Dienstag, 22. November 2011

Alt du har gjort for meg, alt det du kan. Alt de har hørt om deg, alt det er sant.

Zwei Stunden später und frisch geduscht machen wir uns auf, um zurück in die Stadt zu kommen.
Leider zeigt Stavanger uns eher die regnerische Schulter. Über die Temperaturen kann sich niemand beschweren, denn es ist 12° wärmer als in Oslo, wenn es nur nicht so regnen würde... Aber man muss ja trotzdem das Beste draus machen, sagen wir uns und stiefeln los. Der Bus bringt uns bis an die Domkirche und von da aus spazieren wir durch's Zentrum. Irgendwie kommt aber leider auch schon wieder der Hunger durch und wir erinnern uns daran, dass es irgendwo beim Wasser einen Kiwi gab. Der ist schnell gefunden, da er in einem Einkaufszentrum liegt, aber da wir dann doch keine Lust auf zusammengebasteltes Supermarktessen haben, beschließen wir uns wenige Meter daneben einen richtig echten selbstgemachten Burger zu gönnen und damit für den Tag versorgt zu sein. Wir erörtern kurz, ob das nicht einen Verrat am Mono-Burger darstellt, doch dies wird schnell verworfen, da wir ja in Stavanger sind und es hier nun mal kein Mono gibt. Das was uns da auf den Teller kommt, ist auch echt ziemlich lecker.
Der Regen ermutigt uns nicht unbedingt gleich weiterzuziehen und deswegen spielen wir noch 1-2-3 mit Kindern. Für Leute, denen dieses Spiel nicht bekannt ist, folgt eine Erklärung. Man bestimmt für den jeweils anderen vorbeispazierende Kinder und dieser muss dann entscheiden, ob er das jeweilige Kind haben will oder nicht. Wenn also zwei eher doofe vorbei kommen, kann man auf Risiko gehen, muss dann aber das dritte Kind nehmen. Da die meisten Kinder hier relativ niedlich sind, hatten wir aber eigentlich im Großen und Ganzen eine gute fiktive Ausbeute.
Natürlich wollten wir nicht ewig in diesem Einkaufszentrum bleiben und entschlossen uns deshalb ins Bøker Og Børst weiterzuziehen, einem gemütlichen Cafe, das fantastische heiße Schokoladen macht. Zur Erinnerung ein Bild von außen, als vor zwei Jahren die Sonne schien:


(Wie man vielleicht schon gemerkt hat, waren wir an der Fotofront nicht gaaanz so aktiv...)
Nun ja. Dort verbrachten wir ein paar schöne Minuten... allerdings wurde ich aufgrund des anstehenden Theaterabends nervöser und nervöser. Nach einem Abstecher in einen Buch- und einen Plattenladen (was man hier halt so macht), sind wir dann zu dem Theater gegangen. Das schöne an Stavanger ist ja, dass man alles zu Fuß innerhalb von zehn Minuten erreicht.
Marlene war kurz besorgt, dass wir zu früh da wären, aber das Foyer war reichlich gefüllt mit gut durchmischten Leuten.
Okay. Ich habe das Gefühl, dass ich zu dem Stück ein bißchen mehr schreiben muss.
Seit 2006 höre ich ja Kaizers Orchestra, die gerne mal Konzeptalben schreiben. Aus den ersten drei Alben haben sie jetzt zusammen mit einem Schriftsteller (von dem ich nicht ganz so viel halte) ein Theaterstück mit Musik gebastelt und besonders für Fans gab es halt an diesem Wochenende zwei Vorstellungen, die noch eine kleine Extraeinführung hatten.
Hierbei kam Helge, der Organist der Band als erster auf die Bühne und spielte eine kleine Eröffnungsmelodie auf dem Klavier. Im Anschluss daran gesellten sich der Autor des Stücks, Tore Renberg, der Hauptdarsteller Vegar Hoel und der Kaizers Gitarrist Geir Zahl dazu. Moderiert wurde die muntere Runde von Geirs Bruder Jan Zahl, der ansonsten als Journalist tätig ist.
Sie haben ein bißchen darüber erzählt, wie sich das alles so ergeben hat, wie es für Tore als Fan ist, da eine Geschichte draus zu basteln, die sich schon von den Geschehnissen der Alben entfernt, was die wichtigsten Elemente waren und so weiter und so fort. Das war ganz spannend, wäre aber hier aufzuführen ein etwas zu weitläufiges Unterfangen.
Außerdem wurde verkündet, dass es ausgewählte Sitze gibt, die einen Zettel in der Ecke klemmen haben, der es einem erlaubt, sich ein kleines Extra abzuholen. Da wir natürlich sofort geguckt haben, ob wir welchen hatten (wir hatten.), haben wir nicht mitgekriegt, was man mit denen machen soll... Aber dazu später.
Zunächst zum Stück. Wenn man Norweger ist, denke ich, dass man nicht unbedingt Kaizers mögen muss, um das Stück zu genießen. Allerdings geht es leider nicht, wenn man der Sprache nicht mächtig ist, weil da doch einfach zu viel Handlung drin steckt. Wir waren ziemlich begeistert. Das Bühnenbild war fantastisch und einige der neu eingespielten alten Lieder waren schlichtweg großartig. Andererseits gibt es dann auch wieder Kritikpunkte, beispielsweise konnte der Hauptdarsteller, den ich auch aus einigen Filmen kenne und immer sehr gut fand, leider nicht wirklich singen. Naja. Außerdem habe ich nicht ganz verstanden, warum das Stück nach ihm benannt wurde, weil meiner Meinung nach jemand anderes die tragende Rolle hat. Wer weiß.
Insgesamt handelt es sich aber um eine ziemlich gute Aufführung, die Humor, Leid und Wahnsinn hervorragend umfasst und sich viel Kaizerlichkeit bewahrt. Besonders gerne mochte ich die Idee, Luzifer personifiziert permanent im Hintergrund agieren zu lassen.
Zurück zu den ominösen Zetteln. Man hätte sich in der Pause ein Plakat mit zig Signaturen abholen können. Das hatten wir verpasst, fanden es aber nicht so schlimm, weil die Plakate eh nicht schön sind. Und das ist noch sehr freundlich formuliert. Wie wir das rausgefunden haben, lässt sich auch schnell erklären, Marlene hat nämlich mal eben Geir gefragt, der da rumstand. Der hat sich entschuldigt, dass wir nix abgekriegt haben, obwohl es ja eigentlich unserer Blödheit geschuldet war und Marlene hat noch ein von ihm mit einem Roman versehenes Programm geschenkt bekommen.
Bilder von der Vorstellung finden sich übrigens am Ende dieser Seite.

Nach der Vorstellung sind wir noch mit dem Mädchen, das die deutsche Kaizer-Fanpage macht (mit dem Marlene ein bißchen befreundet ist) und ein paar ihrer Freunde ins Cementen gegangen um das Stück bei einem Bier (oder einer Cola...) auszuwerten und zu interpretieren. Es wurden auch immer mehr um den Tisch, aber gegen 1 Uhr hatte uns dann die Erschöpfung endgültig eingeholt und wir konnten nicht länger Norwegisch reden und/oder zuhören, also haben wir uns verabschiedet.
Da wir aber keine Lust hatten auf den Nachtbus zu warten, sind wir zu Fuß gegangen, denn der Regen hatte inzwischen aufgegeben uns zu nerven. Das war zwar ein Weg von 1 1/2 Stunden, aber wir haben auch ziemlich getrödelt und von der Stadtbrücke aus hatte man eine wunderbare Sicht auf Stavanger.

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