Montag, 14. November 2011

Let Me Put You In The Magic Position...

Dieses Wochenende war ich recht aktiv. Leider nicht besonders für die Uni, wie ich es gerne gewesen wäre, sondern eher freizeitlich, aber ein bißchen Spaß muss man sich ja auch mal gönnen.

Samstagvormittag bin ich wie besprochen mit meiner Mitbewohnerin Irini zu einem Schulmarkt am anderen Ende der Stadt gefahren. Hier ist es üblich, dass alle Familien jede Menge Zeug, das sie nicht mehr brauchen für einen Flohmarkt zur Verfügung stellen und dass der erbrachte Erlös an die Schule geht. Ein schönes Prinzip eigentlich, weil man sowohl weiß, wo das Verkaufte herkommt, als auch wohin das Geld fließt.
Einen Sessel für mich haben wir nicht gefunden, aber einen Stuhl und eine Kommode für Irini. Schnell stellte sich heraus, dass diese aus massivem Holz war und das mit dem Transport nicht so gut klappte, wie wir uns das vorgestellt haben. Allerdings wohnt eine Kollegin von ihr in dieser Ecke der Stadt und sie hat den Stuhl genommen, so dass wir die Kommode tragen konnten. Und während so ein paar junge Männer amüsiert an uns vorbei gingen, hat ein Haufen 13-jähriger Mädchen gefragt, ob sie uns nicht helfen sollten. Dadurch sind wir bedeutend besser vorangekommen. Eine hat nämlich den Stuhl genommen und dann sind wir zu viert an der Kommode gewesen. Das Ganze haben wir fix in die T-Ban bugsiert und waren dann wieder auf uns allein gestellt.
Irini saß in der T-Ban auf ihrem Stuhl und hat den Türöffnungsknopf bedient, während ich mich zur Sicherheit an der Kommode festhielt. In Majorstuen sind wir ausgestiegen, denn von dort fährt ein Bus, der direkt vor unserer Haustür hält. Allerdings muss man erst zu der Bushaltestelle kommen. Zu zweit war uns das nicht möglich. Also hab ich Mirjam, eine weitere Mitbewohnerin angerufen, damit sie fix mit ihrem Freund vorbeikommt und uns hilft. Das tat sie dann mit hörbarem Widerwillen auch, aber wir mussten eine ganze Weile warten. Mitten in der Station - ich auf dem Stuhl sitzend, Irini auf der Kommode. Die Kinder fanden uns toll und insgesamt kann man sagen, dass wir wohl sehr unterhaltsam für die Passanten waren.
Aber wir haben es ja letztlich heil nach Hause geschafft.

Dort blieb ich allerdings nicht lange, denn ich war zu 20 Uhr mit einer Kommilitonin vor'm Parkteatret verabredet. Wir wollten zum Patrick Wolf Konzert.


Nun ist es mit dem Herrn Wolf so, dass ich den ab und an schon mal gehört habe und auch einige Lieder sehr mochte, mich aber nicht als Fan bezeichnet hätte. Allerdings hatte ich schon immer große Lust den auch mal live zu sehen und als sich die Chance bot, habe ich sie eben beim Schopf gepackt.
Ich war so unvorbereitet für das, was mich erwarten sollte...
Zunächst zur Vorband: Chinawoman. Eine asiatische Dame aus Kanada, die eine recht aufreizende Bluse trug und eher ruhige, aber durchaus ansprechende Musik gemacht hat. Ich fand ihre Stimme sehr angenehm. Das war ein sehr guter Auftakt - ein bißchen bluesig, aber dann auch wieder nicht. Schwer in eine Schublade zu packen.

Wir standen in der zweiten Reihe, was direkt vor der Bühne bedeutete, da es im Parkteatret keinen Abgrenzungszaun einen Meter vor der Bühne gibt. Dadurch hat man sich dem Ganzen sehr nah gefühlt. Generell glaube ich nicht, dass ich schon mal so dicht an einer Bühne war. Und bereits um 22 Uhr ging es dann los mit dem Herrn Wolf.
Wenn man nicht wüsste, dass er schwul ist, könnte man das spätestens bei seinem Outfit und den enormen Plateauschuhen erraten. Alles hat geglitzert und ich war zuerst ein bißchen skeptisch. Aber was dann kam, hat mich komplett von den Socken gehauen. Das Konzert war so gut. Melancholisch und glücklich-machend gleichzeitig. Wie genau das passiert ist, weiß ich auch nicht, aber ich war hellauf begeistert.
Mal ganz davon abgesehen, dass seine Stimme live noch stärker klingt, als auf Platte und dass er von Violine über Keyboard bis Harfe alle möglichen Instrumente spielen kann, hat er einfach eine Atmosphäre erzeugt, die unglaublich war. Man hat gemerkt, wie viel Freude die Band an der Show hatte und das hat sich ganz wundervoll im Publikum wiedergespiegelt.

Ich selber habe keine Fotos von der Show gemacht, aber eine Seite mit welchen gefunden und auch einem Video, das ganz gut zeigt, dass der Herr keine Berührungsängste hat, denn zwei Mal hüpfte er von der Bühne und begab sich ins Publikum.
Und wer weiß, wie ich aussehe, der findet mich auch auf einem der Bilder. Anschauen kann man sich die hier.
Ich hatte da also einen fantastischen Abend, der mich mit sehr viel Freude gefüllt hat. Und einmal mehr hat sich der Beschluss verfestigt, dass ich mir ab Januar einen Job suchen muss, denn ich möchte mir so Konzerte gerne öfter gönnen. Das macht einfach zu viel Spaß.

Dagens Låt: Overture - Patrick Wolf

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