Mittwoch, 24. März 2010

Dagane kommer og går, ingenting består, la tidå gå...

Nach so einer langen Nacht muss ein relativ entspannter Tag folgen, da sind Zahl und ich uns einig.
Und auf meiner Liste der Sachen, die man noch machen sollte, solange man in Oslo ist, steht auch ein Spaziergang um Sognsvann. In der ganzen Zeit, in der ich hier bin, hab ich es nämlich nie wirklich ganz rum geschafft. Oftmals schon fast bis zur Hälfte, aber noch nie ganz rum. Das macht sich an einem schönen Tag mit frostigen -20 Grad und all dem Schnee bestimmt gut! Immerhin scheint die Sonne und solange sie noch zu sehen ist, sollten wir uns schnell auf den Weg machen!
Inzwischen sind wir ja ausgesprochene Experten auf dem Gebiet des Zwiebelprinzips. Schicht über Schicht wird angezogen und endlich finde ich auch mal eine vernünftige Gelegenheit meinen übergroßen selbstgestrickten Schal zu tragen. Auch Verächter von langen Unterhosen werden gestraft. Die sind dieser Tage absolut notwendig.
Also machen wir uns auf. Es ist wirklich schweinekalt. Aber das ist egal. Wir haben überraschend präzises Timing was die Bahnverbindungen angeht und sind mir nichts, dir nichts am See. Die Studentenmeuten, die sich hier an warmen Sommertagen tummeln bleiben bei diesen Temperaturen offensichtlich aus. Das gefällt mir ganz gut, denn so ist es angenehm ruhig und friedlich.
Ich will es mir auch auf keinen Fall nehmen lassen, auf den See zu gehen. Zahl ist noch etwas zögerlich. Gefrorenes Wasser oder aber nur scheinbar gefrorenes Wasser flößen ihr offensichtlich jede Menge Respekt ein. Aber es ist schon so lange so kalt und es sind bereits diverse Fußspuren ohne dazugehörige Einbruchsstellen zu erkennen. Deswegen fühle ich mich sicher. Und nach einem kurzen Bekräftigungstanz, traut auch Zahl sich weiter hinaus. Wenn das Eis mich hält, muss sie sich ja aber auch wirklich keine Sorgen machen!

Wir gehen zu einer kleinen Insel im See und begucken uns alles näher. Aber Zahl ist das ganze immer noch mulmig und quer über den See zu laufen, würde ich auch nicht riskieren. Deswegen wandern wir zurück ans Ufer und folgen dem ganz normalen Weg. Ich finde es großartig, auch wenn ich friere.

Es ist ein gutes Frieren und die Luft ist unglaublich klar. Ein komisches Gefühl macht sich breit, als ich über den Steg, von dem die anderen im September zum Baden in den See gehüpft sind, jetzt auf´s Eis marschiere... Wir versuchen so viele schöne Fotos zu machen wie möglich sind solange die Sonne noch da ist und wir nicht komplett zu Eiszapfen erstarren, denn an Haaren und Wimpern geht das schon langsam los.


Zahl ist das alles aber dann auch zu kalt und wir bevorzugen den Tag wirklich entspannt zu halten, schnell wieder nach Hause zu fahren, etwas Warmes zu kochen und uns dann einen gemütlichen Abend mit den Raske Menn zu machen.
In der Küche sitzt mal wieder jemand anderes. Jemand, der in Albrechts Zimmer wohnt. Denn Albrecht ist so gut wie nie da, hat aber dafür immer Menschen, die sein Zimmer bewohnen. Mal eine Deutsche, mal eine Asiatin und heute eben jemanden aus dem Iran. Der sitzt da und guckt Zahl beim Kochen zu, während ich damit beschäftigt bin, die fertige letzte Ladung Wäsche gleichmäßig zum Trocknen im Zimmer zu verteilen.
Schließlich kann ich ihr noch ein bißchen mentale Unterstützung leisten. Irgendwann kommt Tom in die Küche geschlendert und will wissen, was wir denn da gut riechendes zaubern. Das ist Chilli. Wow. Eigentlich riecht es gar nicht nach Chilli. Ja, das mag daran liegen, dass wir kein Chilli ranmachen, weil wir keins haben und ich nichts mag, was scharf ist. Also ist es eigentlich gar kein Chilli? Irgendwie nicht. Aber eigentlich schon. Wir ziehen uns also mit dem unchilligen Chilli in mein Zimmerchen zurück und genießen das überraschend gute Abendbrot und alle Folgen von Snabb Grabbar...

Der darauffolgende Freitag ist für Weihnachtseinkäufe verplant und Julegrött. Auch hier traut uns der gute Mann und zählt unsere tausenden (eher fünfundvierzig) Einzelmünzen nicht nach. Und weil es so kalt ist, kriegen wir auch noch einen Extralöffel drauf gebatscht.
Ich kaufe die Axt aus dem Zelt als besonderes Geschenk für mein Väterchen, weil er meine Note für die Norwegischprüfung so gut vorausgesagt hat und wir genießen unsere Grütze am Feuer, denn jede Wärmequelle ist willkommen.

Nach einer langen Suche durch alle möglichen Buchläden, entscheidet sich Zahl erstmal im Oslo City ein bißchen was für die Sprache zu tun und kauft sich Her Paa Berget zum Arbeiten. Und wenn wir schon mal in dem riesigen Oslo-City Ding sind, können wir auch noch mal schnell in den H&M, denn ich brauche ein paar pinke Strumpfhosen für mein Silvesterkostüm. Als ich an der Kasse stehe, sehe ich hinter mir Calle von den Raske Menn durchgehen. Flux wird bezahlt und ihm nochmal fix hinterhergelaufen. Der Gute scheint mit seiner Frau gerade ein bißchen einkaufen zu sein und erschrocken stellen wir fest, dass der Beinchen von der Dicke meiner Unterarme hat.
Aber was anderes soll das denn sein, als ein Zeichen dafür, dass wir uns dringend Karten für die Show 2 & 3 im Februar kaufen sollten. Die Frau im Christiania Theater ist auch sehr nett und erklärt uns eingewickelt in eine Decke wie das Theater aufgebaut ist, welche Plätze noch frei sind und welche wir nehmen sollten. Wenige Minuten später stehen wir überglücklich mit 2 Tickets auf der Straße! Wie anders könnte man einen so erfolgreichen Tag zu Ende bringen, als noch schnell einmal zum Campus zu fahren und dort Bilder von der weihnachtlichen Beleuchtung zu machen? Immerhin ist das auch noch ein Punkt auf meiner Liste!




Und nach so viel Geld ausgeben, kann man auch ruhig noch ein bißchen an den Erinnerungen feilen... Immerhin ist morgen schon der 19. Dezember.
Aber soweit muss man ja gar nicht denken. Da können wir lieber noch ein bißchen Schokokuchen essen und uns über unsere Geschenkerwerbungen freuen!

Vintersju.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen