Dienstag, 17. November 2009

Hurra til deg

Trondheim, ZAHL



Ich hab ganz vergessen, von Pierricks Geburtstag zu berichten. Der war schon im September. Es ist mir nur wieder eingefallen, weil ich diverse Fotos durchstöbert hab und dann diesen doch sehr denkwürdigen Abend gerne schriftliche festhalten und ihn der Nachwelt präsentieren möchte.
Es ist also ein ganz gewöhnlicher Mittwochnachmittag, verregnet, grau, hektisch.
Fanny hat am Wochenende allen wichtigen Menschen Emails geschrieben – sie möchte eine Überraschungsparty für Pierrick machen und braucht gute Ideen und viele Gäste.
Nachdem sich der dumme Kanadier ein paar Mal verplaudert hat, zunächst niemand eine Idee hatte, wie Pierrick von seinem Zimmer ferngehalten werden könnte und in aller hast eine Mannschaft zum Geschenkebasteln beordert wurde, schwand die Hektik zu später Stunde und es versprach, ein guter Abend zu werden. Aurelia lud Pierrick unter verheißungsvollen Vorwänden zu sich ein, ich ging mit Schere und Kleber und alten Zeitungen in die Wohnung nebenan, wo eine gestresste Fanny zwischen einem Haufen von Fotos sitzt und fleißig schnippelt. Sie hat ein bisschen schlechte Laune, weil niemand so richtig ihren Plan mitverfolgen will – bis auf den Kanadier haben es zwar alle geschafft, den Plan geheimzuhalten, aber es geht nicht so richtig voran mit der Vorbereitung und vor allem mit dem Geschenk – einer riesigen Fotowand von diesem Sommer.
Da sitzen wir nun auf dem Küchenfußboden und kleben mit natürlich künstlerischen Ansprüchen diese riesige Fotowand zusammen, während Fannys Mitbewohner über uns rüber steigen und ihr Essen kochen und aus Fannys Zimmer immer wieder das Telefon klingelt.
Irgendwann kommen Giada und Alessandra, als schon fast alles zu spät ist und mit 8 Händen ist die Fotowand plötzlich fertig. In 5 Minuten soll Pierrick in seine Wohnung kommen.
Giada und Elmar haben ein herrliches Tiramisu gemacht und in Pierricks Wohnung wurden zu unser aller Überraschung ganz schön viel Essen und tausende von Luftballons aufgetafelt. Wie beim Kindergeburtstag versorgen wir uns mit Luftschlangen, Konfetti und Partyhütchen und scharen uns in der Küche zusammen, das Licht wird ausgemacht, die Wunderkerzen und Streichhölzer bereitgehalten und ein Späher am Fenster verkündet Pierricks Kommen.


Als der die Tür öffnet schallen 30 Tröten aus der Küche durch den gesamten Hausflur und er muss nochmal kurz die Tür schließen, bevor wir ihn hineinziehen und ihm alle nacheinander um den Hals fallen.

Der Kanadier ist natürlich nicht da, weil er ja jetzt bessere Freunde hat, als die aus dem Sprachkurs und es deswegen nicht für nötig hält, dem guten Pierrick zu gratulieren.
Pierrick hat ein französisches Paket von seinen Eltern bekommen, mit Schinken, Käse und Wein. Dass er das heute Abend noch leert, hat ja keiner ahnen können.
Es gibt gute Musik, gutes Essen und unglaublich gute Laune. Pierrick wird mit lauter witzigen Sachen beschenkt und als wir die Fotowand rausrücken ist er unglaublich ruhig und starrt nur diese Wand an. Als jeder mal raufgeschaut hat, sich über die Fotos amüsiert hat und gesagt hat, wie gut das ist, verschwindet Pierrick für einige Minuten mit der Fotowand in seinem Zimmer. Wir wundern uns und hoffen auf seine Wiederkehr, denn der Kuchen soll angeschnitten werden.


Dann kommt er auch schon wieder, bindet sich seine neue Geburtstagskochschürze um und verteilt ein Vodka Kalinka für jeden und selbstgebackenes Brot mit Brie und Schinken.

Plötzlich erheben sich alle Franzosen und fangen an, das Lied mitzusingen, was aus dem Radio dröhnt. Sie singen voller Innbrunst und mit so einer Freude im Gesicht, die rechte hand aufs Herz gelegt, die Linke zur Faust geballt in die Luft gestreckt. Es ist die französische Nationalhymne. Ich habe noch nie jemanden so beigeistert seine Hymne singen sehen und vor allem nicht gemeinschaftlich mit allen Anwesenden derselben Nationalität. Da stehen sie, die Franzosen und versprühen eine Liebe im Raum, dass mir ganz mulmig wird im Bauch.

Als später von meinem Geburtstagsmixtape auch noch ein Lied von den Franzosen Babylon Circus den Raum beschallt, werden Tische und Stühle beiseite geschoben und der französische Abend kommt zum Höhepunkt.

Irgendwann kommt Helge durch die Tür. Er wohnt drei Stockwerke über Pierrick und ging dem Lärm nach, um mal zu sehen, was hier so passiert. Weitere neue und gute Bekanntschaften an diesem Abend: Florians Kamera, natürlich mit seinem Besitzer dran und Linda, eine Französin, die erst seit Kurzem hier in Trondheim ist.

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