Mittwoch, 24. März 2010

Og for at stemningå skal bli endå meir russisk der nere...

Es ist Mittwoch. Der letzte Mittwoch in Oslo. Und es ist ein kalter, kalter Tag. Nach all den Anstrengungen des vorhergegangenen Tages versteht es sich fast von selbst, dass es höchste Zeit ist auch mal ordentlich auszuschlafen. Und weil wir diesen Plan auch wirklich bis ins letzte ausschöpfen, beschließt Zahl, dass ein Frühstück überflüssig ist und dass wir den Tag mit einem Mittag anfangen. Das glorreiche Chili verschiebt sie aber für´s erste. Mit Zutaten, die für mich letztendlich die gleichen darstellen, die dann nachher auch im Chili enden, zaubert Zahl also eine warme Mahlzeit auf den Tisch. Ein bißchen merkwürdig ist es schon seinen Tag mit etwas Warmen zu beginnen, aber immerhin hält diese Mahlzeit dann auch eine ganze Weile vor.
Wir kommen nicht aus dem Haus bevor es wieder dunkel wird. Das ist so in etwa kurz nach drei. Im Moment finde ich es allerdings sowieso viel schöner im Dunkeln draußen zu sein. Das hat so etwas romantisches. Und ich befinde mich in einer Phase der Verabschiedung. Das beinhaltet, dass ich hoffnungslos romantisch bin und mich vollstopfen will mit den schönsten Bildern, die sich finden lassen. Und eine Stadt unter einem Teppich aus Schnee bei Nacht... das macht schon so einiges her! Heute steht auf unserer Liste der Weihnachtsmarkt. Andi berichtete von einem deutschen Stand mit echter deutscher Bratwurst. Da es so etwas wie Bratwurst in Norwegen nicht gibt, sind wir von der Idee durchaus angetan und machen uns auf den Weg zum Fjord. Denn selbstverständlich ist der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz. Auf dem Weg dorthin stoßen wir mal wieder auf Kunst. Die Ausstellungen wechseln hier ja öfter mal und gerade jetzt gibt es dort ein riesiges kastenähnliches Ding. Man weiß nicht genau, was es denn jetzt darstellen soll, fest steht aber, es ist Kunst! Und deswegen ist es meiner Meinung nach ganz und gar inakzeptabel da einfach drauf rumzulaufen! Aber Zahl erklimmt die Kunst ganz einfach. Es geht allerdings kein Alarm oder so was los. Offensichtlich hält die Kunst auch mehrere Begeher ganz gut aus, denn kaum hat Zahl sich fotoschön platziert, kommt auch schon eine Gruppe kunsterkletterungswilliger Russen und tut es ihr gleich. Es könnte sich bei dem Ding selbstverständlich auch um ein UFO handeln, das nur darauf wartet, dass entführungswürdige Menschen sich auf ihm niederlassen, um dann effektvoll abzuheben. Doch es rührt sich nichts. Also lieber zurück zur Bratwurst. Auch wenn sich das jetzt anders liest, ist der zeitliche Abstand zwischen dem warmen Frühstück und der Einnahme der Bratwurst wirklich lang genug gewesen um eine solche Anzahl an warmen Speisen an einem Tag zu rechtfertigen.
Über die vergangenen Monate habe ich 1 Kronen Stücke gesammelt. Es sind wirklich viele und ich habe mir überlegt, dass ich mir von diesem, in ein Säckchen abgefülltem, Goldschatz nur noch gute Sachen kaufen will. Zahl hat spontan all ihre übrigen Stücke dazu geworfen und so machen wir uns auf unsere Bratwurst (das Ding soll 30 Kronen kosten und sooo lang ist die letzte Mahlzeit dann doch noch nicht her) mit 30 einzelnen Kronenstücken zu bezahlen. Die deutsche Verkäuferin vertraut hierbei ihren Landsmänninen und zählt nicht mal nach. Wir genießen.
Beim Weiteren Schlendern fällt uns auf, dass man hier auch ziemlich gut mal Weihnachtsgeschenke kaufen kann. Ich entdecke beispielsweise eine Axt, die ich schon ziemlich gerne meinem Vater zukommen lassen würde. Aber ganz billig ist sie nicht... Naja, das Samizelt, in dem sie sich versteckt, wird so schnell nicht weglaufen und deswegen werde ich wohl mal noch eine Nacht darüber schlafen.
An der entlegensten Stelle des Marktes entdecken wir dann sogar noch einen Stand mit Julegrött. Leider sind wir momentan zu gesättigt. Aber die Julegrött wird es dem Samizelt wohl gleichtun und auch morgen noch da sein. Und eigentlich bin ich auch bedeutend mehr an den Elchburgern interessiert... Allerdings kann man nicht alles haben und deswegen wird der Ort des Essens lieber mal vor totaler Verarmung verlassen.

