen Winterklamotten sind mehr als willkommen!
Es ist Freitagmittag und die Eltern machen sich auf um in ihrem Hotel einzuchecken, während Rudi es sich bei mir häuslich einrichtet - mit selbstmitgebrachtem Essen und tragbarem DVD-Player. Aber nix da mit langem Verschnaufen. Wir fahren runter in die Stadt um Eltern vom Hotel abzuholen und noch ein bißchen durch die Gegend zu schlendern. Da vom Bahnhof keine Bahn kommt, beschließe ich, dass wir laufen. Unterwegs überkommt uns dann so ein Hunger, dass wir uns noch schnell (und nun nicht mehr heimlich) ein Hotdog beim Narvesen kaufen, aus dem uns mal wieder der gute Rune entgegenkommt. Den sieht man auch an jeder Ecke.
Gestärkt schaffen wir dann aber auch die letzten Meter bis zum Hotel und treffen Eltern auch schon am Auto.
Viel mehr als ein kleiner Spaziergang runter nach Aker Brygge und dem obligatorischen Kaffeetrinken dort, passiert heute allerdings nicht mehr. Das ist auch gar nicht nötig, denn die Pläne für den morgigen Tag stehen schon.

Also machen wir uns am Samstag auf in die Stadt um endlich mal die Festung anzugucken, denn auf der war ich auch noch nie so richtig. Und jetzt zu Zeiten des schönsten Herbstes lohnt sich das auch direkt. Ich gebe mir sogar richtig Mühe mit den Fotos, was zwar mehr Spott als Bewunderung erntet, aber davon lass ich mich ja nicht so leicht abschrecken!










Nach der Festung fahren wir auf die größte der Schären vor Oslo und machen dort einen kleinen Spaziergang. Klein für uns, zu lang für Rudi. Aber der kann ja auch nicht immer haben, was er will und in ein paar Jahren sieht er das vielleicht sogar mal ein... wer weiß!









Da soviel Rumrennerei ja hungrig macht und Eltern sehr großzügig sind, gehen wir schick in einem italienischen Restaurant, der "Mona Lisa", essen. Die Portionen hier sind überschaubar. Die Preise eher nicht, aber es schmeckt wirklich gut. Selbst, wenn Rudi nicht ganz satt wird...

Am nächsten Tag ist Sonntag, klassischer Familienausflugstag. Leider komm ich nicht an all meine schönen Fotos ran... Denn es gibt jede Menge, auch wenn das Wetter uns nicht gerade wohlgesonnen ist. Wir fahren nach Drøbak, einem kleinen Fischerort an der engsten Stelle des Oslofjordes. Direkt vor Drøbak liegt die Insel Oscarsborg, auf der sich eine alte Festung befindet und von der aus im zweiten Weltkrieg das deutsche Schiff "Blücher" versenkt wurde, während sie heutzutage als Schauplatz für´s Reality-Fernsehen herhalten muss. Eine andere sehr bezeichnende Sache dieses kleinen Örtchens ist, dass hier angeblich der Weihnachtsmann leben soll. Deswegen gibt es hier ein ganzes Haus voll mit Sachen, die man zum Thema Weihnachten kaufen kann. Für Mutter ist das natürlich genau das richtige. Die Begeisterung von Rudi und Vater hält sich allerdings eher in Grenzen. Außerdem gibt es hier die Post, die alle Wunschzettel entgegennimmt. Und das sind jede Menge, wie eine kleine Ausstellung eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Wieder zurück in Oslo wird beschlossen, dass ein Abendessen bei Peppes Pizza jetzt genau das richtige wäre. Normalerweise begegnen einem bei einem Spaziergang durch die Stadt ungefähr 500 Filialen von denen, aber selbstverständlich trifft man keine einzige an, wenn man danach sucht. Also irren wir ein wenig durch die dunkle Stadt, durch die Zeitumstellung war es da schon gegen 18 Uhr dunkel. Das hat sich inzwischen nochmal um ein Stündchen nach vorne verschoben... Schließlich machen wir uns das ganze einfach und gehen einfach nach Aker Brygge. Da ist nämlich auf jeden Fall einer. Zunächst werden wir wieder mal von den Preisen erschlagen, aber die Pizza kann da eindeutig mithalten. Wir essen sehr gut und zumindest Rudi und ich fahren müde nach Hause.
Am Montag bin ich den ganzen Tag in der Uni während die anderen den Holmenkollen erobern und den Ausblick auf die Stadt genießen und in den Abendstunden dann Informatikergebäude für die Uni halten. Am Dienstag geht es dann nach Majorstuen, wo wir dem Ritual des Kaffetrinkens fröhnen und durch den nächtlichen Vigelandparken schlendern um dann erneut bei Peppes Pizza einzukehren.
Am Mittwoch schlendere ich gemütlich aus meinem Seminar und im Vorraum des Gebäudes sitzen Eltern! Sie haben beim zweiten Versuch tatsächlich die Uni gefunden und sind sogar im richtigen Gebäude. Ich bin fassungslos. Wir fahren nach Bygdoy, aber außer einem schönen Blick ist da um diese Jahreszeit nichts mehr. Alle Museumsschiffe sind schon winterfest gemacht und das Frammuseum ist im Moment mehr eine Baustelle, als ein Museum. Also fahren wir nach ein paar Schritten dort und einem Besuch bei meinen Lieblingstonnen wieder zurück in die Stadt, für ein Käffchen in Grünerlökka.
Bei einer kleinen Shoppingtour danach fallen für mich die Kopfhörer ab, die aus irgendeinem unbekannten Grund von jedem zweiten Norweger getragen werden. Wenn das nicht schon vorher so war, würde ich mich jetzt vollkommen integriert fühlen. Ha!
Donnerstag ist dann der letzte Tag des Besuchs... der wird nochmal ordentlich mit einem weiteren Essen im "Mona Lisa" und einem Schlummertrunk im "Hard Rock Café" zelebriert.
Ich glaube, dass meine Eltern nicht für die Stadt gemacht sind. Also Städte generell. Deswegen werden sie wohl hier nicht glücklich werden. Aber das soll ja auch nur ich! Und Rudi... naja, der ist einfach nicht für den Norden gemacht... Aber vielleicht kommen sie mich in ein paar Jahren trotzdem wieder besuchen, dann weiß ich immerhin schon, wo all die guten Cafés sind und muss mit Mutter da nicht mehr so lange nach suchen.
Und wenn der Eindruck entsteht, dass wir nur gegessen haben, dann liegt das daran, dass das hier so eine enorme Wichtigkeit für mich eingenommen hat! Als armer Student weiß man immerhin nie, wann man das nächste, gute und warme Mahl vorgesetzt bekommt!
Und auf besonderen Wunsch meiner Eltern weise ich noch einmal darauf hin, dass sie Oslo nicht doof fanden! Außerdem hab ich ja nur meinen Standpunkt und kann deswegen nicht von den Unternehmungen berichten, die durchgeführt wurden, während ich artig in der Uni saß, wie etwa die Privatführung durch das Fussballstadion, bei der Rudi und Vater auf des Königs Platz sitzen durften! Oder aber, dass sie sich auch mal des Nachts ein Weinchen in Aker Brygge gegönnt haben!



Vintersju.

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