Plötzlich klingelt mein Handy und Andi, der gestern noch versucht hat uns nach dem Besuch bei Esther für eine Party mit seinem eingeflogenen Mitbewohner zu begeistern, will uns heute zum Essen einladen. Da wir das schon getan haben, biete ich zum Tausch ein Konzert im Café Mir an. Wir kommen ins Geschäft.
Auf das heutige Konzert von Lady Moscow hat Saskia mich hingewiesen, da ihre Mitstudentin, die schon beim Tom Waits-Geburtstag fidelte, auch in dieser Band die Violinistin ist und die angeblich ziemlich gut sein sollen. Das wollen wir schon gerne mal überprüfen. Nach einer gemächlichen Fahrt nach Grünerlökka kommen wir also im schon reichlich gefüllten Mir an. Blöderweise bezahlen wir Eintritt. Im Laufe des Abends stellt sich das als eher unnötiges Unterfangen dar. Aber diese Erkenntnis haben wir leider erst viel zu spät.
Das Mir ist so voll wie ich es noch nie gesehen habe und durch die Menge können wir schon Saskia ausmachen, die es sich auf dem Boden bequem gemacht hat. Offensichtlich des dortigen Rumsitzens überdrüssig, schleicht sie sich erleichtert zu uns herüber. Wir haben relativ gute Plätze, wenn man bedenkt, dass es im Mir ja eigentlich keine Bühne gibt. Also schon. Aber die ist so etwa 10 Zentimeter höher, als der Boden, auf dem das Publikum steht. Und nach nur kurzer Zeit beginnen die moscowschen Damen und Herren mit einer kurzen Ansprache. Leider funktioniert das heute mit dem Strom und dem Mir nicht so gut, deswegen müssten sie ihr Konzert a capella spielen und das Publikum sollte, wenn es denn was hören will, schön dicht zum Kuscheln an die Bühne kommen. Gott sei Dank haben wir uns bereits in einer gemütlichen dritten Reihe platziert und hören sehr gut. Wie immer im Mir befinden sich viel zu viele Musiker auf einer viel zu kleinen Bühnen. Es gibt einen Drummer, einen Kontrabassisten, einen Akkordeonisten, einen Gitarristen, einen Sänger, der auch gerne seine Gitarre malträtiert und die ja bereits bekannte Violinistin als einzige Frau im Feld.
Tatsächlich handelt es sich bei Lady Moscow nur um die Vorband. Deswegen steht da auch noch Zeug vom eigentlichen Hauptact auf der Bühne, die somit wirklich einfach zu klein ist. Deswegen werden manche der Bandmitglieder einfach zeitweise und nach Rotationsprinzip ins Publikum ausgelagert.



Die Show ist trotz Mangel an Strom enorm energiegeladen und macht unglaublich viel Spaß. Irgendwann kommen dann auch Andi, Flo, Ann-Kristin, Gerda und ihr Mitbewohner an. Ich vergesse leider immer den Namen von Gerdas Mitbewohner. Der ist schon Norweger, ist allerdings schwarz und hat auch einen eher afrikanischen Namen. Irgendwas, das ein bißchen nach Nadine klingt...
Und auch zur Musik von Lady Moscow sollte ich vielleicht ein paar Worte verlieren. Die hat mir nämlich echt gut gefallen. So gut, dass ich sehr erleichtert bin, als Saskia mir eröffnet, dass sie mir gerne das Album von denen brennen kann! Das nehme ich doch sehr gerne mit!
Der Auftritt ist leider viel zu schnell zu Ende und die nachfolgende Band sieht nicht nur übel aus, sie klingt auch so. Saskia verabschiedet sich, bevor ihr Gehör Schaden nehmen kann und wir stehen ein bißchen verloren da. Doch schnell entscheiden wir uns einfach dafür in den Keller zum Kickern zu gehen. Da ist die Musik nicht so laut und Gerda, Nadine und Ann-Kristin sind schon längst unten und haben an einem der Tische schon Bekanntschaft mit haarigen Hutträgern gemacht...


Wie sich herausstellt ist Flo ein erschreckend guter Meister des Kickerns und alle haben irgendwie soviel Spaß daran, dass nur Gerda und Nadine sich dazu entschließen, die letzte Fahrtmöglichkeit nach Hause zu ergreifen. Flo fliegt morgen nachmittag wieder nach Hause und will deswegen am liebsten durchmachen. Was er nicht weiß, ist, dass die Möglichkeiten für ein solches Unternehmen in Oslo an einem Mittwoch eher begrenzt ausfallen. Und als gegen 1.30 Uhr das Mir zu macht, stehen wir plötzlich auf der Straße und wissen nicht so recht wo wir hin sollen. Da zu Fuß nach Hausegehen für die Fraktion Sogn unmöglich ist, wird nach kurzer Beratungsphase beschlossen, einfach direkt zu mir zu gehen. Selbstverständlich habe ich heute morgen all meine Dekorationen abgebaut und deswegen ist das Zimmer nicht gerade einladend, als wir nach einem elendig langen Fußmarsch endlich dort ankommen, aber es ist ja noch Essen da. Also geht es ab in die Küche und der Weg war lang genug um mit Andi dem Axtexperten die Vor- und Nachteile des Weihnachtsgeschenkes für meinen Vater zu erörtern. Wir vertreiben uns die Zeit, bis die drei gegen 6 Uhr morgens ihre erste Verbindung in die eigenen Betten nehmen können. Und nach all dem Kartenspielen und Rätselgrübeln und Geschichten Erzählen wird es auch für uns höchste Zeit ins Bett zu krabbeln und auch eine Weile dort zu bleiben!

Vintersju.

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